Regionales Leben
Erste grosse Militärübung seit 33 Jahren

Darum rollen bald Panzer um den Sempachersee

Das Ziel der Übung ist, den Ernstfall unter möglichst realen Bedingungen zu üben. (Bild: Symbolbild VBS)

Die Armee fährt diese Woche schweres Geschütz auf. Mit rund 5'000 Armeeangehörigen trainiert sie eine Woche lang inmitten der Zivilbevölkerung den Ernstfall. Die Übungen zu «Pilum 22» finden unter anderem im Raum Luzern statt.

An den Bahnhöfen warten Männer in Tarnanzügen, in den Strassen rollen Panzer. Das ist jedoch kein Bild aus dem Ukraine-Krieg, sondern aus verschiedenen Kantonen der Schweiz. Die Armee führt ab Dienstag eine einwöchige, gross angelegte Militärübung unter dem Titel «Pilum 22» durch (zentralplus berichtete). Dafür sind rund 5'000 Armeeangehörige in Bern, Solothurn, Aargau, Luzern und Zürich unterwegs. Die letzte Übung von diesem Kaliber hat 1989 stattgefunden.

Die Überschneidung der Übung mit einem realen Krieg sei ein Zufall, wie Marc Ramel, Chef Kommunikation Mechanisierte Brigade 11, am Telefon sagt: «Die Vorbereitungen zu dieser Übung laufen seit zwei Jahren. Uns ist jedoch bewusst, dass derzeit eine sensible Zeit ist.» Die Armeeführung habe jedoch entschieden, die Übung trotzdem durchzuführen.

Unter realen Bedingungen den Ernstfall üben

Ziel von «Pilum 22» ist, dass die Truppen – bestehend aus vier mechanisierten Bataillonen, dazu ein Logistikbataillon sowie eine Gebirgsinfanteriekompanie – den Ernstfall unter möglichst realen Bedingungen üben können. Das gehe von der Planung der Kader über die Kommunikation bis zu den Panzerfahrern. «Wir üben viel auf den Waffenplätzen, doch ein Einsatz im zivilen Umfeld stellt uns vor ganz andere Herausforderungen.» Beispielsweise wie man mit dem Panzer durch die Strassen rattert, während gleichzeitig Luzernerinnen zur Arbeit fahren.

Diese Truppen sind im Einsatz

Ein Grossteil der Teilnehmer (rund 3'350 Armeeangehörige) stammen aus der Mechanisierten Brigade 11, einer von insgesamt drei der Schweizer Armee. Sie stellen vier Bataillone: ein Stabs-, ein Aufklärungs-, ein Panzer- und ein Panzersappeurbataillon. Diese sind mit mehr als 80 Panzern unterwegs – von Führungspanzern über Kampfpanzer 87 Leopard bis zu den Genie- und Minenräumpanzer Kodiak.

Dabei gebe es in der Theorie klare Abläufe – ein Sicherheits-Detachement fahre voraus und sperrt etwa Kreisel ab. Diese gelte es jedoch auch in realen Bedingungen zu üben, die eine Planung über den Haufen werfen könnten. «Zwar hat die Übung ein Drehbuch, es ist jedoch kein Theaterstück», betont der Oberstleutnant. Dementsprechend könne die Armee auch erst kurzfristig über geplante Panzerfahrten oder Truppenverschiebungen informieren.

Derzeit befinde sich die Übung in einer vorwiegend stationären Phase. Zuerst beziehen die Truppen Bereitschaftsräume. Dort ziehen sie zuerst Sicherungen auf und üben, wie sie Leute unterbringen können.

Vor allem im Raum Sursee unterwegs

Im Raum Luzern seien grundsätzlich «schwere Mittel» – also vor allem Panzer – unterwegs. Dabei fahre ein ganzes Panzerbataillon vom Wiggertal in Richtung Wolhusen. Es fahre unter anderem auch um den Sempachersee. In der Stadt Luzern seien keine Übungen geplant, erklärt Ramel. «Kurz vor Emmen ist Schluss.»

In den betroffenen Gebieten müsse die Bevölkerung mit Lärm und Verkehrsbehinderungen rechnen. Auch können im Rahmen der Übung Schäden entstehen: «Etwa ein Randstein oder eine Verkehrsinsel könnte in Mitleidenschaft gezogen werden.» Diese werden jedoch erhoben und über das Schadenszentrum des VBS abgerechnet.

Der Kommunikationschef beteuert jedoch, dass die Wagen- und Panzerkommandanten sehr auf Sorgfalt bedacht seien. Auch sei die Route so gewählt worden, dass die Panzer jeweils auf klar definierten Strassen führen, die solch schwere Fahrzeuge aushielten.

Kontaktstelle für Fragen

Bei Fragen und Anmerkungen steht während der Dauer der Übung eine Hotline für die Bevölkerung bereit (0800 0800 85). Zudem steht eine Mail-Adresse ([email protected]) zur Verfügung.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung des Verteidigungsdepartements (VBS)
  • Telefonat mit Marc Ramel, Chef Kommunikation Mechanisierte Brigade 11
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