Polizei kommt an ihre Grenzen

Besucherandrang in der Ufschötti: Stadtrat beugt sich dem Freiheitsdrang der Luzerner

Beliebter Treffpunkt der Luzerner: Die Ufschötti an Auffahrt. (Bild: rob)

Die Abstandsregeln am Seeufer durchzusetzen, erweist sich als unmöglich. Für die Luzerner Polizei ist dies «frustrierend». Trotzdem will der Stadtrat keine erneuten Sperrungen anordnen – wohl auch, weil auf diese Woche weitere Lockerungen angekündigt sind.  

Um Ansteckungen mit dem Corona-Virus zu vermeiden, hat der Luzerner Stadtrat im April die Seeufer gesperrt (zentralplus berichtete). Sechs Wochen später wurden die Gitter wieder weggeräumt (zentralplus berichtete). Die Bedingung des Stadtrats war klar: Die Regeln des Bundes wie das Ansammlungsverbot und die Abstandsregeln müssen weiterhin eingehalten werden.

Um diese durchzusetzen, engagierte die Stadt sogar einen zusätzlichen Sicherheitsdienst, der die Polizei unterstützen soll (zentralplus berichtete). Genützt hat das wenig.

Im Inselipark und auf dem Europaplatz musste die Polizei am Auffahrt-Wochenende erneut feststellen, dass viele Jugendliche in Gruppen zusammenwaren und die Anstandsregeln nicht eingehalten wurden (zentralplus berichtete).

Kapitulation ist für die Luzerner Polizei keine Option

«Gerade in der Ufschötti haben wir extrem viele Leute gehabt am Donnerstag, so dass es nicht mehr möglich war für die Polizei, irgendwelche Massnahmen durchzusetzen», sagte Polizeisprecher Christian Bertschi gegenüber dem «Regionaljournal Zentralschweiz». Es sei eine Frage der Eigenverantwortung, die Abstände einzuhalten. «Es geht um die Gesundheit jedes Einzelnen.»

Zu kapitulieren ist für die Luzerner Polizei aber keine Option. «Selbstverständlich markieren wir Präsenz.» Man suche den Kontakt zu den Leuten und versuche, sie auf die Regeln hinzuweisen, die immer noch gültig sind.

«Aber es ist natürlich schon so, dass wir nicht mit dem halben Polizeikorps auffahren können, um Personenkontrollen durchzuführen.» Das wäre auch nicht verhältnismässig. «Aber es ist schon etwas frustrierend zu sehen, dass sich sehr viele Leute nicht mehr an die Regeln halten, vor allem in der Ufschötti und im Inseli.»

Strategie der Stadt: Die Massen möglichst verteilen

Wie reagiert der Stadtrat darauf, dass die Luzerner Polizei die Abstandsregeln nicht mehr durchsetzen kann? Anders als ursprünglich angekündigt, ist es derzeit keine Option, das Seeufer wieder zu sperren.

Nachdem Mitte Mai kurzzeitig die Liegefläche im Lido gesperrt worden war (zentralplus berichtete), setzt die Stadt nun auf das Gegenteil. «Dem Stadtrat ist wichtig, dass möglichst viel öffentlicher Raum zur Verfügung steht, damit sich die Bevölkerung bestmöglich verteilen kann», sagt Armida Raffeiner, Chefin des Gemeindeführungsstabs, auf Anfrage.

Deshalb sei es wertvoll, dass der Bevölkerung nun trotz geschlossenem Badebetrieb die Anlagen im Lido und im Tribschenbad wie im Winter als Naherholungsflächen zur Verfügung stünden. «Momentan ist eine erneute Sperrung von Plätzen und Flanierzonen am See kein Thema», so Raffeiner weiter.

Abstandsregel könnte bald aufgehoben werden

Der Stadtrat greift also nicht durch, appelliert aber an die Bevölkerung, vorsichtig zu bleiben. «Das Virus ist noch immer da», erinnert Raffeiner. Eigenverantwortung auch bei schönem Wetter zu übernehmen, heisst: Hygienevorschriften, das Verbot von Ansammlungen von mehr als fünf Personen sowie das Einhalten des Zweimeterabstandes beachten. Und – aus Sicht von Raffeiner ganz wichtig –: «Kommen Sie nicht an Orte, wo sich schon viele Menschen aufhalten, weichen Sie bitte unbedingt auf weniger belebte Orte aus.»

Der Bundesrat hat auf diese Woche eine Pressekonferenz angekündigt, in welcher er über weitere Lockerungen informieren wird. Es wird spekuliert, dass allenfalls die 2-Meter-Abstand-Regel aufgehoben werden könnte. Nicht nur für die Luzerner Polizei wäre dies eine Erleichterung.

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