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Regierungsrat Küng zum Stau: «Man kann Probleme auch herbeireden»
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Robert Küng präsentiert das Verkehrskonzept für die Luzerner Gemeinden im Rontal. (Bild: giw)

Mall-Eröffnung: Es droht der Verkehrskollaps Regierungsrat Küng zum Stau: «Man kann Probleme auch herbeireden»

4 min Lesezeit 2 Kommentare 06.11.2017, 19:15 Uhr

«Riesen-Ghetto», «Verkehrskollaps»: Die Eröffnung der Mall of Switzerland wird die Strassen im Rontal an seine Belastungsgrenze bringen – das befürchten Politiker und die Bevölkerung. Kanton, Gemeinden und Mall-Vertreter haben sich gewappnet für den Autoansturm. Doch reichen wird das nicht.

Am Mittwoch strömen Shopping-Center-Fans von nah und fern nach Ebikon. Denn die Mall of Switzerland öffnet ihre Türen. Mindestens 50’000 Besucher pro Tag erhoffen sich die Mall-Besitzer, während den Eröffnungstagen werden es deutlich mehr sein. Und nicht wenige Luzerner werden mit dem Auto kommen (zentralplus berichtete). Im Kanton läuten bei Verkehrspolitikern und Gemeinderäten seit Monaten – wenn nicht gar seit Jahren – die Alarmglocken (zentralplus berichtete).

Zahlreiche ÖV-Massnahmen geplant

Zwei Tage bevor das Shopping-Center eröffnet wird, gastierte Regierungsrat Robert Küng (FDP) im Gemeindehaus von Ebikon, der grössten Gemeinde im Stau-Epizentrum Rontal. Thema: die Optimierung Gesamtverkehr Ost. Die Alarmstimmung in Bevölkerung sowie Politik im Angesicht des befürchteten Mega-Staus schlug sich in der prominenten Anwesenheitsliste nieder.

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Hans Peter Bienz (Gemeinderat Ebikon), Kurt Sidler (Geschäftsführer Luzern Plus), Pascal Süess (Geschäftsführer, Verkehrsverbund Luzern), Norbert Schmassmann (Direktor VBL), Bernd Hofer (Geschäftsführer der Mall-Besitzerin FREO Switzerland) und Werner Schaeppi (Sprecher der Mall). Sie alle und ein weiteres Dutzend Experten waren da.

Noch einmal wurden die grösstenteils bekannten Verkehrsmassnahmen bis und mit Dezember 2019 präsentiert. Da wären beispielsweise:

  • 7,5-Minuten-Taktfrequenz der Buslinie 23
  • die Verlängerung der Buslinie 1 zur Mall
  • der Bushub Ebikon
  • die neue Linie 111 ab dem Fahrplanwechsel im Dezember zwischen Ebikon Bahnhof–Mall of Switzerland–Inwil Dorf–Waldibrücke Bahnhof
  • die neue Buslinie 26 ab Ebikon Bahnhof über den Kantonsspital bis Littau Bahnhof
  • Anpassung der Kantonsstrasse in Ebikon
  • längere Züge
  • Ausbau S9 nach Hochdorf am Abend
  • Verlängerung der Linien 22 und 23

Kanton im Rückstand

Langfristig ist ausserdem ein RegioExpress zwischen Ebikon und Zürich im 30-Minuten-Takt vorgesehen. Doch das kann noch Jahre dauern, der Stau droht unmittelbar. Um dem ersten Ansturm zwischen dem 8. und dem 11. November zu begegnen, sind Shuttlebusse, zusätzliche Parkplätze, Extrazüge und vergünstigte ÖV-Tarife als Massnahmen vorgesehen.

Reichen wird das trotzdem nicht. Regierungsrat Robert Küng: «Wir gehen davon aus, dass unsere Verkehrssysteme nicht für solche Hypes gebaut sind. Darum wird es eine Überlastung des Verkehrsnetzes geben in den nächsten Tagen.» Der Tenor aller Beteiligten im Hinblick auf die Mall-Eröffnung ist: «Wir haben das Möglichste gemacht.» Nun bleibt nur ein Stossgebet und die Hoffnung, dass der erwartete Mega-Stau erträglich bleibt. Küng räumt ein, dass man mit notwendigen Verkehrsmassnahmen drei Jahre zurückliege.

30 Prozent mehr Mobilität

Doch von einer verkehrspolitischen Ohnmacht will Küng nicht sprechen, er relativiert gar den drohenden Kollaps im Ron- und Seetal: «Man kann sich die Probleme auch herbeireden. Im gesamtschweizerischen Vergleich mit anderen Agglomerationen läuft der Verkehr im Kanton mit wenigen Ausnahmen.»

Der Horizont des Rontaler Verkehrskonzepts liegt im Jahr 2030 – bis dann rechnet der Kanton mit 30 Prozent Mobilitätswachstum in der Luzerner Boomregion. «Wir möchten einen Grossteil dieses Mehrverkehrs über den öffentlichen Verkehr abwickeln.» Es seien deshalb noch grosse Anstrengungen notwendig, um das ÖV-Netz auszubauen, sagt der Regierungsrat.

Von Links nach Rechts: Regierungsrat Robert Küng, Luzern Plus-Geschäftsführer Kurt Sidler, Ebikons Gemeindepräsident Hans Peter Bienz, VVL-Geschäftsführer Pascal Süess und VBL-Direktor Norbert Schmassmann.

Von links nach rechts: Regierungsrat Robert Küng, Luzern-Plus-Geschäftsführer Kurt Sidler, Ebikons Gemeindepräsident Hans Peter Bienz, VVL-Geschäftsführer Pascal Süess und VBL-Direktor Norbert Schmassmann.

(Bild: giw)

Das widerspiegelt sich auch im Mobilitätsplan des neuen Konsumtempels: Bei der Mall rechnet man damit, dass vier von zehn Besuchen mit Bahn, Bus, Velo oder zu Fuss anreisen. Diese Pläne seien illusorisch, findet der ehemalige Direktor des Emmen Centers, Bruno Kunz: «Mehr als 40 Prozent via öffentlichen Verkehr anzuziehen, wird wohl derzeit noch nicht gelingen.» Regierungsrat Küng ist jedoch überzeugt, dass die Zahlen aufgehen. Eine Alternative gibt es nicht: «Zusätzliche Strassen im Rontal sind nicht realistisch und wollen wir auch nicht.»

Dosierungssystem soll helfen

Ein Fahrtenmodell soll sicherstellen, dass jährlich maximal 3 Millionen Ein- und Ausfahrten gezählt werden bei der Mall. Ein Controlling-Gremium bestehend aus Kanton, Gemeinden und Mall-Vertretern sorgt dafür, dass diese Grenzen eingehalten und bei deren Überschreitung Massnahmen ergriffen werden. Im deutlich kleineren Pilatusmarkt Kriens wurde ebenfalls eine 3-Millionen-Fahrtengrenze definiert – und nicht eingehalten.

Dennoch unternahm die Regierung in Kriens nichts in diesem Frühjahr. In Ebikon befürchtet man ebenfalls Tatenlosigkeit. Küng versichert, dass im Fall der Mall of Switzerland Massnahmen umgesetzt würden, sollten die Grenzwerte überschritten werden. Es bestehe die Möglichkeit, die Kantonsstrasse im Rontal zu entlasten, indem die Autofahrer mithilfe des Dosierungssystems länger im Mall-Parkhaus gehalten werden.

Nachhaltige Lösungen für die Stauprobleme im Rontal liegen jedoch in weiter Ferne. Regierungsrat Küng erinnert an sein aus seiner Sicht wichtigstes Projekt im Kampf gegen den Stau: «Wir brauchen die Spange Nord und den Bypass.» Bis dahin werden mindestens noch 18 Jahre ins Land gehen.

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2 Kommentare
  1. David Lehner, 09.11.2017, 21:05 Uhr

    Liebe Bevölkerung, liebe Medien. Bitte lernt es endlich: Im Kanton Luzern gibt es keine Probleme! Keine Finanzprobleme, keine Verkehrsprobleme… und schon gar keine Probleme mit der Regierung. Letztere ist unfehlbar und handelt stets im besten Interesse der Luzernerinnen und Luzerner. Also hört auf Märchen zu verbreiten, die das Gegenteil suggerieren. Hochachtungsvoll – ihre Regierung.
    P.S. Unsere Finanzstrategie ist die grösste Erfolgsgeschichte seit der Operation Barbarossa.

  2. Michel Ebinger, 07.11.2017, 12:28 Uhr

    Man kann Probleme jedoch auch offenen Auges negieren und hoffen, das es sich von selber löst. so ein Mal ist erstens veraltet und zweitens raumplanerisch gesehen völliger Humbug