Regenbogen-Community: Stadt Luzern setzt auf Offenheit und Toleranz am Arbeitsplatz
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Die Stadt Luzern soll sich als LGBTI-freundliche Arbeitgeberin zertifizieren lassen. (Bild: Jana Sabeth/Unsplash)

LGBTI-freundliches Label soll her Regenbogen-Community: Stadt Luzern setzt auf Offenheit und Toleranz am Arbeitsplatz

5 min Lesezeit 8 Kommentare 20.04.2021, 16:22 Uhr

Die Stadt Luzern soll sich als LGBTI-freundliche Arbeitgeberin zertifizieren lassen, findet der Stadtrat. Er nimmt einen entsprechenden Vorstoss entgegen. zentralplus hat nachgefragt, was das bringt und ob es sich dabei nicht um ein reines Lippenbekenntnis handelt.

Grün, blau, violett, rot, orange und gelb – die Farben der Regenbogenfahne. Denn einst könnten bei Stellenanzeigen der Stadt Luzern neben den Farben der Leuchtenstadt – also Blau und Weiss – die Farben des Regenbogens die Anzeigen zieren.

Die Stadt Luzern soll als Arbeitgeberin das «Swiss LGBTI-Label» anstreben. Mit diesem werden Arbeitgeber ausgezeichnet, welche die «Offenheit und Inklusion» leben. Es ist ein sichtbares Zeichen gegen aussen, dass man offen gegenüber der LGBTI-Community ist – also gegenüber Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans-Menschen und intergeschlechtlichen Menschen. Das forderten fünf Luzerner Grossstadträte mit einem Vorstoss (zentralplus berichtete).

Stadtpräsident erhofft sich Tipps

In seiner Stellungnahme spricht sich der Luzerner Stadtrat für das Erlangen eines solchen Zertifikats aus. «Die Stadt Luzern positioniert sich generell als weltoffene, inkludierende Kommune», heisst es darin. Man möchte nicht nur Inklusion leben, was sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität betrifft – sondern auch weitere Dimensionen miteinschliessen wie Alter, Religionszugehörigkeit, Ethnie oder Behinderung.

«Wir wollen uns nicht mit einem weiteren Label schmücken.»

Beat Züsli, Stadtpräsident

Stadtpräsident Beat Züsli meint: «Sicher wollen wir mit dem Label auch attraktiver für die LGBTI-Community werden.» Ihm gehe es aber nicht um ein reines Lippenbekenntnis. «Wir wollen zwar zeigen, dass wir Offenheit und Inklusion leben. Aber wir wollen uns nicht mit einem weiteren Label schmücken. Ich erhoffe mir, dass wir als Arbeitgeberin durch Erlangen des Labels in erster Linie Hinweise darauf erhalten, wo wir konkrete Massnahmen im Bereich LGBTI prüfen oder ergreifen sollten.» Zudem erhofft er sich, dass die Stadt Luzern Vorbild für andere Arbeitgeber wird.

Fragebogen zeigt Handlungsbedarf auf

Um das Swiss LGBTI-Label zu bekommen, müssen Unternehmen und Organisationen eine Selbstdeklaration abgeben. Für grosse Organisationen mit mehr als 250 Mitarbeitenden ist das ein Fragenkatalog, bestehend aus 60 Fragen, unter anderem zum Leitbild, der externen Kommunikation und zur Personalrekrutierung. Mindestens 33 von 100 Punkten müssen erfüllt sein, um das Label zu erhalten.

«Der Bericht zeigt auf, wo noch Verbesserungen möglich und gar zwingend sind.»

Beat Steinmann, Leiter Kontaktstelle Swiss LGBTI-Label

Inklusion und Offenheit werden beim Swiss LGBTI-Label als Prozess verstanden. Beat Steinmann, Leiter der Kontaktstelle Swiss LGBTI-Label, sagt dazu: «Der Bericht zeigt auf, wo noch Verbesserungen möglich und gar zwingend sind. Er soll eine Hilfe sein, um das Diversity-Thema intern noch mehr zu beachten und fördern.»

Wer nur knapp – also mit bis rund 50 von 100 Punkten – abschliesst, erhält beim Relabeling nach drei Jahren ohne eindeutige Verbesserungen das Zertifikat nicht wieder. Dann werden nämlich mindestens 50 Punkte verlangt.

Wer sich wohlfühlt, ist auch produktiver

Der Luzerner Stadtrat stütze die mit dem Swiss LGBTI-Label angestrebten Ziele. Laut Beat Steinmann verbessern Arbeitgeber mit dem Zertifikat unter anderem ihre Arbeitgebermarke. Auch werde die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt, weil sich jedes einzelne Mitglied in der Organisation wohlfühle und somit produktiver und innovativer sei.

Auch wird natürlich das Image aufpoliert, indem die Öffentlichkeit die Organisation als offen, engagiert und sozial wahrnimmt. Weiter werde die Identifikation gegen innen, also mit dem Arbeitgeber, gestärkt. «Wer sich akzeptiert fühlt, ist nicht nur engagierter bei der Arbeit, sondern identifiziert sich auch viel stärker mit ihr», so Beat Steinmann.

Stadt Zürich hat als erste staatliche Institution das Label erhalten

Das Swiss LGBTI-Label hat die Stadt Zürich bereits Anfang 2020 erhalten – als erste staatliche Institution.

Anja Derungs, Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung der Stadt Zürich, schreibt auf Anfrage: «Das Label verleiht unseren Anstrengungen Sichtbarkeit – und trägt damit auch zur Sensibilisierung und Information bei.»

Beispielsweise arbeitet die Stadt Zürich seit 2009 mit einem sogenannten Gleichstellungsplan. Vor drei Jahren hat sich die Stadt Zürich als erste Schweizer Verwaltung zu einem respektvollen Umgang mit Trans-Menschen am Arbeitsplatz bekannt. Weiter hat der Stadtrat beschlossen, einen Trans-Aktionsplan in den Gleichstellungsplan der Stadt Zürich zu integrieren.

Im Personalrecht der Stadt Zürich steht explizit, dass die Chancengleichheit aller Mitarbeitenden gefördert wird, die «aufgrund von Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität, Herkunft, Staatsangehörigkeit, Sprache, Religion oder Behinderung» benachteiligt sein könnten.

Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass Vorgesetzte und Teams mit Trans-Menschen wissen und sicherstellen, dass diese immer entsprechend ihrer Geschlechtsidentität angesprochen werden. Oder dass E-Mail-Accounts oder Arbeitszeugnisse auf den Namen lauten dürfen, den die betreffenden Personen sich selbst geben.

Fachstelle für Gleichstellung soll sich der Aufgabe annehmen

Der Luzerner Stadtrat rechnet für die Erlangung des Labels mit einem Aufwand von 50 bis 100 Stunden und Kosten von nicht mehr als 10’000 Franken.

Allerdings sei eine Umsetzung in diesem Jahr nicht wahrscheinlich. Der Luzerner Stadtrat will warten, bis eine Fachstelle für Gleichstellung geschaffen ist, die sich auch um LGBTI-Anliegen kümmern soll. Kommende Woche diskutiert und entscheidet das Luzerner Stadtparlament über das Thema.

«Es ist aber auch nicht verwerflich, wenn eine Unternehmung oder eine Organisation, welche die Community aktiv unterstützt, damit auch mal Werbung macht.»

Beat Steinmann

Zurzeit werden die Grundlagen für die Einführung einer solchen Fachstelle erarbeitet. Dies, nachdem das Luzerner Stadtparlament 2019 eine Motion von SP, Grünen und GLP überwiesen hat, welche die Einführung einer solchen Fachstelle forderte.

Wie Pinkwashing vermieden werden soll

Doch wie wird sichergestellt, dass sich Unternehmen nicht einfach mit einem LGBTI-freundlichen Label schmücken – und sogenanntes Pinkwashing betreiben?

Wie Beat Steinmann ausführt, würden die Teams des Swiss LGBTI-Labels sowie die Vergabekommission die bisherigen Kandidatinnen meist persönlich kennen. Daher haben sie auch guten Zugang zum «echten Leben» in den Organisationen. «Bisher kennt man sich noch und für die Zukunft haben wir Mittel und Massnahmen zur Verfügung, die Selbstdeklaration vertiefter zu überprüfen, sollte ein Verdacht auf Pinkwashing aufkommen.» 

Im Zweifelsfall werde das sogenannte Core-Team mit einer Firma den Kontakt suchen und allenfalls auch ein Audit – das im Vertrag vorgesehen ist – vor Ort durchzuführen.

«Es ist aber auch nicht verwerflich, wenn eine Unternehmung oder eine Organisation, welche die Community aktiv unterstützt, damit auch mal Werbung macht», so Steinmann abschliessend.

Schliesslich würden LGBTI-Abstimmungskämpfe, wie zum Diskriminierungsschutz oder der «Ehe für alle», primär von den LGBTI-Vereinen getragen und finanziert. «Da sind finanzielle Leistungen von Firmen ebenso nötig wie willkommen.»

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8 Kommentare
  1. Joseph de Mol, 21.04.2021, 09:37 Uhr

    Ich würde folgendes Label hinsichtlich Gleichheit mal ganz gerne antreffen:
    Stadt mit besonders kleinen Vermögens- und Einkommensunterschieden.

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  2. B Suter, 21.04.2021, 07:58 Uhr

    Ein grund stolz auf unsere schöne Stadt zu sein!

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  3. Faktencheck, 21.04.2021, 07:53 Uhr

    Da können sich in dieser Stadt verheiratete, heterosexuelle, Männer bürgerlicher Provenienz langsam aber sicher als Species Rara fühlen, der man auch ein Bisschen Toleranz entgegenbringen müsste…

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  4. Benni, 20.04.2021, 18:34 Uhr

    Das ganze Getue ,geht mir langsam auf den Sack.
    Mit dem übertriebenen Forderungen, machen sie sich nicht gerade beliebter.

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    1. B Suter, 21.04.2021, 07:54 Uhr

      Wo sehen Sie eine übertriebene Forderung?

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  5. Peter Bitterli, 20.04.2021, 17:56 Uhr

    Überflüssig wie ein Kropf. Wer eine vorurteilsfreie Anstellungspolitik betreibt, braucht kein Label. Wer meint, sich labeln zu müssen, zeigt, dass etwas nicht stimmt. Als wäre das, was da gelabelt wird, in der Praxis heute überhaupt ein Problem. Ich würde mir ja sowas von erniedrigt vorkommen, wenn mein Arbeitgeber sich mit einem Label für meine sexuelle Vorliebe brüsten würde.

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    1. B Suter, 21.04.2021, 07:57 Uhr

      Sie haben wohl gar keine Ahnung was zB. Transmenschen durchmachen müssen, sonst würden sie nicht so einen Unsinn von sich geben „kein Problem“.

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    2. Peter Bitterli, 21.04.2021, 09:48 Uhr

      Ich weiss, was ich als Klismaphiler seit Jahrzehnten durchmachen muss. Und niemand anerkennt dieses Leid.

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