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Raus aus dem GaultMillau: Macht der Neuheimer «Falken» etwa zu?
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Der Falken in Neuheim gehe zu. So jedenfalls steht es im aktuellen GaultMillau.

Zuger 16-Punkte-Restaurant fehlt im Restaurantführer Raus aus dem GaultMillau: Macht der Neuheimer «Falken» etwa zu?

3 min Lesezeit 2 Kommentare 13.10.2019, 12:13 Uhr

Was tut man, wenn man als Gastrobetreiber nicht mehr im Restaurantführer vermerkt werden will? Man meldet sich ab. Denkste. Damit sein Restaurant Falken nicht im nächstjährigen GaultMillau auftaucht, hat Peter Doswald eine drastische Ansage gemacht.

Grosse Überraschung beim Durchblättern des neuen GaultMillau-Führers, der am Montag erschien. Das 16-Punkte-Restaurant Falken in Neuheim ist nicht mehr aufgelistet.

Dennoch wird der Gastrobetrieb an unerwarteter Stelle erwähnt. Und zwar in der Restaurantkritik über das Restaurant Hinterburgmühle in Neuheim. Diese beginnt mit dem Satz: «Peter Doswald will seinen mit 16 GaultMillau-Punkten ausgezeichneten ‹Falken› in Neuheim leider schliessen.» Die «Hinterburgmühle» ist nun noch das einzige Neuheimer Restaurant, welches im GaultMillau zu finden ist.

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Die Restaurantkritik der «Hinterburgmühle» beginnt mit einer Ode an den «Falken».

Fragt man beim «Falken»-Gastgeber nach, klingt es jedoch ganz anders. «Nein, wir machen nicht zu», sagt Peter Doswald, der das Restaurant gemeinsam mit seiner Frau Claudia Oulouda führt. Er erklärt: «Doch mussten wir es gegenüber GaultMillau so formulieren, damit wir nicht mehr im Restaurantführer gelistet sind.»

Der «Falken» ist noch an vorderster Front

Die meisten Restaurants würden sich freuen, im Führer gelistet zu sein. Insbesondere mit einer derart guten Kritik. Mit 16 Punkten steht der «Falken» in Neuheim – zumindest noch bis Ende Jahr –, gemeinsam mit dem Restaurant Wart in Hünenberg sowie neu dem «Hirschen» in Oberägeri an vorderster Front der Zuger Restaurants.

Warum also wollte Doswald unbedingt raus? «Zunächst muss ich sagen, dass ich es mit GaultMillau die letzten 18 Jahre, in denen ich hier bin, immer sehr gut hatte. Ich wurde gut behandelt, hatte nie Probleme.» Vielmehr seien es ideologische Gründe, die ihn zum Austritt bewogen hätten. «Ich finde es nicht richtig, wenn Restaurants im GaultMillau gelistet sind, die fünf Mal schliessen und wieder öffnen, weil sie nicht gut wirtschaften. Das ist meines Erachtens nicht ehrlich», sagt der Zuger.

Es gehe ihm zu sehr um die Elite. «Dabei gibt es viele Köche, die einen super Job machen und ihre Rechnungen stets rechtzeitig zahlen, und nie erwähnt werden.»

Auch im Guide Michelin ist Doswald nicht mehr drin

Ergo beschloss Doswald, nicht mehr im Führer gelistet sein zu wollen. «Ich kontaktierte GaultMillau zweimal deswegen, bekam jedoch jeweils keine Antwort.» Was ihn wiederum dazu bewogen hätte, GaultMillau mitzuteilen, dass er sein Restaurant schliessen werde.

Eine Ansage, die Wirkung zeigte. Im neuen GaultMillau sucht man den Falken vergeblich. So übrigens auch im Guide Michelin vom vergangenen Februar. Auch dort wollte Peter Doswald aus denselben Gründen nicht mehr erwähnt werden. «Im Gegensatz zu GaultMillau ging das bei Guide Michelin reibungslos.»

Urs Heller, Chefredaktor bei GaultMillau bestätigt, dass der «Falken» nicht mehr gelistet werden wollte. «Der Betreiber erklärte mir im persönlichen Gespräch, dass er sein Restaurant schliessen wolle», sagt er.

Darauf dass Doswald quasi grundlos versucht haben soll, aus dem GaultMillau auszutreten, antwortet Heller, dass dies ein Irrtum sein müsse.

Wer einmal drin ist, kommt schwer wieder raus

Gleichzeitig bestätigt Heller, dass man nicht einfach so aus dem Restaurantführer gestrichen werden könne: «Wer aus dem Führer raus will, braucht einen triftigen Grund.»

«Ansonsten sind wir kein Club, aus dem man einfach ein- und austreten kann.»

Urs Heller, Chefredaktor GaultMillau

Etwa gesundheitliche Probleme, eine Familienangelegenheit wie eine Scheidung, oder aber den Hinweis auf die Schliessung des Betriebs. «Ansonsten sind wir kein Club, aus dem man einfach ein- und austreten kann», sagt der GaultMillau-Chef.

Es sei bedauerlich, dass der «Falken» nicht mehr im Führer verzeichnet sei. Es handle sich um ein sehr gutes Restaurant, so Heller. Dass das Restaurant gar nicht schliessen wolle, scheint ihn zu erstaunen.

Klar ist: Doswald ist mit dem Schritt ein Risiko eingegangen. «Viele meiner Freunde sagen, es sei ein Fehler gewesen. Ich schlafe jedoch deutlich besser seit letztem Montag», so der 16-Punkte-Koch. «Nicht zuletzt wohl, weil ich keine Schulden habe.»

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2 Kommentare
  1. Hans P. Wanner, 13.10.2019, 21:29 Uhr

    Ich habe mich so oft gefragt, was der wirkliche Grund sein kann – ist, dass sich so viele Gäste nicht auf den eignen Geschmacks- und Tastsinn verlassen können. Die brauchen tatsächlich jemanden, der ihnen vorplappert. Den Machern – Influencern – darf doch ein Kränzlein gewunden werden, wenn sie so viele Followers finden. Marketing ist Marketing; Werbung ist Werbung; Geschäft ist Geschäft.
    Es ist jedoch nach wie vor gestattet, selber zu denken. En Guete allersits

  2. mebinger, 13.10.2019, 18:16 Uhr

    Nix Irrtum, er ist nicht der Erste, dessen Wünsche vom Gault Millau nicht beachtet werden. Die Aussage :«Ansonsten sind wir kein Club, aus dem man einfach ein- und austreten kann.» zeugt von einer unglaublichen Arroganz einer Elite, die eigentlich null Ahnung von Gastronomie hat sondern einfach nur ein Buch verkaufen will. Mainstream und sonst nicht. Die Bemerkungen der Tester ist einfach nur Boulevard