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Raum für Kunst am Rande der Stadt
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Adriana Zürcher, Bea Stierli und Lukas Geisseler (von links) vom Verein «tat-ort». (Bild: cha)

Zwischennutzung an der Bernstrasse 94 Raum für Kunst am Rande der Stadt

3 min Lesezeit 25.09.2014, 11:30 Uhr

Ein ehemaliges Bürogebäude in der Stadt Luzern dient seit einem Jahr als künstlerische Festung. Neun Ateliers werden dort zu einem Schnäppchenpreis vermietet. Die Träger der Zwischennutzung ziehen nach einem Jahr Bilanz, blicken bereits auf das absehbare Ende der künstlerischen Stätte und hoffen, dass der Schlussstrich später kommt, als erwartet.

Abbruchreif sieht es aus, das Gebäude an der Bernstrasse 94. Doch im Inneren lebt es. Es entsteht Kunst, es wird ausgetauscht und ausgestellt. Das ehemalige Gallatihaus hat als Bürogebäude ausgedient und steht seit einem Jahr als Atelierhaus mit eigenem Ausstellungs- und Veranstaltungsraum zur Verfügung. Träger der Zwischennutzung ist der Verein «tat-ort», der die Räumlichkeiten an Kunstschaffende vermietet. Hinter dem Projekt stehen Lukas Geisseler, Adriana Zürcher und Bea Stierli, die sich vor Anfragen für die Nutzung der Ateliers kaum retten können.

«Heute führen wir eine Warteliste»

«Zu Beginn waren wir gespannt, wer und wie viele sich bewerben werden», erklärt Lukas Geisseler, Mitglied des Trägervereins «tat-ort». «Da wir von Anfragen nur so überhäuft wurden, fingen wir an, auszuwählen.» Es habe sich schnell herauskristallisiert, dass der Verein die Räume Kunstschaffenden mit verschiedenen Hintergründen zur Verfügung stellen wolle. «Heute führen wir gar eine Warteliste», so Geisseler weiter.

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Probleme habe es bisher mit den Nutzern keine gegeben, fügt Adriana Zürcher an. «Ganz im Gegenteil. Kunstschaffende auf so engem Raum zusammenarbeiten zu lassen, führt zu einem positiven Austausch untereinander.» Dies, obwohl die Truppe alles andere als ein Pool an homogenen Künstlern sei. «Es ist eine Mischung aus chaotischen und strukturierten Arbeitsweisen der Persönlichkeiten», erklärt Zürcher.

Ausstellung zum Jubiläum

Zum einjährigen Jubiläum der Zwischennutzung laden die Kunstschaffenden an der Bernstrasse 94 zur Atelier-Ausstellung. Diese findet vom 20. bis am 28. September statt, jeweils Samstag und Sonntag, von 14.00 bis 19.00 Uhr und Donnerstag von 17.00 bis 20.00 Uhr. Wem dies zu kurzfristig ist, kann sich bei der Vernissage des eingemieteten Künstlers Vincenzo Iorio vom 9. bis am 19. Oktober vom Schaffen im ehemaligen Gallatihaus überzeugen. Weitere Informationen gibt es hier.

«Wir sind selbstfunktionierend»

Neun Ausstellungen hat «tat-ort» im Haus an der Bernstrasse bisher durchgeführt – oder durchführen lassen. «Wir setzen stark auf die Selbständigkeit der Atelier-Mieter», erklärt Lukas Geisseler. Die Künstler hätten dabei auch die Möglichkeit, mal eine Einzelausstellung zu veranstalten. «Wir sind selbstfunktionierend. Schlussendlich liefern wir mit unserer ‹Dienstleistung› eine Hülle, um den Künstlern Raum zu bieten, etwas zu zeigen.»

Auf die Vielzahl der Zwischennutzungen in der Stadt Luzern angesprochen, erklärt Adriana Zürcher, dass diese nur schwer zu vergleichen seien. «Unsere Grösse und das Konzept als Atelierhaus ist eine andere Dimension als beispielsweise das Neubad.» Geisseler fügt an: «Eine Qualität von uns ist, dass wir nicht Rahmenbedingungen unterliegen, wie beispielsweise Besucherzahlen.» Dadurch entstünde eine enorme Flexibilität, die auch mal spontane Aktionen zulasse.

«Wir liefern mit unserer Dienstleistung eine Hülle, um den Künstlern Raum zu bieten, etwas zu zeigen.»

Lukas Geisseler, Verein «tat-ort»

Trotzdem seien die Ausstellungen stets rege besucht worden. «Jeweils kamen rund 20 bis 80 Kunstbegeisterte an eine Vernissage. Was uns zusätzlich gefreut hat, ist, dass auch mal ausserkantonale Besucher den Weg an die Bernstrasse gefunden haben.» Einen Eintrittspreis für die Ausstellungen wird nicht verlangt.

Das Konzept dieses Projekts ist so ausgelegt, dass die Kosten für die Miete durch die Atelier-Miete gedeckt werden. «Mit 140 bis 180 Franken Miete im Monat bieten wir günstigen Raum, um Kunst zu schaffen», so Lukas Geisseler. Und Adriana Zürcher fügt an, dass sie mit dieser Finanzierung gerade eben aus kämen.

Die Zwischennutzung ist vertraglich bis März 2015 begrenzt. Wie es dann weitergeht, stehe noch in den Sternen, so Zürcher. «Wir habe eine gute Kommunikation mit der abl und der Baugenossenschaft Matt, der Besitzerin des Gebäudes. Wenn es nach uns geht, soll es im bisherigen Stil weitergehen.» Es sei ihnen jedoch bewusst, dass das Haus irgendwann abgerissen werde. Als Ziel für die restliche Zeit nennt Geisseler, dass man präsenter werden wolle. «Wir wollen offensiver Leute zum Ausstellen anwerben.»

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