Rauchen auf Spielplatz: Luzerner Stadtrat lehnt Verbot ab
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Ein Rauchverbot auf Spielplätzen, wie hier im Wettsteinpark, findet der Stadtrat nicht zielführend. (Bild: jal)

CVP hält an Forderung fest Rauchen auf Spielplatz: Luzerner Stadtrat lehnt Verbot ab

4 min Lesezeit 4 Kommentare 02.03.2020, 16:00 Uhr

In den letzten Jahren hat das Rauchverbot vom Zug über die Beiz bis hin zum Büro zahlreiche Zonen erobert. Aktuell dreht sich die Diskussion um Spielplätze. Der Luzerner Stadtrat spricht sich jedoch gegen ein Rauchverbot auf öffentlichen Spielplätzen aus. Trotzdem will er gegen Glimmstängel im Sandkasten vorgehen.

Ausgequalmt! Das gilt schon länger im Zug, in vielen Beizen und seit kurzem auch am Luzerner Bahnhof. Der Trend hin zu rauchfreien Zonen hat in den letzten Jahren etliche Bereiche erfasst. Neben Rutschbahn und Schaukel darf aber häufig noch dem Nikotinkonsum gefrönt werden: In der Stadt Luzern ist zwar das Rauchen auf den Schularealen untersagt. Auf den 55 öffentlichen Spielplätzen hingegen nicht.

Und das soll so bleiben. Die CVP verlangt zwar ein Rauchverbot auf Spielplätzen – doch der Stadtrat lehnt dies ab. Nicht, weil er das Qualmen in der Nähe der Kinder gutheissen würden.

Im Gegenteil: «Das Rauchen ist auf Spielplätzen nicht angebracht», schreibt der Stadtrat in seiner Stellungnahme auf das Postulat der CVP-Fraktion. Ein Verbot bringt seiner Meinung aber nicht viel.

Polizei müsste extra bezahlt werden

Denn ob sich die Raucher daran halten würden, sei schwierig zu überprüfen. Viele Spielplätze befinden sich in Parks und sind laut Stadtrat bewusst offen gestaltet. «In öffentlichen Park- und Grünanlagen einen spezifischen Perimeter für ein Rauchverbot zu installieren und diesen dann auch noch durchzusetzen, wäre in der Praxis sehr schwierig», schreibt der Stadtrat. Die Herausforderung wäre, eine optisch deutlich erkennbare Grenze zu ziehen. Dies würde zu «Unklarheiten, Widerständen und Unverständnis führen».

Zudem ist es eine finanzielle Frage: Würde man die Luzerner Polizei mit der Kontrolle beauftragen, müsste die Stadt diese «Leistung» zusätzlich einkaufen. Denn aktuell gehört das nicht zum Grundauftrag der Polizei.

«Wir appellieren an die Eigenverantwortung.» 

Adrian Borgula, Stadtrat (Grüne)

«Ein Verbot macht nur Sinn, wenn es verhältnis- und zweckmässig ist», sagt Adrian Borgula, grüner Stadtrat und Nichtraucher. Das sei vorliegend nicht der Fall, weshalb der Stadtrat nicht unnötig stark in die persönlichen Freiheiten der Bürger eingreifen wolle.

Tagsüber werde auf Spielplätzen ohnehin nur selten geraucht, wie Borgula mit Verweis auf Erfahrungen der Stadtgärtnerei und der SIP sagt. «Wenn geraucht wird, dann abends oder in Randzeiten, wenn sich keine Kinder auf den Spielplätzen aufhalten.» Entsprechend klein schätzt der Stadtrat die Gefahr ein, dass Kinder dort Passivrauch ausgesetzt sind.

Diese Tafeln sollen künftig darauf hinweisen, dass Rauchen nicht erwünscht ist.

«Wir appellieren an die Eigenverantwortung», sagt Borgula. Das tut die Stadt mithilfe von «sanfteren» Methoden: Auf den Informationstafeln bei den 55 öffentlichen Spielplätzen will sie künftig darauf hinweisen, dass Rauchen unerwünscht ist.

CVP möchte härter durchgreifen

Für CVP-Grossstadträtin Agnes Keller-Bucher geht dies zu wenig weit. «Das greift kaum», sagt die Erstunterzeichnerin des Postulats. Sie ist überzeugt, dass ein Verbot zielführender wäre. Sie räumt zwar ein, dass es schwierig sei, ein solches zu kontrollieren. «Aber der Stadtrat könnte zum Schutz unserer Kinder wenigstens die Umsetzung gemeinsam mit der Luzerner Polizei prüfen.» 

«Zigaretten gehören genauso wenig auf den Spielplatz wie Zigarettenstummel.»

Agnes Keller-Bucher, Grossstadträtin (CVP)

Denn für die vierfache Mutter ist klar: «Zigaretten gehören genauso wenig auf den Spielplatz wie Zigarettenstummel.» Da Kinder oft alles in den Mund nehmen, was ihnen in die Hände kommt, seien weggeworfene Glimmstängel nicht nur für die Umwelt schädlich, sondern besonders auch für die die Gesundheit der Kleinsten.

Was Littering betrifft, gibt es indes bereits die Möglichkeit, Bussen zu verteilen – doch gerade das ist ein Beispiel für ein Verbot, das bislang wenig Wirkung zeigt (zentralplus berichtete).

Luzern ist kein Einzelfall

Für Agnes Keller geht es auch um die Frage der Verantwortung. «Wichtig ist auch die Vorbildfunktion der Erwachsenen gegenüber Kindern.» Sie verweist zudem auf die Erfahrungen anderer Städte, wie beispielsweise Chur, die das Rauchverbot auf Spielplätzen bereits kennen.

In der Tat ist das derzeit in vielen Städten ein Thema. In Thun hat das Parlament letzten Herbst ein entsprechendes Postulat diskutiert, aber abgelehnt. Auch dort waren die Abgrenzung von Verbotszonen und die aufwendigen Kontrollen die Hauptargumente dagegen. Auch in Basel oder in den Zürcher Städten Wetzikon und Dietikon sorgt das Rauchverbot auf Spielplätzen für Gesprächstoff. Ebenso im Kanton Aargau, der bereits ein Pilotprojekt in sechs Gemeinden lanciert hat. Im Ausland ist die Debatte vielerorts bereits entschieden – so sind etwa in Frankreich seit fünf Jahren alle Spielplätze rauchfrei.

Wohin der Trend in der bezüglich Tabakpolitik relativ liberalen Schweiz zeigt, ist also klar. Die CVP-Fraktion im Luzerner Stadtparlament will denn auch voraussichtlich an ihrer Forderung festhalten. Auch wenn sich Agnes Keller zurückhaltend äussert, was die Chancen im Parlament angeht. Dieses wird wohl nächste Woche über das Rauchverbot diskutieren.

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4 Kommentare
  1. Ram Dass, 02.03.2020, 16:23 Uhr

    Die CVP könnte hier sinnvolleres tun. Nämlich sich dafür einsetzen, dass das Hundeverbot auf Spiel- und Pausenplätzen endlich rigoros durchgesetzt wird. Leider verstehen viele Hundehalter die Bezeichnung „Spielplatz“ völlig falsch (er will doch nur spielen!). Hier herrscht meiner Meinung nach der grössere Handlungsbedarf als beim Rauchverbot.

    1. C. Vonarburg, 02.03.2020, 23:14 Uhr

      Aha. Schon wieder Sie, Ram Dass, der Hundehasser. Danke für Ihre intelligenten Zeilen, welche das Thema im obigen Artikel auf den Punkt bringen. Schade jedoch, dass Sie sich nicht getrauen zu Ihrem richtigen Namen zu stehen. Aber in der Anonymität lassen sich halt dumme Inhalte einfacher verbreiten.

    2. Ram Dass, 03.03.2020, 08:08 Uhr

      Vonarbug, Sachlichkeit und Analyse der Faktenlage ist offensichtlich nicht gerade ihre Stärke. Ich würde mich selber gar nicht als Hundehasser deklarieren – aber überlegen Sie doch mal werter Vornarburg – überall gibt es verschiedene, teils gegensätzliche Interessen – und Menschen stehen dann für diese Interessen ein – genau so wie Sie es tun – das ist also bei allen anderen genau so legitim wie bei Ihnen. Das ist ein völlig normales innergesellschaftliches Faktum und an sich unproblematisch. Die Probleme beginnen erst dort – in diesem Fall die Hundehalter – wenn sie sich willentlich und wissentlich ganz offensichtlich um die Bedürfnisse anderer Menschen einen Dreck scheren und tun und lassen, was sie persönlich subjektiv für richtig halten, sprich die Gesetzgebung wird vielleicht von 10% der Hundehalter befolgt. Dann fangen die Probleme an. Aber das erkennen Sie natürlich nicht, wollen es nicht erkennen und setzten lieber ignorant und unfähig der Argumentation auf die kindisch-verbrämte Karte „alle die eine andere Meinung haben, seien Hasser“. Das ist eine ziemlich erbärmliche Methode und Teil des Problems. Denken Sie mal darüber nach Vonarburg!

    3. C. Vonarburg, Luzern, 04.03.2020, 07:45 Uhr

      Schon wieder ein anonymer Erguss Ihrerseits, Herr Ram Dass. Beweisen Sie Mut und stehen Sie zu Ihrem Namen. Ich lade Sie dan zu einem Glas Wein ein und wir klären das wie erwachsene Menschen.

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