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Rattenleichen in der Reuss – statt toten Fischen
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Stillleben pur: Gleich zwei tote Ratten treiben in der Reuss beim Kleinwasserkraftwerk Mühlenplatz. (Bild: ida)

Luzern platziert immer mehr Köderfallen Rattenleichen in der Reuss – statt toten Fischen

3 min Lesezeit 19.08.2018, 16:57 Uhr

Wer beim Kleinkraftwasserwerk Mühlenplatz einen Blick in die Reuss wirft, dem zeigt sich ein trostloses Bild: Derzeit treiben zwei tote Ratten im Strudel des Wassers, zwischen PET-Flaschen und Abfall. Gleichzeitig muss Luzern immer mehr unternehmen, um den Nagern Herr zu werden. Die Anzahl der Köder steigt deutlich.

Das Fischsterben wird derzeit in Luzern befürchtet: Mehr als 10’000 Fische mussten bereits gerettet werden (zentralplus berichtete).

Ein ebenso trostloses Bild zeigt sich, wenn man beim Kleinkraftwasserwerk Mühlenplatz einen Blick in die Reuss wirft. Zwei tote Ratten treiben dort vor sich hin. Rücklings schwimmend, alle viere von sich gestreckt. Komplett aufgedunsen, als ob sie jeden Moment platzen könnten. Die Augen scheinen aus dem Kopf zu quellen.

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Wurden die Ratten vergiftet?

Eine weisse Ratte ist auf dem Bauch von einem grossen, roten Flecken gezeichnet – eine innere Blutung? In der Nähe ist der Feind einer jeden Ratte installiert: eine grüne Box. Diese Köder enthalten chemische Blutgerinnungshemmer – die zu einer inneren Verblutung führen. Schlussendlich verendet das Tier an einem Kreislaufversagen.

«Für mich sieht das eher nach einer Verbrennung aus», sagt Stefan Egli, Serviceleiter der «Rentokil Schweiz AG». Die Firma ist im Auftrag der Stadt für die Schädlingsbekämpfung verantwortlich. Zudem handle es sich bei der weissen Ratte um eine ausgesetzte Laborratte. Wanderratten seien nicht weiss, wie Jean-Martin Fierz, Biologe und technischer Leiter der «Rentokil» anfügt. 

Das Vorgehen, Ratten präventiv zu bekämpfen, wird von Tierschützern immer wieder kritisiert – ein gesundheitliches Risiko für den Menschen bestehe kaum, so deren Meinung. Bisse oder Verletzungen seien nur bei Menschen mit schwachem Immunsystem gefährlich (zentralplus berichtete).

Vermutlich handle es sich hier um eine ausgesetze Laborratte, meint der Biologe.

Vermutlich handle es sich hier um eine ausgesetzte Laborratte, meint der Biologe.

(Bild: ida)

Ratten – nur ein «Image-Problem» oder besteht Gefahr?

Anders sieht dies die Firma «Rentokil». Wie viele Ratten es in der Stadt gebe und wie viele vergiftet werden, können Fierz und Egli nicht abschätzen. Dennoch sei es wichtig, präventive Massnahmen gegen die Ratten zu ergreifen. Ratten können zahlreiche Materialschäden verursachen, so Fierz. «Beim Nagen an Kabeln und elektrischen Anlagen besteht die Gefahr eines Kurzschlusses oder Brandgefahr.» 

Zahlreiche Krankheiten von infektiösen Durchfallerkrankungen wie Salmonellose bis hin zu Tollwut könnten übertragen werden. «Zumeist erfolgt das Übertragen von Krankheitserregern über die Ausscheidung von Kot, Urin und Speichel, die vom Menschen über Haut, Schleimhäute oder Atemwege aufgenommen werden», sagt Fierz.

Auch tote Ratten seien nicht ganz ungefährlich. Wenn auch nur eine geringe Gefahr einer sekundären Vergiftung bestehe. Ein Lebewesen müsse circa zehn Prozent des Eigengewichts als Gift aufnehmen, damit ein Kreislaufversagen eintritt, wie Egli erklärt. Bei einer Ratte sind das circa 20 Gramm, bei einem 16 Kilogramm schweren Border Collie 1,6 Kilogramm. 

In Sommermonaten mehr Giftboxen

Stefan Egli betont, dass es wichtig sei, die Rattenpopulation in der Stadt unter Kontrolle zu haben, jedoch nicht vollständig auszulöschen. Angepeilt werde eine «überschaubare Population».

«Ideal ist meiner Meinung nach eine Ratte pro Person», so Egli. Also rund 80’000 Ratten? «Ratten halten die Kanalisationen sauber, indem sie Materialien wegräumen, damit es zu keinem Stau innerhalb der Kanalisation kommt.»

Alle drei Monate werden die Giftboxen kontrolliert. 2017 waren es 30 bis 40 Köderboxen. Momentan rund 150. «Da sich in den Sommermonaten mehr Menschen und Touristen in der Stadt aufhalten, die mehr Abfall, beispielsweise beim Picknicken verursachen, stellen wir mehr Boxen auf.» In den kalten Wintermonaten reduziere man auf 80 Giftboxen.

In der nähe der toten Ratte befindet sich eine Giftbox. Trägt sie die Schuld?

In der Nähe der toten Ratte befindet sich eine Giftbox. Trägt sie die Schuld?

(Bild: bic)

Tote Ratten werden nicht gejagt

Gemäss Florian Aschbacher, Leiter Betrieb und Strassenunterhalt der Stadt Luzern, sei es eher selten der Fall, dass tote Ratten in der Reuss gefunden werden.

Spezifisch auf die Suche nach toten Ratten gehe man nicht. Zumeist würden sich diese, bevor sie sterben, an einem versteckten Ort verkriechen. Darum sei es auch möglich, dass Ratten durch die diversen Entwässerungskanäle in den Fluss gespült werden.

Aufgedunsen treibt diese Ratte vor sich hin.

Aufgedunsen treibt diese Ratte vor sich hin.

(Bild: ida)

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