Ratlosigkeit und Verzweiflung wachsen beim FC Luzern
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So ist Luzerner Ratlosigkeit nach dem Schlusspfiff und der Niederlage gegen Basel: Lucas Alves breitet die Arme aus, Martin Frydek kann das Verdikt nicht fassen. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Mit schlechtem Gefühl in die Weihnachtsferien Ratlosigkeit und Verzweiflung wachsen beim FC Luzern

3 min Lesezeit 2 Kommentare 23.12.2020, 22:45 Uhr

Vielleicht wäre er nach diesem 1:2 gegen den FC Basel am liebsten alleine in den naheliegenden Bireggwald verschwunden und hätte sich den Frust von der Seele geschrien. Stattdessen musste FCL-Trainer Fabio Celestini über diese vermeidbare Niederlage reden. Dabei machte er einen konsternierten und ratlosen Eindruck wie noch nie.

Das muss einem auch erst mal gelingen: 34 Abschlüsse zählte der FCL auf das Tor der Basler. Und deren drei in umgekehrter Richtung. Wer gewinnt also? Brutal: in der aktuellen Verfassung von Fabio Celestinis Mannen der FC Basel (zentralplus berichtete).

Die siebte Niederlage im 14. Saisonspiel hat den Luzernern die Stimmung verhagelt. Der Frust sitzt tief.

FCL-Vorkämpfer Pascal Schürpf haderte mit dem Schicksal: «Irgendjemand da oben will nicht, dass wir gewinnen. Wir müssen einfach Geduld haben.»

Der eingewechselte Captain Christian Schwegler sagte mit Blick auf die Herausforderung im 2021: «Jetzt haben wir das Messer im Hals.» Wie vor rund einem Jahr, als Fabio Celestini den Trainerjob beim FCL übernahm, muss sich der FCL zunächst im Kampf gegen den Abstieg beweisen.

Nur einen statt neun Punkte gegen die Top 3

Gar keine Lust auf Kommunikation verspürte Celestini in den Minuten nach der zweiten aufeinanderfolgenden Niederlage. So angefressen und konsterniert zeigte sich der sonst eloquente FCL-Trainer noch nie in der Öffentlichkeit. Er fragte rhetorisch: «Was soll ich sagen? Meine Analyse wiederholt sich: Wir haben gut gespielt und verloren.»

«Mit dieser Quote sind wir der vielleicht am schlechtesten klassierte Verein im europäischen Klubfussball.»

FCL-Trainer Fabio Celestini

Er konnte es kaum fassen, dass sein Team in den Heimspielen gegen YB (2:3), Basel (1:2) und St. Gallen (2:2), den derzeit drei besten Teams der Liga, nur einen Punkt holte. «Gemessen an der Leistung hätten es aber neun sein müssen», so Fabio Celestini.

Es ist, weiss Gott, keine neue Erkenntnis in dieser Saison, dass es dem FC Luzern nicht gelingt, seine Belohnung für die Teamleistung abzuholen. «Wir haben 20 Tore in 14 Spielen gemacht. Das müsste uns zu einem Platz im Mittelfeld der Tabelle gereichen. Stattdessen sind wir mit dieser Quote der vielleicht am schlechtesten klassierte Verein im europäischen Klubfussball», kam Celestini ins Grübeln.

Hinweis auf eigene Ratlosigkeit

Doch er mochte sich nicht dem Jammern hingeben. Deshalb sagte er: «Wir müssen der Realität ins Auge schauen. Unsere Tabellenposition ist klar ungenügend und vermittelt uns ein schlechtes Gefühl.»

Und mit dem Hinweis darauf, dass er mit seinen Einwechslungen in letzter Zeit keinen Einfluss aufs Spiel nehmen könne, verriet er auch etwas Ratlosigkeit. Nur schön zu spielen und dominant aufzutreten, ist brotlose Kunst, wenn am Ende eine Niederlage steht.

Für den FC Luzern kommt die Winterpause zu einem guten Moment – auch wenn sich die Feiertage für die verantwortlichen Protagonisten wohl erst wie Frusttage anfühlen müssen. Aber die Pause bis zur Wiederaufnahme des FCL-Trainingsbetriebs am 4. Januar bietet zumindest die Gelegenheit, den Kopf zu lüften (zentralplus berichtete).

Abermals eine echte Herausforderung mit dem FCL

Für Fabio Celestini stehen indes intensive Tage bevor. Ein Sieg oder zumindest ein Unentschieden nach dramatischer Aufholjagd gegen den FC Basel hätte seine Position bei den anstehenden Verhandlungen um eine Zusammenarbeit über die laufende Saison hinaus mit dem FC Luzern gefestigt.

Sportchef Remo Meyer ist in der Zwickmühle: Wird der Vertrag mit Celestini bis zum ersten Meisterschaftsspiel am zweitletzten Januar-Wochenende nicht verlängert, ist die Autorität des Trainers einer abstiegsbedrohten Mannschaft in ernsthafter Gefahr. Ein solches Vorgehen Meyers gerät erst recht zum Hochrisiko-Spiel.

Aber auch Fabio Celestini muss jetzt liefern. Im ersten Monat des zu Ende gehenden Jahres hat er eine weniger talentierte FCL-Mannschaft mit vier Siegen und einem Remis in seinen ersten fünf Spielen auf kürzestem Weg aus der Abstiegszone geführt.

Jetzt muss ihm das Gleiche gelingen mit einer von ihm zusammengestellten und technisch wie auch taktisch zweifellos viel spielfreudigeren Mannschaft. Allerdings gehen dieser noch Persönlichkeit und Effizienz in den entscheidenden Momenten ab.

Fabio Celestini muss wieder die richtigen Stellschrauben finden und justieren (zentralplus berichtete). Abermals eine echte und für seine Trainerkarriere richtungsweisende Herausforderung.

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2 Kommentare
  1. Karl Ottiger, 26.12.2020, 13:08 Uhr

    Ich sehe überhaupt keine Eile den Vertrag mit Celestini zu verlängern,ich weiss nicht warum die Medien bei solch wichtigen Sachen immer probieren einen unnötigen Druck auf den Verein auszuüben. Ich persönlich lasse ihn Arbeiten schafft er den Umschwung wird verlängert klappt’s nicht wird er entlassen. Jeder der offensiven Spieler will unbedingt das Tor schiessen darum haben wir im sechzehner eine unkontrollierte Sauordnung wenn sich diese Stellungsfehler nicht korrigieren lassen wird es auch im Januar schwer ein Spiel zu gewinnen ich hoffe es gelingt den Verantwortlichen das zu korrigieren hopp FCL

  2. Herbert, 24.12.2020, 07:37 Uhr

    Wacht auf in Luzern!!!!!!!!!

    Wenn man jetzt mit Celestini verlängert, würde ich die Welt nicht mehr verstehen aber irgendwie
    würde es zum FcL passen. Erfolgreiche Trainer und Spieler haben in Luzern nichts zu suchen, sonst
    passen sie nicht ins Schema des Vereins und werden wieder verkauft oder gar nicht gekauft.
    Zum Sportchef möchte ich mich gar nicht mehr äussern.
    Celestini hatte überigends noch nie längerfristig Erfolg darum würde er eigentlich zu Luzern passen
    das ist das einzige Argument für eine Vertragsverlängerung.

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