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Randalierende Fans? Kanton streicht Beiträge an EVZ-Fanbusse
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Zum neuen Fahrplan 2018 gab es Kritik an einigen Buslinien. (Bild: Jürg Küng)

Zuger Sparmassnahmen Randalierende Fans? Kanton streicht Beiträge an EVZ-Fanbusse

3 min Lesezeit 04.05.2016, 13:55 Uhr

Seit vier Jahren bezahlt der Kanton Zug dem EV Zug 40 Prozent der Kosten für die Gratis-Fanbusse nach den Matches. Kaum eingeführt, soll dieser Beitrag nun wieder eingespart werden. Was sagt der EVZ dazu? Droht der Stadt Zug ein Sicherheitsproblem durch herumlungernde oder randalierende Fans?

Der EVZ bietet seinen Zuschauern einen einmaligen Service: Nach den Matches bringen rund ein Dutzend Fan-Busse sie kostenlos nach Hause. Der Kanton unterstützt diese Massnahme für die Sicherheit, welche überdies das Parkierungsproblem an den Matches löst, seit vier Jahren mit einem jährlichen Beitrag.

Nun soll dies Geschichte sein. Der Zuger Kantonsrat hat am Mittwoch in erster Lesung beschlossen, den Beitrag an die Buskosten ab 2017 einzusparen; Zug spart damit an einem kleinen Ort, es geht um 26’000 Franken im Jahr.

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Beni Riedi sorgt sich um Sicherheit

Im Kantonsrat hat Beni Riedi (SVP) das Parlament aufs Thema aufmerksam gemacht. «Ich habe nachgefragt, ob der EVZ auch damit einverstanden ist und ob der Kanton damit rechnet, dass es deshalb grössere Sicherheitskosten gibt.» Volkswirtschaftsdirektor Matthias Michel (FDP) erklärte darauf hin, dass es keine Anzeichen gebe, dass der EVZ die Busse nicht mehr weiter fahren lassen wolle. Und er informierte, dass in der Vernehmlassung keine Kritik vom EVZ geübt worden sei.

«Ich fände es schlecht, wenn es deswegen mehr Polizei bräuchte.»
Beni Riedi, SVP-Kantonsrat, Baar

Riedi besucht selber EVZ-Matches und ist stolz, dass es seit der Eröffnung des neuen Stadions so wenig Probleme gibt. Und es ist ihm wichtig, dass dies auch so bleibt. «Ich fände es schlecht, wenn wir mit dem Busbeitrag einen kleinen Betrag einsparen und dafür die Leute nach den Matches nicht mehr wegbringen würden und es infolgedessen mehr Polizei bräuchte.» Er würde sich deshalb für die Beibehaltung des Busangebotes einsetzen, falls dieses gefährdet wäre.

Ein EVZ-Match in Zug.

Ein EVZ-Match in Zug.

(Bild: Fabrizio Vignali)

Keine Freude beim EVZ

Und was sagt der EVZ selbst zur Sparübung und zu ihren Konsequenzen? «Als Leidtragender hat man natürlich keine Freude», sagt EVZ-CEO Patrick Lengwiler auf Anfrage. Doch der Kanton Zug habe sich nun einmal ein Sparprogramm auferlegt und müsse Kosten reduzieren. «Ich habe deshalb ein gewisses Verständnis.»

Hooligans meiden Zug

Die Bossard-Arena gilt als eines der sichersten Eishockey-Stadions der Schweiz. Die auswärtigen Fans müssen eine Identitätskarte vorweisen. Diese wird mit einer Datenbank abgeglichen, in der Stadionverbote vermerkt sind. «Wer nichts zu verstecken hat, hat auch kein Problem damit, die ID vorzuweisen», sagt EVZ-CEO Patrick Lengwiler. Zudem sei das ganze Stadion videoüberwacht. Natürlich habe man sich nicht nur Freunde mit diesen unpopulären Massnahmen gemacht. Zugs Beispiel macht in der Schweiz Schule. Lausanne habe das System mit den ID-Kontrollen übernommen, diverse Clubs prüften eine Einführung, weiss Lengwiler.

Patrick Lengwiler ist stolz auf das Angebot: «Es ist einzigartig, dass man mit einem EVZ-Eintrittsbillet auch ein Busbillet löst und einen die Busse in alle Himmelsrichtungen heimbringen – bis nach Ägeri oder Sins.» Seither kommen auch weniger Fans mit dem eigenen Auto an die Matches. «Die Busse bringen die Leute rasch weg», sagt der EVZ-CEO.

Busse fahren weiterhin

Trotz des Sparentscheids wird sich daran nichts ändern. Laut Lengwiler wird der Busbetrieb auch ohne Kantonsbeitrag weitergeführt. «Jetzt müssen wir die Finanzierung eben selber sicherstellen.» Wie, das sei noch offen. Er habe ja noch Zeit, sich das zu überlegen. Einen Aufstand habe man aber deshalb nicht veranstalten wollen, fügt er hinzu.

Lengwiler erklärt, dass der Kantonsbeitrag vor vier Jahren ein kleines Entgegenkommen des Kantons war, weil der EVZ damals noch viel grössere Lasten aufgebürdet bekam. Denn 2011 wurde das Zuger Polizeigesetz dahingehend geändert, dass kommerzielle Veranstalter seither für 60 Prozent der Kosten eines Polizeieinsatzes selber aufkommen müssen.

Daraufhin verlangten verschiedene Kantonsparlamentarier eine Kostenbeteiligung an den EVZ-Fanbussen, und die Regierung stimmte dem Vorstoss zu. «Gratis-Fan-Busse entsprechen einem Bedürfnis und bringen die Fans auf den öffentlichen Verkehr», argumentierte die Regierung damals.

«Je nachdem fahren wir unseren eigenen Sicherheitsdienst hinauf, statt dass die Polizei uns ein Aufgebot schickt. Das generiert beim Kanton keine Kosten, bei uns hingegen sehr wohl.»
Patrick Lengwiler, CEO des EVZ

Sicherheit kostet

Die Sicherheit sieht der EVZ wegen der Sparmassnahme nicht bedroht (siehe auch Kasten). Patrick Lengwiler: «Die Spiele in Zug sind sehr sicher.» Die Sicherheit habe allerdings ihren Preis. «Wir pflegen einen guten Austausch mit der Zuger Polizei. Dass sie so wenig zum Einsatz kommt, hat jedoch auch damit zu tun, dass wir vermehrt eine Kostenabwägung anstellen. Je nachdem fahren wir eben unseren eigenen Sicherheitsdienst hinauf, statt dass die Polizei uns ein Aufgebot schickt. Das generiert beim Kanton keine Kosten, bei uns hingegen sehr wohl.»

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