Raclette-Ofen, Pfanne, Dia-Projektor: Finden wir hier alles für die Festtage?
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Ziel der Leihbar ist es, die Nachhaltigkeit zu fördern. (Bild: Léon Hüsler)

So funktioniert die Luzerner Leihbar Raclette-Ofen, Pfanne, Dia-Projektor: Finden wir hier alles für die Festtage?

4 min Lesezeit 24.12.2020, 12:46 Uhr

«Borgen für die Welt von morgen»: Unter diesem Motto hat die Leihbar Luzern im September ihre Türen geöffnet. Nur: Findet man da alles, was man über die Festtage so braucht? Wir haben den Test gemacht.

Zwei rote Pfeile weisen mir den Weg. Schnell geht es einige Treppenstufen nach unten in einen hell erleuchteten Kellerraum. Es empfangen mich eng aufeinander gestapelte Kisten und zwei Mitarbeiterinnen. Ich bin in der Leihbar Luzern mit der Mission, das neue Angebot auszuprobieren.

Seit knapp vier Monaten können die Luzernerinnen hier Gegenstände ausleihen, die sie nur selten brauchen, die zu teuer für die persönliche Anschaffung sind oder zu viel Platz benötigen. Die Initiatorin Andrea Erzinger spricht von einer «Bibliothek der Dinge», die sie mit ihren Helferinnen auf die Beine gestellt hat. Sie sei zufrieden mit dem Start, sagt die Leiterin am Telefon. Gleich zu Beginn hätten sich viele Menschen registriert. Vorbeigekommen sind jedoch noch nicht alle. «Es gibt noch viel zum Ausleihen», meint Erzinger und: «Es hat noch Platz für neue Gegenstände.»

Stöbern in der «Bibliothek der Dinge»

Meine Augen wandern über die fein säuberlich beschrifteten Kisten. Was brauche ich über die Weihnachtstage?

Eine Übersicht bietet der Online-Katalog, der vor Ort oder zu Hause angeschaut werden kann. Was soll es sein? Ein Raclette-Ofen, um mir den Bauch vollzuschlagen, eine grosse Pfanne für den Outdoor-Glühwein-Plausch, ein Dia-Projektor, um die alten Fotos aus dem Keller wieder aufleben zu lassen? Schnell klicke ich mich durch die Kategorien, vorbei an Hochdruckreiniger und Marroni-Ofen.

So viel Ordnung findet man in den meisten privaten Kellern wohl nicht.

Zirkulieren statt verstauben

Besonders beliebt seien Bohrmaschinen, erzählt Andrea Erzinger am Telefon. Kein Wunder, hat die Leihbar deswegen deren fünf im Angebot. Dieses setzt sich zusammen aus Spenden von Privatpersonen, gesponserten Gegenständen von Firmen sowie gezielten Käufen von oft nachgefragten oder gewünschten Objekten.

Ich ziehe einen Schlitten in Betracht. Doch die unsicheren Aussichten auf Schnee und geschlossene Skigebiete lassen den Davoser schnell wieder aus meinen Gedanken verschwinden. Ein Beamer soll es sein. Draussen dunkel, drinnen hell. Yes.

Zwölf Franken kostet ein Probeabo. Für 72 Franken, also sechs Franken monatlich, gibt es ein Jahresabo. Bis zu drei Gegenstände kann ich damit auf einmal abholen und eine Woche später wieder zurückbringen. Nicht ewig, aber Zeit genug, um endlich die neue Lampe aufzuhängen, auf eine Schneeschuhwanderung zu gehen und einen Glacéplausch zu veranstalten. Vielleicht nicht alles gleichzeitig.

«Es hat noch Platz für neue Gegenstände.»

Andrea Erzinger

Ziel sei es, dass die Gegenstände in ständiger Zirkulation seien und nicht bei den Ausleihern herumlägen, meint Erzinger. Denn das Fundament der Leihbar bildet eine nachhaltige Vision des Teilens und ein schonender Umgang mit den Ressourcen.

So passt es, dass sich die Leihbar in die bestehende Infrastruktur an der Unterlachenstrasse 5 eingliedert. Erzinger betreibt dort bereits das Tüftelwerk, wo kleine Erfinderinnen ihrer Kreativität freien Lauf lassen (zentralplus berichtete). Dazu gehört auch das Flickwerk, wo mit der Hilfe von ehrenamtlichen Reparaturexperten Gegenstände auf Vordermann gebracht werden. Geht etwas aus der Leihbar kaputt, wird auf das Fachwissen im Flickwerk zurückgegriffen. Fehlt im Flickwerk ein bestimmtes Werkzeug, wird es in der Leihbar ausgeliehen.

Der Beamer strahlt hell – zu hell?

Ich gebe mein Bestes, damit der Beamer nicht direkt in die Reparatur muss. Sorgfältig verpackt, nehme ich ihn mit nach Hause. Weil die Leihbar über die Festtage geschlossen hat, kann ich mir bis am 6. Januar Filme an die Zimmerwand projizieren. Aber die Freude wird etwas getrübt.

Der Beamer ist, nun ja, nicht mehr ganz auf dem neusten Stand. Zwar funktioniert dank mitgegebenen Adaptern und Kabel die Verbindung tadellos, doch lässt sich ein immenser Gelbstich auch nach extensiven Einstellungsänderungen nicht entfernen. Als selbsternannter Film-Connaisseur wirft mich das leicht aus der Immersion des dröhnenden Blockbusters. So ist es unwahrscheinlich, dass der Beamer die Weihnachtsdeko als fixen Bestandteil ergänzt.

Das war sie aber auch schon, die einzige Schwierigkeit, die beim Ausleihen entstand. Nicht nur in den Regalen der Leihbar ist es aufgeräumt, auch die Website und der Katalog bieten eine einfache Übersicht über den Ausleihvorgang und das vorhandene Angebot. Jeweils am Mittwoch und am Samstag sind die Türen für Ausleihe und Rückgabe geöffnet.

Bis am 6. Januar die ersten Gegenstände nach der Weihnachtspause wieder abgeholt werden, lässt sich ja schon mal die Online-Registrierung vornehmen.

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