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QueenKong bringen Farbe in die Stadt
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Marco Schmid (links) und Veronika Bürgi vor ihrem Werk «Queen Kong & Nelson», entstanden in Pemba, Mosambique (Bild: Thomas Koch)

Heimspiel für Luzerner Street-Art-Profis QueenKong bringen Farbe in die Stadt

5 min Lesezeit 1 Kommentar 26.08.2015, 11:12 Uhr

Das riesige Wandbild an der Himmelrich-Siedlung ist die neue Attraktion der Stadt. Gemalt hat es ein international tätiges Luzerner Künstlerduo. Doch wer nun darauf hofft, dass es in Luzern bald mehr solche Fassadenverschönerungen gibt, dürfte enttäuscht werden.

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Begeistere Kommentare wie diese hört man von Passanten aktuell speziell an einem Ort: An der Bundesstrasse in Luzern. Dort, auf Höhe des Electronova-Shops, offenbart sich vis-à-vis ein riesiges Wandgemälde. Eine kecke, tätowierte junge Frau blickt einem von der Hausfassade an der Tödistrasse 12 entgegen.

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So sieht die Fassade an der Tödistrasse 12 aus – leider nur temporär.

So sieht die Fassade an der Tödistrasse 12 aus – leider nur temporär.

(Bild: Luca Wolf)

Kunst – und um das geht es hier, nicht etwa um hastig hin gesprayte Schmierereien – wie diese findet man in Luzern so gut wie keine. Entsprechend verbreiten sich Bilder davon in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer und ernten enorm viel Zuspruch. Der Tenor ist klar wie Klossbrühe: Davon brauchts mehr in Luzern!

Aus Luzern, für Luzern

Die grosse positive Resonanz freut natürlich die beiden Macher hinter dem Riesenwandbild. Veronika Bürgi und Marco Schmid aus Luzern bilden das Künstlerduo QueenKong. Seit sechs Jahren sind die beiden, die auch privat ein Paar sind, gemeinsam unterwegs. «Wir sind ja von hier und freuen uns rüüdig, nun auch in Luzern mal ein Bild platziert zu haben», sagt Bürgi. Das Duo wohnt selbst in der Himmelrich-Siedlung der Allgemeinen Baugenossenschaft (ABL), zu der auch das Haus an der Tödistrasse 12 gehört. Die ganze Siedlung wird bekanntlich ab Mitte September abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Bis dahin dürfen sich dort Dutzende Künstler austoben. Vom 2. bis 5. September findet eine grosse Ausstellung statt, an der auch QueenKong ihre Werke präsentieren.

«Wir fanden das gleich eine gute Sache.»

Benno Z’Graggen, Sprecher ABL

«Als wir vom Abbruch erfahren haben, sind wir auf die ABL zugegangen und haben gefragt, ob wir das Wandbild realisieren dürfen», sagt Bürgi. Und dort stiessen die beiden Künstler auf offene Ohren. ABL-Kommunikationsbeauftragter Benno Z’Graggen sagt: «Wir fanden das gleich eine gute Sache. Zumal wir ähnliche temporäre Projekte zuvor auch schon an der Bleicherstrasse und am Bundesplatz ermöglicht haben.»

Dann gings rassig: ABL spendete die Farben, die Firma Lavil das Gerüst – und QueenKong zehn Tage Freizeit fürs Malen an der Wand plus viele Stunden Vorbereitung. «Wir haben sehr lange überlegt, was wir machen wollten und über ein Dutzend Ideen entworfen. Schlussendlich haben wir uns für diese Frau aus den 30er-Jahren entschieden, mit der Kuckucksuhr im Hintergrund und dem Vogel, der ausgeflogen ist», erklärt Bürgi. Damit spielen QueenKong auf die Aufbruchstimmung und die vielen Veränderungen in der Himmelrich-Siedlung an.

Geld haben sie für ihre Arbeit übrigens keins erhalten. Was würde so ein Riesenwerk wie dieses denn kosten? «Das kommt sehr auf die Umstände drauf an», sagt Marco Schmid. Etwa, wie detailliert das Bild sein soll oder wie lange es an der Wand haften muss. Oder ob das Gemälde für eine private Firma ist oder für ein nicht gewinnorientiertes Unternehmen. «Aber rein die Arbeit würde wohl so gegen 20’000 Franken kosten», schätzt Schmid.

«In Südamerika sind viele Hausbesitzer froh, wenn ihre Fassaden aufgewertet werden.»

Marco Schmid, QueenKong

Nur mit Bewilligung

QueenKong arbeiten international, speziell in Südamerika haben sie schon einige Hauswände mit ihrer Kunst verschönert. «Im Ausland ist es halt viel einfacher als hier. In Südamerika etwa sind viele Hausbesitzer froh, wenn ihre Fassaden aufgewertet werden», sagt Schmid.

«Santopaulo», gemalt in Hamburg

«Santopaulo», gemalt in Hamburg

(Bild: Veronika Bürgi)

Auch in europäischen Grossstädten sei es viel einfacher als in der Schweiz, wo QueenKong selten arbeiten können. «Hier braucht es viel mehr Abklärungen und Bewilligungen und es gibt einige erschwerende Auflagen. Etwa, dass ein Bild die Verkehrsteilnehmer nicht zu stark ablenken darf», sagt Schmid. Ohne Bewilligung übrigens machen sich QueenKong nicht ans Werk: «Wir brauchen Zeit für unsere Arbeit, sonst können wir keine Qualität liefern.»

«Auch in Luzern wäre das Potential für mehr solche Wandbilder vorhanden.»

Marco Schmid, QueenKong

Veronika Bürgi und Marco Schmid vor ihrem Werk «La Graffiteria», gemalt in Kolumbien

Veronika Bürgi und Marco Schmid vor ihrem Werk «La Graffiteria», gemalt in Kolumbien

(Bild: Veronika Bürgi)

Auch gebe es in Luzern und der Schweiz relativ wenig alte Häuser, die sich speziell für Street-Art à la QueenKong eignen würden. Und trotzdem ist das Künstlerduo überzeugt: «Auch in Luzern wäre das Potential vorhanden.»

Vorurteile der Hausbesitzer

Vorhanden wäre es eventuell. Aber: «Noch immer haben viele Liegenschaftsbesitzer Vorurteile gegen unsere Kunst. Street-Art wie die unsere wird noch oft mit Gekritzel und Graffiti-Schmierereien verbunden», weiss Bürgi.

Zudem benötigen so grosse Wandbilder wie jenes an der Tödistrasse auch immer das Ok aus dem Stadthaus. Jürg Rehsteiner ist Luzerner Stadtarchitekt. Er stellt klar: «Das Wandbild im Himmelrich gehört zum Zwischennutzungskonzept der ABL. Die Häuser werden ja demnächst abgerissen, das Wandbild ist also nur temporär. Wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätten wir wohl Nein gesagt zum Wandbild.» Es gäbe in der Luzerner Altstadt zwar eine Tradition von Fassadenmalereien. Aber das habe einen anderen, historischen Hintergrund.

Stadt hat kein Interesse

Die Stadt stützt sich bei ihrer Beurteilung von Gesuchen laut Rehsteiner auf das Bau- und Zonenreglement. «Demnach müssen sich Häuser in ihre Umgebung einordnen. Wenn nun an jedem Haus ein Graffiti angebracht wird, weiss ich nicht, wie die Stadt dann aussehen würde. Aus Sicht der Stadt – und aus jener der Liegenschaftsbesitzer – ist es auch nicht erwünscht, dass mehr solche Wandbilder realisiert werden.

«Es ist unnötig, dass die Stadt flächendeckend wie ein Comic daher kommt.»

Jürg Rehsteiner, Luzerner Stadtarchitekt

Wir sehen dazu keinen Grund.» Die Ereignisdichte in der Stadt schon heute relativ hoch. «Da ist es unnötig, dass die Stadt flächendeckend wie ein Comic daher kommt», sagt Rehsteiner, obschon davon natürlich keine Rede sein kann. Zudem erhalte die Stadt praktisch kaum je Gesuche für derartige Wandbilder.

Doch QueenKong lassen sich davon nicht beirren. «Vielleicht lösen wir mit unserer Arbeit ja eine neue Welle aus», sagt Bürgi und lacht. Vielleicht hat sie Recht: Ein paar Hundert neue Sympathisanten allein in den letzten Tagen hat das Duo ja bereits auf seine Seite gescharrt.

«Art Is My Weapon», gemalt in Hamburg

«Art Is My Weapon», gemalt in Hamburg

(Bild: Veronika Bürgi)

Noch mehr beeindruckende Werke von QueenKong finden Sie hier in unserer Slideshow:

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1 Kommentare
  1. Alex Vavourakis, 26.08.2015, 12:01 Uhr

    Wandmalereien und Streetart gehören zu einer Stadt und passen bestens in die heutige Kultur. Hoffentlich gibts bald mehr davon in Luzern.