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Prost: Nun hat auch Luzern eine Weltklasse-Bar
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Prost und Freude: Barfrau Judith Lauber präsentiert stolz ihren Gin Gin Mule im Luzerner Karel Korner. (Bild: hae)

Judith Lauber ist «Neueinsteigerin des Jahres» Prost: Nun hat auch Luzern eine Weltklasse-Bar

5 min Lesezeit 10.04.2018, 14:21 Uhr

Eine kleine Luzerner Bar mischt die Szene auf: Die 27-jährige Bartenderin Judith Lauber aus dem Karel Korner ist im Falstaff-Ranking «Neueinsteigerin des Jahres». Dabei ist es purer Zufall, dass die Barfrau aus dem Schwarzwald nach Luzern kam.

Aroma Oma oder Lars Vegas? Das sind neue und wilde Gin-Drinks. Wurzelpeter oder Verkannter Bekannter? So heissen Vodka-Cocktails im Karel Korner. Gegengift oder ein Affen Frühstück gefällig? Dann bitte an diesen Cocktails nippen, sie werden von Judith Lauber mit auserlesenem Whiskey hergestellt.

Daran nicht nur nippen wollten unlängst die Tester des Hochglanzmagazins Falstaff, das seit 1980 in den deutschsprachigen Ländern achtmal im Jahr erscheint und vor allem Gourmets, Weinfans und andere Genussmenschen anspricht. Die Tester kamen anonym und meldeten sich Monate später bei der Bar mit einer unpersönlichen E-Mail sowie einer begehrten Urkunde: «Neueinsteiger des Jahres 2018»!

48 von 50 möglichen Punkt für Drinks: So urteilte das Falstaff-Magazin über den Luzerner Karel Korner.

48 von 50 möglichen Punkten für Drinks: So urteilte das Falstaff-Magazin über den Luzerner Karel Korner.

(Bild: hae / Screenshot Falstaff)

Im Bar-Ranking der Feinschmecker-Bibel gab’s für Karel Korner 94 von 100 möglichen Punkten: 48 (von 50 möglichen) für die Drinks, 18 (20) fürs Ambiente, 19 (20) für den Service und 9 (10) für das Sortiment. Welche Ehre für ein Haus, das erst seit November 2015 existiert (zentralplus berichtete).

Knapp hinter Kronenhalle

Damit liegt die kleine Luzerner Neustadtbar mit ihren 42 Sitzplätzen nur einen kleinen Punkt hinter renommierten Zürcher Bars wie der Kronenhalle oder dem Clouds, zwei Punkte hinter der opulenten Chedi-Bar in Andermatt oder derjenigen im Basler Traditionshaus Les Trois Rois. Und das sind Weltklasse-Bars.

«Vieles ist hausgemacht oder selbst kreiert, anderes sorgfältig getestet und ausgewählt.»

Martin Kilchmann, Zuger Wein- und Gourmet-Journalist

Das Falstaff-Team um Chefredaktor Martin Kilchmann, einen Zuger Wein- und Gourmet-Journalisten, schrieb: «Vieles ist hausgemacht oder selbst kreiert, anderes sorgfältig getestet und ausgewählt. Hausgemacht sind namentlich die originellen Sirups, zum Beispiel der Spekulatiussirup. Bei der Einrichtung setzt man auf eine stilvoll inszenierte klassische Moderne, die fast ein wenig an ein Möbelhaus erinnert.»

Die Innenarchitekten haben mit Vintagemöbeln, Dada-Einflüssen und Bildern aus Hamburg einen zurückhaltenden Stil gefunden, der derzeit grosse Erfolge feiert: Sie haben ihre Ideen gerade im angesagten Grossrestaurant Klara in Basel mit seinen neun Küchen in der Bar neu umgesetzt. In der einfachen Gemütlichkeit des Karel Korner fühlen sich vorab junge Menschen offensichtlich sehr wohl.

Flink hinter dem Tresen

Was aber ist das Erfolgsrezept des Falstaff-«Neueinsteiger des Jahres»? Es muss diese junge Frau aus dem Schwarzwald sein, die so flink hinter dem Tresen im Karel Korner hantiert. Sorgfältig bereitet sie den Bestseller Gin Gin Mule (siehe Box am Schluss) vor, mit vielen natürlichen Ingredienzien.

Matchentscheidend sind die Zutaten

Und damit sind wir schon mitten im Geschäft der Bartender, die ja immer noch meist männlich sind: Matchentscheidend sind wie in der raffinierten Gourmetküche die Zutaten. Judith Lauber: «Bei uns ist fast alles frisch, das zeigt sich etwa bei unserer Twist-Version des Manhattan.» Die Neuinterpretation dieses Klassiker-Drinks kommt mit Zutaten aus der Region, etwa dem Nusseler aus dem Haldihof, sowie einer speziellen Kirsche daher. Statt der obligaten Cocktailkirsche ist es eine Sauerkirsche, die sie selbst eingelegt hat. «In eine Mischung aus Bourbon, Zimt und einigen feinen Schweinereien.» Judith Lauber schmunzelt vieldeutig. Und sie spricht stets von wir, dabei ist sie es vor allem, die den Erfolg ausmacht.

Die zehn besten Bars in Luzern

Im Kanton Luzern lobten und benoteten die Tester des Falstaff-Magazins folgende Bars, die allesamt aus der Stadt stammen: Karel Korner, 94 Punkte; Gütsch-Bar, 91; Das weisse Schaf und Seebar, je 90; Nectar, National und Capitol, je 89; Suite und Blue Bar, je 88. – Aus Zug schaffte es lediglich die Bar Pier 41 mit 84 Punkten ins Falstaff-Ranking.

Wie es dazu kam, dass sie jetzt hier ihre neue Heimat hat, ist purer Zufall. Ein sehr hübscher obendrein: Die drei Besitzer der Luzerner Bar – Hedy Salamat, Alexander Schneider und Viktor Käser – entdeckten Judith vor gut zwei Jahren, als sie auf der Suche nach einem Charakterkopf waren. Und in der Hemingway Bar in Freiburg im Breisgau strandeten.

Mächtig in Form

Judith Lauber war an jenem Abend erste Mixerin der Bar und mächtig in Form: Die Herren aus Luzern blieben stundenlang, tranken sich durch die klassische Cocktailkarte, staunten ob Laubers fixer Fingerfertigkeit und fragten sie Löcher in den Bauch. Sie waren so zufrieden, dass sie ihr bald schon das Angebot machten, in Luzern die von ihnen neu geplante Bar zu übernehmen.

«Wir haben unsere Nische gefunden mit einer alternativen Location, die nicht spiessig daherkommt.»

Judith Lauber, Barfrau

Und hier steht sie nun hinter dem Tresen zwischen frischen Kräutern und vielen bunten Flaschen. Judith Lauber ist total glücklich, nicht nur wegen der jungen Liebe zu einem Luzerner Sozialpädagogen. Sie sieht ausgeschlafen aus, auch wenn sie meist kaum einmal vor drei Uhr in der Früh ins Bett kommt. Lauber ist selber überrascht über den schnellen Erfolg des Karel Korners. Sie, der Frischling, der noch nie was Eigenes aufgebaut hat. Kein Wunder mit ihren 27 Jahren.

«Wir haben unsere Nische gefunden mit einer alternativen Location, die nicht spiessig daherkommt.» Die Gäste schätzen das Unkonventionelle, das mit dem Barnamen anfängt, über die tägliche Öffnungszeit 16.52 Uhr weitergeht, bis hin zu den kreativen Namen der Drinks. Ungewöhnlich sind auch die vielen exotischen Gläser, einziger Wermutstropfen im gelungenen Mix: die manchmal langen Wartezeiten. Das alles sorgt trotz des nicht leisen Electrosoundes für Gesprächsstoff, obwohl, der geht einem in der ab 18 Uhr meist vollen Bar wohl kaum aus. Es herrscht immer ein Kommen und Gehen, ein «Hallo!» und «Wie geht’s?».

Flink mit den Gläsern: Judith Lauber arbeitet konzentriert hinter dem Tresen des Karel Korner.

Flink mit den Gläsern: Judith Lauber arbeitet konzentriert hinter dem Tresen des Karel Korner.

(Bild: hae)

A propos: Welches sind Laubers liebste Bars anderswo? Da kommt sie schnell ins Schwärmen. Über die Booze Bar in Berlin und die Widder Garage, ein Pop-up-Unternehmen in Zürich, das sich mittlerweile fest etabliert hat und bleibt, weil es so viel Erfolg hatte. In London liebt sie das Original Sin, in dem nur «Mädels» bei Judiths letztem Besuch arbeiteten. «Das hat mich bestärkt, gross zu denken.»

Bald in New York?

Gross denken, was heisst das? Sie schmunzelt, macht eine Pause. «Einen Traum hätte ich schon noch: Bei meinem Idol Steve Schneider in der New Yorker Bar Employees Only anzuklopfen.» Wer den Film «Hey Bartender» mit diesem prämierten und wagemutig tätowierten Bartender mal gesehen hat, der will auch sofort dorthin …

Judith Laubers Vorbild, Steve Schneider, mixt im Video den Klassiker Manhattan:

Drinks für viele Geschmäcker

Judith Laubers Drinktipps für …

… Ängstliche: Lars Vegas, eine sichere Sache. Auf Gin-Basis, süss-säuerlich und sehr erfrischend. Der verspielte Drink für jedermann. Und für jedefrau sowieso, weil ein Gewinn sondergleichen. Für Bauch und Geist.

… Mutige: Das 5. Element basierend auf Gin mit Chili-Infusion und mit Laphroaig, dem erdigen Single Malt Whiskey. Würzig, erfrischend und auch scharf. Mit der Farbe der Haare von Milla Jovovich im gleichnamigen Film.

… Traditionalisten: Gin Gin Mule ist der Bestseller, den Leute lieben, die derzeit den Moscow Mule lieben, hier gibt’s einfach Gin statt Vodka. Alternativen: Old Fashioned oder Negroni, die alten Klassiker in Perfektion.

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