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Prost! Lokale Konkurrenz reagiert mit Genugtuung
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Unterlegen: Das «Lozärner Bier» Lager wird, anders als das namentlich zum Verwechsen ähnliche Luzerner Bier, nicht hier produziert. (Bild: gwa)

Urteil gegen «Lozärner Bier» stösst auf Zustimmung Prost! Lokale Konkurrenz reagiert mit Genugtuung

3 min Lesezeit 20.07.2017, 21:36 Uhr

Die Lozärner Bier AG unterliegt vor Gericht: Ihr Lagerbier täusche die Konsumenten, weil es nicht in Luzern gebraut wird und das nirgends vermerkt ist. Der Etikettenschwindel war der Konkurrenz schon lange ein Dorn im Auge – entsprechend gross ist die Freude über das Urteil.

Wo Luzern drauf steht, soll auch Luzern drin sein: Die Lozärner Bier AG ist vor dem Luzerner Kantonsgericht unterlegen. Ihr Lagerbier kommt in einer blau-weissen Dose daher, darauf prangt der Schriftzug «Lozärner Bier» – damit werde der Anschein erweckt, das Bier stamme aus dem Raum Luzern, hält das Gericht in seinem am Donnerstag publizierten Urteil fest.

Das Unternehmen hat keine eigene Brauerei, auch nicht in den Räumen im Littauerboden. Deshalb verstosse das Produkt gegen das Täuschungsverbot (zentralplus berichtete). 

Das Gericht verweist auf andere Biere wie beispielsweise das «Baarer Bier», das «Luzerner Bier» oder das «Entlebucher Bier», die tatsächlich in den jeweiligen Orten hergestellt werden. Genau bei diesen Konkurrenten – aber auch bei Biertrinkern – sorgte die Tatsache, dass das Lozärner Bier nicht in der Leuchtenstadt gebraut wird, immer wieder für Kopfschütteln. Luzerner-Bier-Geschäftsführer David Schurtenberger hat sich in der Vergangenheit mehrmals entsprechend öffentlich geäussert.

Froh über klare Verhältnisse

«Es hat uns natürlich schon gestört, dass wir in Luzern brauen, wohingegen andere nur vorgeben, sie würden das tun», sagt Heiner Graafhuis. Er ist Verwaltungsrat der Luzerner Bier AG, die ihren Gerstensaft in der Tribschen produziert. Wer sich als regionales Bier verkaufe, solle auch in der Region produzieren. «Nun freuen wir uns, dass klare Verhältnisse entstehen.»

«Das ist für die Branche ein sehr wichtiger Entscheid.»

Karin Wagemann, Geschäftsführerin der Soorser Bier AG

Bei der Luzerner Bier AG kam hinzu, dass hin und wieder Konsumenten die beiden Produkte verwechselten. «Einige Bekannte berichteten mir, sie hätten unser Bier probiert – doch dann stellte sich heraus, dass es von der Konkurrenz und also nicht mal von Luzern war», sagt Graafhuis.

Trotz allem: Aktiv gegen die Konkurrenz vorgegangen sei man nie. «Wir waren immer der Meinung, dass in Luzern zwei Unternehmen Platz haben, wenn sie gutes Bier brauen.»

Luzerner Bier drückt seine Freude auch auf Facebook aus:

Ähnlich wie in der Tribschen nimmt man das Urteil in Sursee auf. «Wir freuen uns sehr», sagt Karin Wagemann, Geschäftsführerin der Soorser Bier AG. «Das ist für die Branche ein sehr wichtiger Entscheid.»

Zwar ändert sich für die Surseer Kleinbrauerei im Alltag kaum etwas. «Aber es hat grosse Symbolkraft – und ist, wenn man die ganze Geschichte kennt, ein klarer Sieg für das Luzerner Bier», sagt Wagemann. Sie betont, dass die kleinen Lokalbrauereien zueinander halten, daher stammt ihre Sympathie für Luzerner Bier. «Lozärner Bier hingegen ist in meinen Augen nicht eine Brauerei, sondern eine Marke.»

«Wenn beim Lozärner Bier künftig kleingedruckt steht, wo es gebraut wird, ändert sich für uns kaum etwas.»

Heiner Graafhuis, Verwaltungsrat der Luzerner Bier AG

Nach dem Verkauf der Eichhof an den Multi Heineken sprudelten die lokalen Kleinbrauereien nur so aus den Nischen – das Bedürfnis nach einem Bier aus der Nähe wuchs rasant. Das spürte die Soorser Bier AG bei ihrem Start, als sie Aktien unters Volk bringen wollte. «Immer wieder wollten Kunden wissen, ob wir wirklich in Sursee produzieren – Transparenz ist den Konsumenten ein wichtiges Anliegen», hält Wagemann fest. Inzwischen seien diese Zweifel ausgeräumt, als offene Brauerei veranstaltet die Sorseer Bier AG unter anderem Braukurse und Führungen, zudem dient sie auch als Eventlokal.

Schweigen im Littauerboden

Wie es weitergeht, muss sich erst zeigen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und könnte vor Bundesgericht weitergezogen werden. Ob das eine Option ist, bleibt offen. Die Lozärner Bier AG zeigt sich alles andere als auskunftsfreudig: Man stehe für «keinerlei Auskünfte zur Verfügung», heisst es auf Anfrage. Zudem verlangt das Unternehmen, dass keiner der Mitarbeiter namentlich genannt werden darf.

Für die Konkurrenz jedenfalls ergeben sich vorerst wenig Konsequenzen. «Wenn beim Lozärner Bier künftig kleingedruckt steht, wo es gebraut wird, ändert sich für uns kaum etwas», sagt Heiner Graafhuis von der Luzerner Bier AG. Er rechnet aber mit grösserem Konkurrenzdruck, sollte die Lozärner Bier AG – wie bereits vor längerer Zeit angekündigt – die Produktion nach Luzern verlegen.

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