Prosa, Poetry und Performance
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Gaben Vollgas: Trampeltier of Love. (Bild: Vera Baumann)

Spoken Woerdz Festival im Südpol Luzern Prosa, Poetry und Performance

3 min Lesezeit 24.10.2020, 17:22 Uhr

Am Freitag öffnete der Südpol den dritten Abend in Folge die Türen für das Spoken Woerdz Festival. Mit dabei waren an diesem Abend Big Zis, Matto Kämpf und viele weitere. Der Abend widerspiegelte die ganze Bandbreite des Festivals – und machte Appetit auf mehr.

Die vier grundverschiedenen Acts des Abends verdeutlichten, wie vielseitig Wortkunst sein kann: Eröffnet wurde der Reigen mit lyrischer Poesie von Laurence Boissier & Gerhard Meister und abgerundet durch die Musik der verrückten Band «Trampeltier of Love».

Das Anfangsduo wagte einen berndeutsch-französischen Dialog. Wo sich anfänglich die deutschen Worte über das wolfzeichnende Vreneli mit den französischen deckten, wurden die Besucher später mit französischen Passagen und Texten überrascht. Die Genfer Literaturpreisträgerin Boissier trug gar einen Mundarttext über die ungenutzten Deutschlektionen vor, was viele Besucherinnen sich an ihre Französischlektionen erinnern liess und für viel Gelächter sorgte.

Die Freiheit der Poesie

Besonders viel gelacht wurde bei Semi Eschmamps Nachbarschaftsgeschichten. Die Erzählungen über den dichtenden Nachbarn namens Blaschko eröffneten eine Metaebene der Lyrik, als Eschmamp die Kunstfigur am Ende seiner Darbietung mit dem Bühnentelefon «anrief» und über das Dichten befragte.

Die platte Antwort «Ich habe keine Ahnung, was das Gedicht bedeutet, aber ich habe es geschrieben», bringt die Dichtkunst in fassbare Nähe und beauftragt die Besucher, der Wortkunst selbst eine Deutung zu verleihen. Beeindruckend war der rote Faden, den Eschmamp mit einer Leichtigkeit durch die einzelnen Bestandteile seiner Darbietung geflochten hat.

Überraschend anders

Während die ersten beiden Beiträge klassischer lyrischer Natur waren, wagte sich die gebürtige Winterthurer Rapperin Big Zis mit ihrem Künstlerfreund Patrick Hari an ein Bühnenexperiment. Für das diesjährige Woerdz Festival wurde sie mit einem Werkauftrag aus ihrer Komfortzone gelockt.

«Ich bin nervös und unsicher, wie die Performance ankommen wird. Ich hoffe einfach, dass wir uns danach nicht schämen müssen!»

Rapperin Big Zis vor ihrem Auftritt

Bekannt ist die Musikpreisträgerin für ihre provozierende Rapkunst. Viele Besucherinnen staunten daher nicht schlecht über die performative Darbietung, die einer Annäherung und Abgrenzung zweier Weltraumwesen glich. Einzelne Textpassagen liessen sich in der Darbietung vom neuen Album «4xLove:2» wiederfinden. Vor dem Auftritt meinte Big Zis gegenüber zentralplus: «Ich bin nervös und unsicher, wie die Performance ankommen wird. Ich hoffe einfach, dass wir uns danach nicht schämen müssen!». Im Nachhinein lässt sich sagen: Nicht peinlich, sondern erfrischend anders.

Brillanter Last-Minute-Ersatz

Als vierter Akt hätte eigentlich Linton Kwesi Johnson den Abend vervollständigen sollen. Aufgrund einer Vorerkrankung entschied sich der Brite schweren Herzens gegen die Reise in die Schweiz. In die Bresche gesprungen ist «Trampeltier of Love» mit ihren mitreissenden Beats und witzigen Texten.

Nicht nur diese Künstler zeigten grosse Flexibilität, sondern auch Stargast Lee Scatch Perry willigte ein, die Aftershow-Party einen Abend vorzuverlegen, da diese aufgrund der neuen Auflagen am Samstag hätte gestrichen werden müssen.

2022 bitte wieder!

Der Veranstalter – der Verein Woerdz – zeigte grosses Engagement, das Festival trotz vieler kurzfristiger Hürden unvergesslich werden zu lassen. Und dies ist ihnen gelungen. Die einzelnen Darbietungen waren zwar an der Grenze ihrer Bühnenzeit, jedoch kosteten die Besucherinnen jede Minute der Kulturveranstaltung aus. Das nächste Woerdz wird es erst in zwei Jahren wieder geben.

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