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Projekt beerdigt: Doch kein «Kirschtortenplatz» in Zug
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Das «Geburtshaus» der Zuger Kirschtorte (rechtes Haus) an der Alpenstrasse 7. Hier hatte der findige Konditor Heinrich Höhn 1915 sein erstes Geschäft. Gegenüber des Gebäudes, auf einem Teil des Bundesplatzes, hätte der «Kirschtortenplatz» entstehen sollen. (Bild: Marc Benedetti)

Zuger Stadtrat streicht die Segel Projekt beerdigt: Doch kein «Kirschtortenplatz» in Zug

3 min Lesezeit 20.09.2016, 15:01 Uhr

Der Streit um den «Kirschtortenplatz» ist zu Ende. Das Zuger Verwaltungsgericht forderte, dass der Stadtrat die Akzeptanz des Namens abklären müsste. Weil das zu aufwändig sei, verzichtet die Stadtregierung auf die Umbenennung, und es wird keinen Zuger Kirschtortenplatz geben.

Das Zuger Verwaltungsgericht hat die Beschwerde einer Stockwerkeigentümergemeinschaft zur Namensänderung «Kirschtortenplatz» gutgeheissen. Das Gericht fordert unter anderem vom Stadtrat, dass die Akzeptanz des Namens ermittelt werden müsse, teilte die Stadt Zug mit.

Doch dieser hat die Sache nun gestoppt: Der Stadtrat sei der Ansicht, dass ein Jahr nach dem 100-Jahr-Jubiläum der Kirschtorte das öffentliche Interesse an einer Namensänderung nicht mehr gleich gross ist. «Eine öffentliche Umfrage zur Akzeptanz der Namensgebung wäre mit einem grossen Aufwand verbunden und entsprechende Umfragen sind nur beschränkt repräsentativ. Deshalb verzichtet der Stadtrat auf eine Umfrage und widerruft seinen Entscheid zur Namensgebung», heisst es in der Medienmitteilung.

Konditor Höhn ehren

Damit geht ein zwei Jahre dauernder Rechtsstreit zu Ende. Angefangen hatte alles im September 2013. Im Hinblick auf das 100-Jahr-Jubiläum der Erfindung der Zuger Kirschtorte entschied der Zuger Stadtrat damals, den nördlichen Teil des Bundesplatzes an der Alpenstrasse neu als «Kirschtortenplatz» zu benennen. Er folgte damit einer Anregung der Zuger Kirschtortengesellschaft. Mit der Umbenennung wollte die Stadt einem Wunsch der Bäcker und Konditoren nachkommen und «das lokale Kulturgut in der Öffentlichkeit stärken».

Hier an diesem Ort, so der Stadtrat, habe der Konditor Heinrich Höhn im Jahre 1915 die Zuger Kirschtorte erfunden und den Grundstein für die internationale Erfolgsgeschichte der Spezialität gelegt.

Anwalt Weidmann reichte Beschwerde ein

Doch das sahen nicht alle Zuger so. Gegen den Beschluss reichten Stockwerkeigentümer aus der Umgebung Beschwerde ein. Angeführt vom Anwalt und Notar Raffael Weidmann, der am Bundesplatz arbeitet. Seine Kanzlei trägt heute die Adresse «Bundesplatz 16». Weidmann fand es unerträglich, seine Adresse in «Kirschtortenplatz» umbenennen zu müssen. Eine Arztpraxis am Platz fand es ebenfalls unpassend, künftig an einem Ort domiziliert zu sein, dessen Namen auf ein Alkoholprodukt lautete. Doch nicht nur auf rechtlichem Weg, auch mit einer Petition baten verschiedene Zuger den Stadtrat, auf die Neubenennung zu verzichten.

Gericht folgte Regierungsrat nicht

Doch die Kritiker unterlagen zuerst einmal. Der Zuger Regierungsrat gab dem Stadtrat recht und wies die Beschwerde ab. Diesen Entscheid zogen die Rekurrenten erneut weiter, vor Verwaltungsgericht, weil die Begründung des Regierungsrats sie nicht überzeugte. Das Gericht hat den Fall nun an den Regierungsrat zur Neubeurteilung zurückgegeben. Das Gericht stellt sich auf den Standpunkt, dass es sich nicht um eine Neu-, sondern um eine Umbenennung handelt, weil die Fläche Teil des Bundesplatzes sei. Eine Namensänderung erfordere den Nachweis des öffentlichen Interesses.

Erhebung zu aufwändig

Der Stadtrat hat das Projekt nun vorzeitig gestoppt und beerdigt. Stadtrat André Wicki sagt auf Anfrage: «Wir nehmen das sportlich.» Man habe eine Abwägung vorgenommen. Der Stadtrat fand, Aufwand und Ertrag zur Erhebung der Meinungen ständen in keinem Verhältnis. «Der administrative Aufwand wäre einfach zu gross.» Wicki gibt zudem zu bedenken, dass selbst bei positiven Rückmeldungen die Sache bis vor Bundesgericht weitergezogen werden könnte. Doch André Wicki ist überzeugt, dass auch ohne den Platz das «Chriesi» mit all seinen Produkten und Bräuchen aus Zug nicht wegzudenken ist.

Einen anderen Platz Kirschtortenplatz zu taufen oder umzubenennen, sei momentan kein Thema, sagt Wicki auf eine Frage von zentralplus. Nach seinem Wissen gibt es auch keine solchen Wunsch von dritter Seite. Von der Zuger Kirschtortengesellschaft war niemand erreichbar.

Der «Kirschtortenplatz» bleibt vorläufig eine Anekdote für die Nachwelt.

Zentralplus berichtete verschiedene Male über den Namensstreit:
– «Zuger Regierung erlaubt Namen Kirschtortenplatz»
– «Streit um Kirschtortenplatz geht weiter»

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