Jetzt Community-Mitglied werden und profitieren!
Premiere von «Deville»: «Make SRF great again!»
  • Kultur
  • Medien
  • Bildgalerie
«Parat? Nein!»: Deville traut sich im Mascotte erstmals auf die Late-Night-Bühne. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Ein Luzerner auf dem Weg zum neuen Giacobbo Premiere von «Deville»: «Make SRF great again!»

5 min Lesezeit 25.05.2016, 11:24 Uhr

«Männer in gut sitzenden Anzügen machen Seich»: So einfach kann gute Unterhaltung sein. Und so überzeugend. Der Luzerner Dominic Deville hat das Zeug zum neuen Late-Night-Star von SRF. Der Bericht vom ersten Dreh.

Schöne neue Fernsehwelt: Jetzt muss sich Dominic Deville auf dem «Glanz&Gloria»-Sofa mit Dani Fohrler darüber unterhalten, wie viel Punk noch in einem fast 41-jährigen Familienvater steckt. Ist da etwa ein Wilder plötzlich zahm geworden?

Solche für einen Bühnenschreck eher unangenehme Welten gehören jetzt wohl dazu. Jetzt, da Deville sich aufmacht, zum neuen TV-Comedian zu werden. Ein grosser Schritt für einen, der gar nie zum Fernsehen wollte: «Fernsehen hat mich als Medium nie interessiert, ich hatte immer das Gefühl, dass ich da keinen Platz finde, dass ich zu wild bin», sagte er zu Fohrler am letzten Wochenende (siehe Video weiter unten).

Unterstütze Zentralplus

Reingerutscht wie Winkelried

Jetzt ist er also doch da angelangt – beim Schweizer Fernsehen. Nachdem es ihm als Autor nicht gereicht habe, sei er reingerutscht. Man habe ihn «gschüpft»: «Wie Winkelried, bin ich vor die Kamera gschüpft worden.» Das Ziel von «Deville» sei, «bekannte Gesichter zu mir ins Wohnzimmer zu holen, um aus ihnen etwas herauszukitzeln, das man von dieser Person noch nicht kennt», sagte Deville.

Trailer der ersten Sendung:

 

Freitagnacht flimmert «Deville» erstmals über die Fernsehbildschirme – und Dominic Deville hat Gelegenheit, sich vor grossem Publikum zu beweisen. Das Programm verspricht: «Eine Sendung, in der Männer in gut sitzenden Anzügen Seich machen.»

Zwischen Understatement und Grössenwahn

Dienstagabend im Zürcher Club Mascotte: Die erste Folge «Deville» wird aufgezeichnet. Und tatsächlich: Der Club wird zu Devilles Wohnzimmer, ein Heimspiel vor Freunden, ein euphorisch gelauntes Publikum. Und klar, dass sich ein Punk auf der Konzertbühne viel wohler fühlt als im angestaubten «Leutsch».

«Heute wird die ganze Schweiz sehen, dass ich nichts kann.»

Late-Night-Talker Dominic Deville

Der zweite Mann mit gutem Anzug neben Deville ist sein Sidekick Manuel Stahlberger. Der Musiker und Kabarettist aus St. Gallen mit dem staubtrockenen Humor ist ein wunderbarer Gegensatz zum schrill-lauten Deville.

Kurzes Warm-up, bevor die Aufzeichnung startet. Deville steht, Stahlberger sitzt zusammengekauert hinter dem Laptop. Dauernd werde er, Deville, momentan gefragt: «Seid ihr parat? Nein! Nervös? Ja! Heute wird die ganze Schweiz sehen, dass ich nichts kann.» Kurze Anweisung ans Publikum: «Vergesst es, macht einfach, was ihr wollt!» Noch kurz Stahlberger mit einem Tuch zudecken – «Make-up-Kontrolle!», heisst es von der Seite. Deville: «Auch, das bisschen Schweiss, das Transpirieren gehört dazu, auch Dani Fohrler schwitzt wie Sau …» Und dann kann’s losgehen. Deville: «Make SRF great again!» Er schwankt amüsiert zwischen Understatement und Grössenwahn.

Leider ein Talkgast

Dann, Kameras an. Gleich zu Beginn der Show beruhigt Deville den klassischen TV-Zuschauer und kritischen Billagzahler. «Nicht erschrecken, euch passiert nichts!» Und nur gerade 75’000 Franken koste eine Sendung – wie viel davon für den Anzug draufgeht, ist unbekannt. Aber immerhin sei die Showbühne ein Recycling-Produkt.

«Wir hatten uns alle so Mühe gegeben, jetzt kommt so einer wie du und bekommt eine eigene Show.»

Fernsehfrau Mona Vetsch

Die folgenden 30 Minuten «Deville» sind klassisches Late-Night-TV, und das ist gut so. Es gibt kurze Einspieler, satirische Kommentare zu aktuellen Themen und politischen Vorlagen, Persiflagen zu Stars und Promis – und einen Talkgast.

Leider einen Talkgast, muss man nach der ersten Sendung sagen. Denn Mona Vetsch war als Gast nicht wirklich ergiebig und grösstenteils zum Gähnen (Deville: «Das letzte Mal als ich Fernsehen schaute, hast du mit ‹Oops› aufgehört …»). Deville wollte von der mit allen Wassern gewaschenen Fernseh- und Radiofrau Tipps. Vetsch: «Alle sind doch neidisch auf dich! Wir hatten uns alle so Mühe gegeben, jetzt kommt so einer wie du und bekommt eine eigene Show.»

Devilles Sidekick: der St.Galler Manuel Stahlberger mit Laptop. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Devilles Sidekick: der St.Galler Manuel Stahlberger mit Laptop. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Wandern mit Mona

Deville könnte die halbe Stunde locker mit Stahlberger alleine, also ohne Talkgast, füllen. Aber vielleicht erwartet SRF von einer Late-Night-Show einen prominenten Gast. Lustiger wurde es, als Deville Mona Vetschs neue Sendeformate präsentiert, etwa «Mona Montagne» (Wandern mit Vetsch) oder «Ätschi Vetschi» (versteckte Kamera).

Als Gast war Mona Vetsch zugegen. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

Als Gast war Mona Vetsch zugegen. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

So geht's weiter mit «Deville»

Deville ist in München geboren, hat lange in Luzern gewohnt und ist inzwischen in Zürich daheim. Der ehemalige Kindergärtner, Punkmusiker und Kabarettist präsentiert eine klassische Late-Night-Comedy nach US-Vorbild. Laut Programm eine «Spielwiese für den multitalentierten Entertainer und Improvisator».

In der ersten Folge von «Deville» begrüsst Gastgeber Dominic Deville die Moderatorin Mona Vetsch. Insgesamt sind 10 Folgen à 30 Minuten geplant, jeweils aus dem Zürcher Club Mascotte. Sein Partner und Gegenpart ist der St. Galler Musiker und Kabarettist Manuel Stahlberger. Erste Folge: Freitag, 27. Mai, 23:45 Uhr, SRF 1.

Die erste Sendung bietet herrliche, treffende, skurrile Momente – und vor allem zeigt sie viel Potential für die nächsten neun Ausgaben. Deville diktiert Stahlberger (nachdem er ihn wieder vom Tuch befreit hatte) einen Brief an die gebeutelte Ruag, präsentiert zum 40-Jährigen des klassischen Fax-Geräts ein besonders bedrohtes Exemplar («ein Rot-Fax»!), eine Ananas fliegt durch die Gegend und es gibt einen gelungenen Sketch-Einspieler zur Abstimmung über die Präimplantationsdiagnostik, der zeigt: Deville ist ein begnadeter Schauspieler und kann diesbezüglich Viktor Giacobbo locker das Wasser reichen.

Deville hat das Zeug!

Manuel Stahlberger lockert auf mit seinen gewohnt lakonischen Projektionen ab Laptop: in der ersten Sendung eine Würdigung von Schweizer Strassentunnels, die ja jetzt, wenn die Neat eröffnet, ins Abseits geraten. Und Musik gibt es von einer Bieler Combo namens «Rächt extrem».

Die Premiere war noch lange nicht so böse und bissig, wie Deville sein kann und sollte und hoffentlich auch sein darf und wird. Aber wer will es ihm verübeln, es war die Premiere? Sein TV-Debüt.

Hier sehen Sie Dominic Deville bei Dani Fohrler:

 

SRF testet momentan neue Comedyformate, weil auf Ende Jahr die Sendung «Giacobbo/Müller» ausläuft. Den Anfang machte «Müslüm TV» (auch er im gut sitzenden Anzug), es folgte «Headhunter» von Michel Gammenthaler und Anet Corti. Jetzt ist es am Luzerner Dominic Deville zu beweisen, dass er der Richtige ist.

Wird er dereinst «Giacobbo/Müller» beerben? Oder wird er das betuchte Unterhaltungspublikum ähnlich vor den Kopf stossen, wie das Frank Baumann mit «Ventil» vor 20 Jahren das letzte Mal gelang? Deville hat das Zeug zu beidem. Das beweist er mit seiner ersten Sendung, für die man viel erhoffen darf.

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare
Mehr Kultur