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Preisvergabe an Luzerner Kulturjournalist sorgt für Irritationen
  • Kultur
Die Preisvergabe durch Benedikt von Peter stösst in Luzern auf Kritik (Symbolbild). (Bild: AdobeStock/Pawel Horosiewicz )

Auswahlverfahren der Greulich-Stiftung kritisiert Preisvergabe an Luzerner Kulturjournalist sorgt für Irritationen

5 min Lesezeit 25.02.2019, 13:01 Uhr

Die Greulich-Stiftung zeichnet jedes Jahr einen Kulturjournalisten aus. Dieses Jahr erhält der Luzerner Urs Mattenberger den reich dotierten Preis. Die Wahl selbst ist unumstritten, doch das Prozedere stösst in Luzern auf Kritik. Denn als Einzeljury amtete ausgerechnet ein Vertreter eines grossen Luzerner Kulturhauses – über das der Preisträger regelmässig Kritiken verfasst.

Es gibt verschiedene bekannte Auszeichnungen für herausragende journalistische Leistungen. Dazu gehört der Preis der Zürcher Greulich-Stiftung, der jedes Jahr einem Kulturjournalisten als Würdigung seiner Arbeit vergeben wird. Jeweils in wechselnden Sparten wie Musik, Film oder Architektur. Dieses Jahr wurde erstmals die Sparte Theater ausgewählt.

Zwei «Luzerner» im Fokus

Doch die Form der Vergabe stösst auf Kritik. Im Zentrum stehen ausgerechnet zwei Personen aus der Luzerner Kulturszene. Ausgezeichnet und mit 10’000 Franken belohnt wird der Luzerner Operetten- und Klassikkritiker Urs Mattenberger, der für die «Luzerner Zeitung» schreibt.

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Ausgewählt wurde der Journalist vom Intendanten des Luzerner Theaters, Benedikt von Peter, der von der Stiftung mit der Auswahl des Gewinners beauftragt wurde. Notabene als einziger Juror, der bei seiner Wahl komplett freie Hand hat. 

Fataler Eindruck befürchtet

Dies sorgt bei einigen Vertretern der Luzerner Kulturszene für Stirnrunzeln. Mit Namen hinstehen will niemand. Eine Person aus Luzern, der die zweifelhafte Vergabe aufgefallen, ist sagt jedoch dazu: «Ich finde es fragwürdig, wenn eine Einzelperson, die in einer Position wie Herrn von Peter ist, alleine entscheiden kann.» Auch wenn er überhaupt nicht an der Integrität von Benedikt von Peter als Person zweifle, so könnte der Preis allenfalls auch als Belohnung für gute Kritiken betrachtet werden, wird moniert.

«Es ist einfach menschlich.»

Ein kritischer Luzerner Künstler

Tatsächlich schreibt Mattenberger mit grosser Regelmässigkeit und oft begeistert über das Luzerner Theater. «Gerade in der laufenden Diskussion über die Qualität und die Unabhängigkeit der Presse finde ich ein solches Vorgehen bei der Preisvergabe einfach unglücklich», so der Informant, der selber für verschiedene Zeitungen tätig war. Und eine weitere Person aus dessen Umfeld ergänzt: «Herr von Peter dürfte diesen Preis nie alleine vergeben.»

«Diese Entscheidung ist menschlich»

«Ich bin mir nicht sicher, ob Benedikt von Peter als Intendant komplett unabhängig entscheiden kann», führt die Person weiter aus. Urs Mattenberger schreibe schliesslich regelmässig über von Peters Inszenierungen von Operetten. Als Vorwurf an den Intendanten will aber auch er seine Aussage nicht verstanden wissen.

«Es ist logisch, dass man jemanden auswählt, mit dem man viele und gute Erfahrungen gemacht hat. Davor ist kein Mensch gefeit», sagt eine zweite Person. Dies gelte für die subventionierte Kultur gleichermassen wie für die alternative Szene. «Es ist einfach menschlich», ergänzt sie. Zudem werde von Peter Luzern so oder so in Richtung Basel verlassen, weshalb die Situation in Luzern mit Blick auf die Zukunft nicht weiter dramatisch sei.

«Jede Auszeichnung auf der Welt ist ein subjektiver Entscheid.»

Simon Brunner, Stiftungsratspräsident der Greulich-Stiftung

Dennoch wird ein Vergleich gewagt. «Wenn bei der öffentlichen Kulturförderung, auf welche zum Beispiel die freie Szene angewiesen ist, nur eine einzige Person über die Beiträge für Produktionen entscheiden würde, gäbe dies zwangsläufig böses Blut.»

Schlechtes Signal für die Zukunft?

Im Gespräch mit den zwei Kritikern wird also klar: Ihre Kritik richtet sich weder auf den Intendanten von Peter noch auf den Journalisten Mattenberger, sondern zielt auf das Auswahl-Prozedere der Greulich-Stiftung. «Urs Mattenberger ist ein ausgezeichneter Kulturjournalist und hat die Auszeichnung ohne Wenn und Aber verdient», sagen sie unisono.

Und auch die Arbeit der Stiftung sowie deren Engagement werden gelobt. Es könnten jedoch falsche Signale für die Zukunft ausgesandt werden, wird beklagt. «Wenn Journalisten auch nur in Erwägung ziehen, dass sie mit guten Kritiken allenfalls Geld verdienen können, ist dies zumindest fragwürdig», so der Tenor.

Was, wenn Bundesräte Preise vergeben könnten?

Die zwei sind mit ihrer Kritik nicht allein. Auch der Kulturredaktor des «Tages-Anzeigers», Andreas Tobler, bemängelt die Vergabe und macht einen wenig schmeichelnden Vergleich: «Es ist nicht ganz klar, wie die Schweizer Medienlandschaft aussehen würde, wenn der Greulich-Kulturpreis Schule machen würde. Wenn etwa Bundesräte Preise vergeben könnten – für die Berichterstattung von Journalisten», schreibt Tobler in einer aktuellen Kolumne.


 

«Und wenn es nicht nur einen, sondern ganz viele Urs Mattenberger gäbe, die einen solchen Preis in Höhe von 10’000 Franken zwecks Wahrung der eigenen Unabhängigkeit nicht ablehnen, wie man es erwarten würde, sondern einfach zugreifen, wenn die Kohle stimmt?», fragt sich Tobler. 

«Preisvergabe ist immer subjektiv»

Bei der Greulich-Stiftung kann man die geäusserte Kritik am Auswahlprozedere nur bedingt nachvollziehen. «Dieses Jahr wurde mit Urs Mattenberger ein Luzerner Journalist, der sich in der lokalen Theaterberichterstattung einen hervorragenden Ruf gemacht hat, ausgezeichnet», schreibt Stiftungsratspräsident Simon Brunner in einer Stellungnahme. Man sei stolz auf die Juroren, denn sie seien allesamt Koryphäen in ihren Gebieten und hätten sorgfältig überlegt, wem sie den Kulturpreis verleihen. «Zudem engagieren sie sich ehrenamtlich», so Brunner.

«Jede Auszeichnung auf der Welt ist ein subjektiver Entscheid», räumt Brunner zugleich ein. «Beim Greulich-Kulturpreis kann sich der Juror nicht hinter einem Gremium verstecken.» Eine Jurorin wähle einen Journalisten aus, der sich in seinem Fachgebiet besonders verdient gemacht hat, und erläutere die Wahl in der Laudatio. «Wichtig ist ausserdem, dass weder das Fachgebiet noch der Juror im Vornherein bekannt sind – beides bestimmt der Stiftungsrat jedes Jahr aufs Neue», betont Brunner.

Benedikt von Peter äussert sich (noch) nicht

Da die Begründung der Wahl erst bei der Preisvergabe bekannt gegeben werden soll, äussert sich Benedikt von Peter nicht im Vornherein zu seinem Entscheid, wie Severin Barmettler, Medienverantwortlicher des Luzerner Theaters, auf Anfrage sagt. «Am 4. April wird von Peter im Rahmen der Preisverleihung die Laudatio halten», heisst es aus dem Theater nur.

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