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Präventivmedizin? Sursee wehrt sich vorbeugend für sein Spital
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In der Stadt und doch halb im Grünen: Luzerner Kantonsspital Sursee. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

4000 Unterschriften gegen Bau an neuem Standort Präventivmedizin? Sursee wehrt sich vorbeugend für sein Spital

4 min Lesezeit 03.05.2017, 17:38 Uhr

Über 4’000 Leute haben eine Petition für den Erhalt des Kantonsspitals Sursee am bisherigen Standort unterschrieben. Obwohl gar noch nicht klar ist, ob es verlegt werden soll und wohin.

Sursee boomt: Die Bevölkerung in der Region Sempachersee hat im vergangenen Jahrzehnt um 20 Prozent zugenommen, Sursee selbst ist noch schneller gewachsen. Kein Wunder, erfreut sich auch das Luzerner Kantonsspital in Sursee immer grösserer Beliebtheit. Wegen steigender Patientenzahlen platzt es mittlerweile aus allen Nähten. Die ambulante Behandlung von Nierenkranken (Nephrologie), das Krebszentrum (medizinische Onkologie) und das Wundzentrum wurden bereits auf Standorte ausserhalb des 130-Betten-Spitals ausgelagert.

Das Luzerner Kantonsspital prüft nun, wie und wo Ergänzungsbauten realisiert werden können, damit die wachsende Bevölkerung auch in Zukunft medizinisch versorgt werden kann. Und zwar sowohl in Sursee selbst wie auch an einem andern Ort in der Nähe des Sempachersees.

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Bald mit Bahn und Bus ins Regionalspital?

Eine entsprechende Mitteilung im vergangenen Juni hat mächtig Staub aufgewirbelt, denn den Surseern wurde plötzlich bewusst, dass sie möglicherweise bald eine umständliche Reise unternehmen müssen, wenn sie ins Spital müssen.

Zwar beharren die offiziellen Stellen auf absolutem Stillschweigen über mögliche Ersatzstandorte für das Luzerner Kantonsspital Sursee. FDP-Nationalrat Peter Schilliger, der auch Vize-Präsident des Spitalrats ist, spricht in seinen Referaten undeutlich von einer «Handvoll» Möglichkeiten, die geprüft würden. Aber durch die «Luzerner Zeitung» sind zwei geeignete Standorte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt: zum einen das Gebiet Honrich in Sempach, unweit der Autobahnausfahrt. Zum andern Nottwil, wo das Paraplegikerzentrum steht, mit dem das Luzerner Kantonsspital schon heute zusammenarbeitet.

Eine breite Allianz sammelt Unterschriften

Die Surseer wollen freilich am bisherigen Standort festhalten. Aus der Surseer CVP heraus hat sich eine IG Spital-Region Luzerner Landschaft formiert, der sich auch die städtische FDP, SP und die Grünen angeschlossen haben. Auch der örtliche Gewerbeverband macht mit. Diese breite Koalition hat nun eine Unterschriftensammlung lanciert, damit das Spital in Sursee bleibt.

«Überschlagsmässig habe ich 3’300 Unterschriften gezählt, aber gestern quoll der Briefkasten wieder über», sagt CVP-Kantonsrat Carlo Piani, der die Koordination der Interessengemeinschaft versieht. «Ich rechne für unsere Petition mit weit über 4’000 Unterschriften, die wir dem Regierungsrat am 8. Mai übergeben können», sagt er.

Kantonale Strategie spricht gegen eine Verlegung

Piani hat also nicht nur die Unterstützung des Volks, der Stadtregierung und des Gewerbes auf seiner Seite, sondern auch einige gewichtige Argumente, die für den Erhalt des Luzerner Kantonsspitals in Sursee sprechen. Dieses bietet 700 Arbeitsplätze und ist ein wichtiger Auftraggeber fürs lokale Gewerbe.

«In Sursee wäre Platz für die nötigen Erweiterungen vorhanden.»

Carlo Piani, IG Spital-Region Luzerner Landschaft

Eine Verlegung des Spitals widerspreche der Strategie des Kantons Luzern, Sursee als zweites Zentrum zu stärken, gibt Piani zu bedenken. Einen entsprechenden Beschluss hatten Kantonsrat und Regierung vor einigen Jahren gefasst. Ausserdem sei Sursee mit Auto, Bus und Bahn optimal zu erreichen.

Sursee hätte die Landreserven

Zum möglichen Standort in Sempach gelange man zwar einfach über die Autobahn, «aber der Bahnhof ist weit weg – in Sempach Station». Ein Neubau in Nottwil hingegen wäre ein Bau auf der grünen Wiese – ohne Anbindung an eine schnelle Strasse und mit einem Bahnhof, an dem nur Regionalzüge halten. «Warum lässt man das Spital nicht dort, wo viele Leute wohnen?», fragt Carlo Piani. «In Sursee wäre Platz für die nötigen Erweiterungen vorhanden.»

Tatsächlich. Das räumte auch Spitalrats-Vizepräsident Peter Schilliger schon ein. Allerdings müsste bei einer Erweiterung am bestehenden Standort das Pflegeheim Seeblick verlegt werden. «Das Luzerner Kantonsspital hat Studien zur einer Erweiterung in Sursee gemacht, deren Inhalt wir nicht kennen», meint dazu Carlo Piani.

Stapi ist zuversichtlich

Stadtpräsident Beat Leu (CVP) jedenfalls ist guter Dinge, dass das Kantonsspital in Sursee bleibt: «Es stösst hier auf grosse Akzeptanz und funktioniert sehr gut.» Sursee mit den medizinischen Einrichtungen in Bahnhofsnähe habe gute Karten. Ausserdem wurde das Kantonsspital vor einigen Jahren für 28 Millionen Franken saniert, 2012 baute man auch ein neues Parkhaus.

Vom Luzerner Kantonsspital kommt auf Anfrage folgende Stellungnahme: Man habe «Kenntnis von der Petition der IG Spitalregion Luzerner Landschaft». Die Petition drücke die Verbundenheit und Identifikation der Bevölkerung im Raum Sursee-Mittelland mit «ihrem» Spital aus. «Das ist eine Rückmeldung, die uns sehr freut», schreibt Mediensprecherin Ramona Helfenberger.

Gesundheitsdirektor Guido Graf (CVP) meint: «Die Regierung nimmt die Anliegen der Surseer Bevölkerung selbstverständlich ernst und berücksichtigt diese auch neben allen andern Faktoren bei der Entscheidungsfindung.»

Die Spitalleitung schweigt wie ein Grab

Inwieweit also die Sichtweise und die Unterschriften der Surseer von der Leitung des Luzerner Kantonsspitals und dem Luzerner Regierungsrat gewürdigt werden, weiss man im erst im Sommer. Dann will sich die Spitalleitung mit dem Regierungsrat erneut über die Zukunft des Spitals in Sursee unterhalten. In der zweiten Jahreshälfte soll öffentlich informiert werden.

«Es ist wichtig, dass man jetzt breite und umfassende Abklärungen macht.»

Guido Graf, Gesundheitsdirektor

Regierungsrat Guido Graf sagt, dass «für einen Spitalstandort die gute Erreichbarkeit, die baulichen Möglichkeiten, Optionen für die betrieblichen Abläufe, die Wirtschaftlichkeit wichtige Kriterien sind». Mit der Bevölkerung im Raum Sursee wachsen sehr schnell auch die Patientenzahl am Luzerner Kantonsspital Sursee und der Raumbedarf. «Deshalb ist es wichtig, dass man diese Abklärungen jetzt breit und umfassend macht», so Graf.

Übrigens: Im Luzerner Kantonsspital Wolhusen setzt der Kanton auf einen Neubau statt einer Sanierung – wenn auch am gleichen Standort.

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