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Posse um farbige Fenster: keine Einigung in Sicht
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So leuchtet das Hotel Schweizerhof nachts. Für die farbigen Lichter musste es jetzt eine Baubewilligung einreichen. (Bild: Elge Kenneweg/Montage zentralplus )

Plan Lumière vs. Hotel Schweizerhof Posse um farbige Fenster: keine Einigung in Sicht

4 Min 12.03.2016, 05:09 Uhr

Nächstes Kapitel im Streit um die farbigen Fenster in Luzern: Das Hotel Schweizerhof verstösst mit seiner Fensterbeleuchtung gegen das Beleuchtungskonzept – hat jetzt aber ein nachträgliches Baugesuch eingereicht. Jetzt liegt der Ball wieder bei der Stadt, doch diese wird das Gesuch kaum akzeptieren.

Was bewegen doch ein paar farbige Fenster diese Stadt. Von «Regulationswut» war die Rede, von «Licht-Knatsch» und natürlich – wie immer, wenn’s um neue Beleuchtungen geht – von «Disneyland». Es handelt sich schliesslich nicht um irgendwelche Fenster, sondern um jene des Hotels Schweizerhof am Quai: Weitherum sichtbar strahlen sie gen das Seebecken, seit 2014 abwechselnd in den Farben Rot, Blau, Grün und Gelb. Und genau das ist das Problem.

Nur weisses Licht gestattet

Eine kurze Rückblende: 2014 renovierte der Schweizerhof seine Zimmer. Aus diesem Anlass stattete das Hotel die Böden vor den Fenstern im Innern mit insgesamt 70 LED-Leuchten aus, die man programmieren kann. Und so je nach Anlass das Hotel andersfarbig erstrahlen lassen. Wenn es den Gast stört, kann er die Beleuchtung abschalten, ansonsten wird das Ganze von einem Server in der Rezeption gesteuert.

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Tönt schön, ist aber für die Stadt ein Problem: Weil das Hotel prominent steht, muss es sich dem Beleuchtungskonzept fügen, dem Plan Lumière. Dieser ist seit 2009 in Kraft und will die Innenstadt attraktiver und zugleich sparsamer beleuchten. Bei der Fassadenbeleuchtung haben die Besitzer Mike und Patrick Hauser den Plan Lumière berücksichtigt, bei den Fenstern jedoch nicht. Gemäss Reglement ist nur weisses Licht zugelassen – farbige Beleuchtungen dürften nur temporär eingesetzt werden. Zudem verstosse die Fensterbeleuchtung laut Stadt gegen das Reglement zur Nutzung des öffentlichen Grundes – es stört also das Stadtbild.

Die Fenster des Anstosses: das farbige Hotel Schweizerhof.

Die Fenster des Anstosses: das farbige Hotel Schweizerhof.

(Bild: Elge Kenneweg)

Wer hat recht?

Es ist eine Ermessensfrage: Das Licht kommt von innen, also ist es keine öffentliche Fassadenbeleuchtung. Andererseits: Die Lichter dringen zweifellos stark nach aussen und prägen das Ortsbild. Wer hat nun recht?

Auf Social Media sind die Meinungen gemacht

Was die farbigen Fenster angeht, ist eine Einigung zwischen Stadt Luzern und Hotel Schweizerhof nicht in Sicht. Im «Volk» hingegen, zumindest in Leserbriefen und auf Facebook, sind die Meinungen klar pro farbige Fenster (siehe Facebook-Post weiter unten): «Immer diese Nörgelei bei jeder Veränderung», heisst es etwa, oder: «Die Fenster stören nicht den Plan Lumière, sondern ergänzen ihn.» Jemand anders steigert sich gar zur Behauptung, das sei Kunst. Bei aller Objektivität: Zumindest letzter Punkt ist fragwürdig.

Das Hotel Schweizerhof hat fristgerecht ein nachträgliches Baugesuch eingereicht – «unter Protest», wie Patrick Hauser im Februar sagte. Dieses liegt nun seit Freitag bis Ende März im Luzerner Stadthaus auf. Aber man kann sich den Weg sparen, es steht nichts Neues drin, sondern liefert einzig technische Details zum bereits Bestehenden: Die Leuchten haben 24 Watt Leistung, werden durch 24-Volt-Netzteile gespiesen, es gibt zehn fixe Programme, die über einen Miniserver gesteuert werden etc., etc.

Weit interessanter ist, was nun weiter geschieht. Eine Annäherung ist nicht in Sicht, Hotel und Stadt Luzern bleiben auf ihren Standpunkten haften, wie Nachfragen von zentralplus zeigen.

Schweizerhof: «Wir sind zuversichtlich»

Für Schweizerhof-Mitbesitzer Patrick Hauser hat sich trotz Baugesuch nichts geändert – für ihn heisst es jetzt abwarten: «Wir sind nun sehr gespannt auf die Begründung der Stadt, wir sind aber sehr zuversichtlich.»

Galgenhumor des Hotels Schweizerhof auf Facebook:

Luzern geht es gut, nicht wahr?

Posted by Hotel Schweizerhof Luzern on Samstag, 20. Februar 2016

 

Hauser ist immer noch überzeugt, dass sie nicht gegen den Plan Lumière und das Reglement zur Nutzung des öffentlichen Raums verstossen: «Ich habe das Reglement genau gelesen, und es gibt nichts, das die Beleuchtung verhindert», sagt er. Die farbigen Lichter würden das Gebäude nicht anstrahlen, wie das im Plan Lumière reglementiert ist. «Das Licht kommt vom Innern der Räume, und es kann die Leute auch nicht blenden.» Und zum öffentlichen Grund: Dieser fange bei der Grundstücksgrenze an, sagt Hauser, «unsere Beleuchtung ist 10 bis 15 Meter dahinter installiert».

Trotz seiner Überzeugung: Der Schweizerhof bereitet sich auf alle Möglichkeiten vor – auch, den Entscheid weiterzuziehen. Doch Hauser will nicht vorgreifen – und die Begründung der Stadt abwarten.

Stadt Luzern: «Das Verfahren ist eingeleitet»

Auch die Stadt bleibt bei ihrer Haltung, «dass für die Beleuchtung des Schweizerhofs ein Baubewilligungsverfahren notwendig ist», sagt Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche, auf Anfrage. Das Bewilligungsverfahren ist eingeleitet und die Stadt prüft das nachträgliche Gesuch auf ihre Bewilligungsfähigkeit. Und natürlich können auch Dritte Einsprache erheben.

Aber gibt es im Plan Lumière möglicherweise Interpretationsspielraum, ob Beleuchtung von innen auch unter das Reglement fällt? Braucht es dazu irgendwann einen Gerichtsentscheid? Markus Hofmann dazu: «Die Beleuchtung hat Aussenwirkung auf das Ortsbild und das denkmalgeschützte Gebäude. Deshalb hat die Stadt Luzern das nachträgliche Gesuch verlangt.»

Kommt es zum Gerichtsfall?

Es bleiben zwei Szenarien: Die Stadt Luzern und das Hotel Schweizerhof einigen sich doch noch. Doch das würde bedeuten: Entweder nimmt das Hotel Anpassungen an der Beleuchtung vor – oder die Stadt kommt zur Einsicht, dass die Beleuchtung doch nicht gegen den Plan Lumière verstösst, und bewilligt das Gesuch. Beides eher unwahrscheinlich.

Wahrscheinlicher ist: Die Stadt bewilligt das Gesuch nicht – und das Hotel zieht den Entscheid ans Kantonsgericht weiter. Das Positive wäre: Man hätte einen Präzedenzfall.

Auch unser Architektur-Blogger schrieb schon über die farbigen Fenster: Wer hat’s erfunden?

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