Pop-Up-Store eröffnet in Luzerner Altstadt – nach neun Tagen ist Schluss
  • Wirtschaft
  • Stadt
Ein Lokal in der Hertensteinstrasse 23 (rechts neben dem Restaurant Einhorn), das seinen Preis hat: Die monatliche Gesamtmiete beträgt fast 21’000 Franken. (Bild: ida)

Temporäre Zwischennutzung: Ist das lohnenswert? Pop-Up-Store eröffnet in Luzerner Altstadt – nach neun Tagen ist Schluss

5 min Lesezeit 03.04.2018, 19:03 Uhr

Pop-Up-Stores sind ein aufkommendes Phänomen – auch in Luzern. Im ehemaligen Schuhgeschäft «Pasito» zieht ein Café mit Laden ein – jedoch nur für neun Tage. Die Betreiberin erklärt, wieso sich das trotzdem lohnt.

Pop-Up-Stores schiessen zur Zeit wie Pilze aus dem Boden. Auch in Luzern. In der Mall of Switzerland keimen sie auf und auch die Luga setzt neu auf die Idee: Erstmals können Kleinstunternehmen einen Stand für nur einen Tag mieten (zentralplus berichtete).

Das Phänomen macht vor der Luzerner Altstadt nicht Halt, wie das Beispiel der temporären Zwischennutzung eines Outlets im einstigen C&A-Gebäude zeigt. Auch in der Hertensteinstrasse ist es bald so weit: In den letzten Tagen dürfte einigen Passanten das Plakat, das zur Zeit auf dem Schaufenster an der Hertensteinstrasse 23 – im ehemaligen Schuhgeschäft «Pasito» – klebt, ins Auge gestochen sein: Vom 5. bis 14. April öffnet «Fidea Design» seine Pforten. «Pop-up-Store und Coffee» steht angepriesen.

Ein provisorischer Laden – zeitlich begrenzt für neun Tage. Lohnt sich das überhaupt?

Zahlbare Konditionen

Für die 36-jährige Gründerin und Geschäftsführerin von «Fidea Design» sei es eine Gelegenheit, die sie sich nicht entgehen lassen wollte. Franziska Bründler betreibt mit ihrem Label einen Onlineshop und organisiert die Luzerner Designtage «Design Schenken». Von dort kennt man die Produkte der befreundeten Labels, welche Bründler im Pop-Up-Store verkauft. Von Accessoires, Textilien, Taschen bis hin zu Spielen findet man alles.

«Wir hätten gerne eine Standort-Filiale. Leider ist dies für uns finanziell nicht tragbar.»

Franziska Bründler, Geschäftsführerin bei «Fidea Design»

«Wir hätten gerne eine Standort-Filiale. Leider ist dies für uns finanziell nicht tragbar», so Bründler. Das Lokal an der Hertensteinstrasse steht aktuell noch zur Miete frei. Die monatliche Gesamtmiete für das insgesamt 277 Quadratmeter grosse Lokal beträgt 20’775 Franken – für die meisten ein beachtlicher Betrag. Bründler zahlt für die Zwischennutzung nur einen Bruchteil davon, den genauen Betrag möchte sie nicht preisgeben.

Wirtschaftsexperten begrüssen die Idee von «Pop-Up-Stores»: Sie sehen diese als gute Ergänzung des Luzerner Stadtlebens an – und nicht etwa als Konkurrenz. Daniel Furrer, Vorstandsmitglied beim Verband «Luzerner Unternehmen», erklärt, dass sich dadurch kleinen Firmen, aber auch etablierten Start-Ups die Möglichkeit biete, sich bei kalkuliertem Risiko und zu zahlbaren Konditionen für eine begrenzte Zeit einem Publikum präsentieren zu können.

Pop-Up-Store als Werbeplattform

Derselben Meinung ist auch Franziska Bründler. Ein Pop-Up-Store sei eine «super Chance», um ihr Label vermarkten zu können. Denn das Lokal ist zentral an der Einkaufsstrasse in der Luzerner Altstadt gelegen. Ziel eines Pop-Up-Stores ist es, durch das plötzliche Auftauchen und mittels Mundpropaganda die Bekanntheit zu steigern. Gerade auch für Online-Shops ist die provisorische Nutzung eines Lokals attraktiv, um die Produkte in der realen Welt präsentieren zu können. Das Lokal hat Bründler nun für neun Tage erhalten. Ob sie es länger nutzen kann, da ein möglicher fester Nachmieter abgesprungen ist, ist noch offen. Denn Bründler könne sich für die Idee, den Pop-Up-Store bis zu einem Monat lang offen zu halten, erwärmen.

Dennoch ist sich Bründler nicht sicher, ob sich das am Ende ausbezahlt. Es sei ein Hin und Her gewesen, bis man sich schlussendlich für den Pop-Up-Store entschieden habe. Damit geht ein grosser Aufwand einher – und der Nutzen, beziehungsweise der Erfolg, ist schwer zu prophezeien. «Wir möchten selbst ausprobieren, was wir in so kurzer Zeit verkaufen können.»

«Gerade auch Innenstädte nutzen zunehmend die Idee ‹Pop-Up-Stores›, um Innenstädte mit Leben zu füllen.»

Daniel Furrer, Vorstandsmitglied bei «Luzerner Unternehmen»

Bründler möchte die Aufmerksamkeit auf ihr Label und ihren Online-Shop richten. «Wir ziehen bestimmt auch Leute an, die wir sonst so nicht erreicht hätten», so Bründler. Zudem sei eine kleine Ecke geplant, wo Kunden zu Kaffee und Kuchen zusammenfinden. Dadurch wolle man die Hemmschwelle niedriger setzen – gerade auch, weil Bründler einige teure Designlabels anbietet.

Die 36-jährige Franziska Bründler möchte durch den Pop-Up-Store die Aufmerksamkeit auf ihr Label «Fidea Design» lenken.

Die 36-jährige Franziska Bründler möchte durch den Pop-Up-Store die Aufmerksamkeit auf ihr Label «Fidea Design» lenken.

(Bild: zVg)

Pop-Up-Stores als Ergänzung und Belebung der Stadt…

Auch grössere Firmen könnten durch einen Pop-Up-Store neue Produkte und Angebote testen. «Gerade auch Innenstädte nutzen zunehmend die Idee ‹Pop-Up-Stores›, um leerstehende Geschäftsräumlichkeiten und generell Innenstädte mit Leben zu füllen.» Nach Daniel Furrer, Vorstandsmitglied bei «Luzerner Unternehmen», sei dies auch in der Stadt Luzern denkbar. Denn die Attraktivität einer Stadt hänge zu einem guten Teil von einem breiten Angebot ab, was zu einer Durchmischung und Belebung führe.

Die Altstadt und das Gebiet Quai-/Löwenplatz sei stark auf Bekleidung, Schuhe, Schmuck und Uhren aus – und spreche oftmals ein touristisches Angebot an. «Das Angebot ist vorhersehbar, kleinere und unkonventionelle Geschäftsideen finden sich nicht in diesen Gebieten. Pop-Up-Stores könnten da eine gute Ergänzung bilden», so Furrer.

… jedoch mit ungewissem Nutzen

Für Franziska Bründler – wie auch für viele andere Pop-Up-Stores – liegt der Reiz darin, einen Testlauf machen zu können. Denn man kann in einem Lokal seine Ware anbieten, ohne einen festen und langzeitigen Mietvertrag eingehen zu müssen.

«Wenn wir ein gut gelegenes Lokal finden würden, das finanziell tragbar wäre, könnten wir uns durchaus vorstellen, eine feste Filiale zu betreiben.»

Franziska Bründler

Bründler wäre nicht abgeneigt, neben ihrem Online-Shop auch eine Filiale betreiben zu können – sofern der Pop-Up-Store ein Erfolg wird. «Wenn wir ein gut gelegenes Lokal in der Luzerner Altstadt finden würden, das finanziell tragbar wäre, könnten wir uns durchaus vorstellen, eine feste Filiale zu betreiben.»

War dieser Artikel nützlich für Dich?

Ja

Nein

In diesen Artikel haben wir viel Zeit investiert. Löse ein freiwilliges Abo und hilf uns, Artikel wie diesen auch in Zukunft anzubieten.

CHF

Deine Meinung ist gefragt!

Um kommentieren zu können, musst Du auf zentralplus eingeloggt sein. Bitte logge dich ein oder registriere dich jetzt und profitiere von den Vorteilen für z+ Community Mitglieder.

Deine Meinung ist gefragt!

0 Kommentare

Abonniere den Newsletter

Und erhalte unsere Post ganz nach Deinen Bedürfnissen und Wünschen: Täglich oder wöchentlich.