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Polizisten, zum Schweigen verurteilt
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Polizeikommandant Adrian Achermann (links) und Daniel Bussmann, Chef Kriminalpolizei, müssen sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. (Bild: les )

Luzerner Polizeikader fühlen sich am Pranger Polizisten, zum Schweigen verurteilt

3 min Lesezeit 29.03.2017, 18:37 Uhr

Polizeikommandant Adi Achermann und der Chef der Kriminalpolizei, Daniel Bussmann, sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Heikle Einsätze dürfen sie keine mehr leiten. Nun gewähren sie Einblick in ihre Gefühlswelt. Nichts sagen zu dürfen, sei das Schlimmste.

Die Luzerner Polizei ist gut unterwegs. Dieser Eindruck wurde diesen Mittwoch an der Medienkonferenz zur Kriminal- und Verkehrsstatistik von den Verantwortlichen übermittelt (zentralplus berichtete). Unerwähnt blieb dabei der «Fall Malters». Als Folge des misslungenen Polizeieinsatzes dürfen Polizeikommandant Adi Achermann sowie Kripochef Daniel Bussmann vorerst keine heiklen Einsätze mehr bestreiten (zentralplus berichtete).

Eine psychisch kranke Frau hatte sich bei einer Hanf-Razzia das Leben genommen, obwohl ein Polizeipsychologe ausdrücklich vor einem Eingriff warnte. Achermann und Bussmann müssen sich wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten – es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung.

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Hauptaufgabe: Manager

Am Rande der Pressekonferenz hatte zentralplus die Möglichkeit, mit den Beteiligten über die Situation zu sprechen. Wie funktioniert die Luzerner Polizei im Ernstfall – dann, wenn es die Chefs am meisten braucht?

Achermann und Bussmann antworten nüchtern: «Wir wissen, dass wir uns in diesem Fall raushalten müssen.» Man spürt, diese Situation ist für die beiden unbefriedigend. Doch Achermann erklärt: «Für den Einsatz selber ergeben sich dadurch keine Probleme.» Das sei alles geregelt: «Stellvertreter, Einsatzleiter, Pikettoffizier – die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten in allen Bereichen und Situationen sind klar.»

«Dass man nichts sagen darf, macht die Sache nicht einfacher.»

Daniel Bussmann, Chef Kriminalpolizei

Und trotzdem: In ihrer Funktion als Polizeikommandant und Chef Kriminalpolizei schweben die beiden doch immer als Schatten über den Einsatzkräften. Achermann und Bussmann schauen sich gegenseitig an. Deutet man Mimik und Körpersprache, so möchten die beiden noch so gerne an die Front. Dürfen sie aber nicht. Deshalb sagt Achermann: «Die Hauptaufgabe als Polizeikommandant sind strategischer Natur. Man ist viel im Management tätig.»

Regierungsrat Paul Winiker, Polizeikommandant Adi Achermann und Kripo-Chef Daniel Bussmann an der Medienkonferenz zur Statistik 2016.

Regierungsrat Paul Winiker, Polizeikommandant Adi Achermann und Kripo-Chef Daniel Bussmann an der Medienkonferenz zur Statistik 2016.

(Bild: les)

 

«Mediale Berichterstattung macht es schwierig»

«Wir sind Profis. Auf unsere Arbeit hat die Anklage keinen Einfluss», ergänzt Bussmann. Und als Profis hätten sie auch mit dem rechtlichen Nachspiel klarzukommen, ergänzt Achermann. Immer wieder hatten die beiden ja betont, sich keiner Schuld bewusst zu sein und dass sie im Nachhinein wieder identisch gehandelt hätten. «Wissen Sie, dass man nichts sagen darf, macht die Sache nicht einfacher», so Bussmann mit Blick auf das laufende Verfahren. Die Hoffnung ist da, dass die Richter den «enorm komplexen» Fall nun möglichst zeitnah beurteilen könnten.

Dass die Situation für die beiden persönlich nicht einfach ist, spürt man. «Die mediale Berichterstattung macht es für uns schwierig», sagt Achermann, ohne den Medien einen konkreten Vorwurf der ungerechten Berichterstattung zu machen. Ob Sie sich an den Pranger gestellt fühlten? Die beiden nicken zustimmend. Zu sagen hätten sie wohl viel – das laufende Verfahren verunmöglicht es. Der Maulkorb – definitiv eine grosse Herausforderung für die Luzerner Polizei.

Winiker: «Richter sollen sich beeilen»

Mitzuverantworten hat die Situation Justiz- und Polizeidirektor Paul Winiker (SVP). Er verhängte die Massnahmen, dass Achermann und Bussmann keine heiklen Einsätze mehr leiten dürfen. Diese Massnahme wurde auch von einem unabhängigen Gutachter gestützt. Dabei handelt es sich um den Zuger alt Regierungsrat Hanspeter Uster.

Winikers Fazit: «Trotz der Massnahme funktioniert der Polizeibetrieb reibungslos.» Er sei darüber informiert, welcher Offizier wann die Verantwortung für heikle Einsätze tragen würde. Dass die Stufe der Polizeichefs in diesem Fall einfach übergangen werden muss, sei kein Problem. «Sämtliche Offiziere der Luzerner Polizei sind sehr fähige Leute und können mit der Situation umgehen», so der Regierungsrat.

Dass die Situation aufgrund eines möglicherweise jahrelangen Gerichtsstreits sehr lange dauern könnte, ist er sich bewusst. «Ich hoffe, die Gerichte machen schnell vorwärts.» Zu möglichen Konsequenzen will sich Winiker während des Verfahrens nicht äussern.