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Kommentar zum «Fall Malters» Polizei-Chefs werden zu Edel-Bürolisten

2 min Lesezeit 1 Kommentar 10.01.2017, 19:28 Uhr

Das Führungspersonal der Luzerner Polizei steht mal wieder unter Beschuss. Im Zuge des «Fall Malters» müssen sich die beiden höchsten Polizeikader wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Wie weiter mit der Luzerner Polizei?

Die Luzerner Polizei kommt nicht zur Ruhe: Drei Jahre nach dem Abgang von Beat Hensler steht nun sein Nachfolger in der Schusslinie. Polizeikommandant Adi Achermann und mit ihm Kripo-Chef Daniel Bussmann müssen sich wegen fahrlässiger Tötung im «Fall Malters» vor Gericht verantworten. Nach Definition war für die Polizisten voraussehbar, dass ihr pflichtwidrig-unsorgfältiges Verhalten zu einer Kette von Ereignissen führen könnte, die ihren Abschluss im Tod eines Menschen findet. Mit dem von ihnen befohlenen Eingriff haben sie nach Meinung des Staatsanwaltes den Suizid einer 65-jährigen Frau in Kauf genommen (zentralplus berichtete).

Mit lahmen Chefs angreifbar

Die beiden höchsten Luzerner Polizeikader sind damit arg angeschlagen. Regierungsrat Paul Winiker lässt sie bereits seit April keine «heiklen Einsätze» mehr leiten. Von einer Beurlaubung sieht er jedoch weiterhin ab. Er möchte keine Vorverurteilung vornehmen.

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Das ist lobenswert – aber fragwürdig. Natürlich sind die beiden (noch) nicht schuldig gesprochen. Diese Beurteilung obliegt den zuständigen Richtern. Doch mit lahmen Chefs ist die Polizei angreifbar. Wer entscheidet, wenn’s hart auf hart kommt? Wer ist der starke Mann an der Front? Ein Polizeikorps funktioniert wie eine Feuerwehr oder eine Armee-Einheit nur mit klaren hierarchischen Strukturen. Dazu gehören Führungspersonen, die situativ und frei entscheiden können. Und die vorangehen.

Paul Winiker sagt, die beiden würden andere wichtige Aufgaben übernehmen: «Der Kommandant leitet eine Dienststelle mit über 800 Personen, kümmert sich etwa um die Finanzplanung oder taktische Grundlagen. Und auch der Kripochef leitet eine Abteilung mit rund 200 Leuten. Einsätze an der ‹Front› stehen nicht im Vordergrund.» Nur noch als Edel-Bürolisten aktiv zu sein, wird die beiden allerdings kaum befriedigen.

Polizei braucht starke Führung

Denn: Die Kernaufgabe der Polizei ist die Wahrung unserer Sicherheit. Diese muss kompetent und mit einer starken, glaubwürdigen, respektierten Führung sichergestellt werden. Kann das ein Kommandant, der angeklagt ist, durch sein pflichtwidrig-unsorgfältiges Verhalten den Tod eines Menschen mitverschuldet zu haben?

Adi Achermann hat nach der schwierigen Krise 2013 wieder Ruhe in die Polizei gebracht. Das ist ihm hoch anzurechnen. Eine Beurlaubung wäre umso schmerzhafter. Die klare Struktur wäre jedoch mit diesem Schritt wieder hergestellt – die Polizei handlungsfähiger. Wie hoch ist der Preis, mit einem vorbelasteten Führungsduo allenfalls Jahre bis zu einem Freispruch oder Schuldspruch überbrücken zu müssen? Diese Frage muss sich Justizdirektor Paul Winiker stellen. Er trägt die Verantwortung, Vorverurteilung hin oder her.

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1 Kommentare
  1. Marcel Moser, 12.01.2017, 23:07 Uhr

    Wer wider besseres Wissen mit einem Einsatz und trotz eindeutigen Hinweisen auf eine mögliche Suizidgefahr einen Einsatz der Eingreiftruppe Luchs durchziehen will, der sollte auch nach erfolgtem Fehlschlag den Mumm in den Knochen haben sich für das Geschehene verantwortlich zu zeigen und die notwendigen Konsequenzen auch zu ziehen, und wenn es im Endeffekt die Demission bedeutet. Bis jetzt hat man weder von Herrn Achermann noch von noch von Herrn Bussmann je eine solche Option je gehört. Im Gegenteil sie lähmen mit ihren Entscheidungen und dem Aussitzen das Luzerner Polizeicorps, welches sich mit einer lendenlahmen Führungsetage herumschlagen muss. Für ein Polizeicorps alles andere als ein befriedigender Zustand…