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Politikerportraits erst nach den Wahlen

2 min Lesezeit 02.10.2015, 11:43 Uhr

Knatsch ums TV-Programm. Ein Dokumentarfilm sollte politische Alltagsarbeit von Personen mit Migrationshintergrund zeigen. Weil man aber vor den Wahlen den Politikern keine Plattform bieten wollte, hat das SRF die Ausstrahlung des Filmes auf den 21. Oktober verlegt. Der SP-Kantonsrat aus Zug, Rupan Sivaganesan, und die Luzerner SVP-Nationalrätin Yvette Estermann geben sich enttäuscht.

Bereits zu Reden gab die Verschiebung eines «Reporter»-Films des österreichische Autor und dezidierten EU-Befürworter Robert Menasse. Gemäss eines Artikels des Tagesanzeiger war dies aber kein Einzelfall- Filmemacher und Schriftsteller Yusuf Yesilöz ist gleiches wiederfahren. SRF hat seinen Film «Der Wille zum Mitgestalten» vom anfänglich geplanten 26. August auf den 21. Oktober verlegt. Yesilöz ist 1987 aus der Türkei in die Schweiz geflohen und war Kolumnist der linken Zeitung WOZ. In seinem Film zeigt Yesilöz, wie zwei Politikerinnen und zwei Politiker mit Migrationshintergrund leben, arbeiten und über Identitätsfragen nachdenken.

Zu sehen sind unteranderem die Luzernerin Yvette Estermann von der SVP, sowie der Zuger SP-Mann Rupan Sivaganesan. Yesilöz wurde von SRF am 10. Juni über die Verschiebung seines Films informiert. Der Film könne erst nach den Wahlen gezeigt werden, weil die vier Porträtierten für ein Amt kandidierten und eine Ausstrahlung unfair gegenüber den anderen Kandidierenden sei, so die Erklärung von SRF.

«Etwas gar mutlos»

Die Frage, ob er die Verschiebung nachvollziehen könne, kommentiert Regisseur Yesilöz nicht. Die Protagonisten seines Films sind weniger zurückhaltend. «Etwas gar mutlos» habe SRF reagiert, meint Kantonsrat Rupan Sivaganesan. Wie wolle man glaubwürdig Partizipationswillen veranschaulichen, wenn man dafür keine aktiven Personen mehr zeigen dürfe?

«Die Verschiebung des Films ist unverständlich und peinlich», sagt ein weiterer beteiligter Politiker. Dieser Meinung ist auch SVP-Nationalrätin Yvette Estermann aus Kriens: «Im August war der Wahlkampf doch noch gar nicht im Gang.» Im Übrigen sei ein Politmoratorium von zwei Wochen vor den Wahlen vernünftig, so wie das andere Medien praktizierten – «aber doch nicht zwei Monate».

Relativ beliebige Argumentation

Die Einschätzung der politischen Filme scheint relativ beliebig zu sein: Der Yesilöz-Film wurde als allzu politisch bewertet und wird deshalb nach dem 18. Oktober gezeigt. Die Veröffentlichung, besser: Versenkung des Menasse-Films als Web-Podcast am 13. Oktober dagegen wurde ganz anders begründet – nämlich mit seinem eminent politischen Charakter, der eine «thematische Anbindung an die Wahlen» nötig mache.

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