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Politiker zur Causa Beat Villiger: «Das riecht nach Filz»
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Das Kandidaten-Trio der CVP für die Zuger Regierungsratswahlen am Sonntag: Ist Beat Villiger (rechts) nach den jüngsten Vorfällen noch ein legitimer Kandidat? (Bild: woz)

Ist der Zuger Regierungsrat so noch wählbar? Politiker zur Causa Beat Villiger: «Das riecht nach Filz»

3 min Lesezeit 2 Kommentare 04.10.2018, 08:14 Uhr

Am Sonntag wird in Zug gewählt: Sicherheitsdirektor Beat Villiger, der wegen einer Strafuntersuchung der Luzerner Staatsanwaltschaft unter Beschuss geraten ist, tritt erneut als Regierungsrat an. Ist er noch tragbar? Zuger Politiker sagen, sie würden unter diesen Bedingungen wohl nicht an einer Kandidatur festhalten.

Um es vorwegzunehmen: Viele Zuger Politiker wollen zur Frage der Legitimität einer erneuten Kandidatur von Zugs Sicherheitsdirektor Beat Villiger angesichts der jüngsten Enthüllungen zu einem Strafverfahren gegen den Regierungsrat (zentralplus berichtete) nicht Stellung nehmen. Einige Mutige haben es dennoch getan.

«Unter dem Strich bleibt der Eindruck, dass sich ein Regierungsmitglied und Justizdirektor unter dem Druck der Wahlen fast panisch verheddert hat, statt sofort bei Profis Hilfe zu holen und souverän zu handeln», sagt Zugs SP-Stadtpräsident Dolfi Müller.

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«Nach dem aus meiner Sicht recht harmlosen ersten Akt hätte eine zeitnahe und gekonnte Kommunikation jeden Wind aus den Segeln genommen», so Müller weiter. Jetzt bleibe der Vorwurf bestehen, viele Wähler hätten wohl anders entschieden, wenn sie vor dem Versand der Wahlzettel Transparenz gehabt hätten.

Zuger Stadtpräsident zeigt auch Empathie

«Sollte die CVP trotzdem drei Sitze machen und damit stark überrepräsentiert sein, werden die Verliererparteien nicht nachgeben, zumal noch sehr viele Fragen offen sind», so Müller weiter. Heutzutage würden Kandidaten intensiv geröntgt – was habe die CVP des Kantons Zug in dieser Hinsicht getan? «Gönnen mag ich das alles dem Beat ganz und gar nicht. Ich weiss aus eigener Erfahrung, wie man sich fühlt, wenn das Halali losgeht», so der Zuger Stadtpräsident.

«Wenn Beat Villiger am Sonntag vom Volk gewählt wird, ist er gewählt, und dann muss man weiterschauen.»

Gerhard Pfister, Präsident CVP Schweiz

«Wenn Beat Villiger am Sonntag vom Volk gewählt wird, ist er gewählt, und dann muss man weiterschauen», sagt Gerhard Pfister, Parteichef der CVP Schweiz über seinen Zuger Parteikollegen. Die Frage nach der Legitimität der Kandidatur Villigers stelle sich für ihn zum jetzigen Zeitpunkt nicht. «Das lässt sich derzeit auch deshalb nicht beantworten, weil noch gar nicht alle Informationen bekannt sind.»

Pfister steht in engem Kontakt mit der Zuger CVP, wie er gegenüber zentralplus versichert. «Persönlichen Kontakt mit Beat Villiger hatte ich aber noch nicht.»

Zuger CVP war völlig überrascht und wusste nichts

Hört man sich in Zuger CVP-Kreisen um, ist zu erfahren, dass die Causa Villiger die Partei komplett auf dem falschen Fuss erwischt habe. Alle seien total überrascht gewesen und niemand habe von dem Strafverfahren gegen Villiger gewusst.

«Wenn ich mit diesem Druck konfrontiert wäre, würde ich wahrscheinlich die Kandidatur sein lassen – um mich selbst zu schützen.»

Urs Raschle, Zuger CVP-Stadtrat

«Die Sache ist sehr unglücklich», sagt Urs Raschle, Zuger CVP-Stadtrat. Der Stadtzuger Politiker kandidiert erneut für den Stadtrat und auch fürs Stadtpräsidium. «Wenn ich mit diesem Druck und mit diesen Umständen persönlich konfrontiert wäre, wie es derzeit Regierungsrat Beat Villiger ist, würde ich wahrscheinlich die Kandidatur sein lassen – schon aus gesundheitlichen Gründen und um mich selbst zu schützen.»

Josef Lang: «Regelverletzung» des Zuger Sicherheitsdirektors

Für den Altzuger-Politiker und früheren Zuger Grünen-Nationalrat Josef Lang wird die «Sache mit Beat Villiger immer seltsamer». Er wolle sich ja nicht in die Zuger Wahlen einmischen, da er nicht mehr wahlberechtigt sei. «Aber für mich ist es grundsätzlich eine Regelverletzung, wenn ein Zuger Sicherheitsdirektor zu einer Angelegenheit, die ihn persönlich betrifft, mit Polizisten und nicht mit dem Polizeidirektor eines anderen Kantons Kontakt aufnimmt.»

Ausserdem sei für ihn die Einstellung des Strafverfahrens durch die Luzerner Staatsanwaltschaft nicht einwandfrei: «Das riecht mir nach Filz.»

Zuger Regierungsrat nimmt’s zur Kenntnis

Innerhalb des Zuger Regierungsrats ist die Causa Villiger offensichtlich auf nicht viel Diskussionsbedarf gestossen. Schon gar nicht, was Fragen einer erneuten Kandidatur des Zuger Sicherheitsdirektors anbelangt.

«Der Regierungsrat nimmt zu den Fragen keine Stellung», sagt Frau Landammann Manuela Weichelt von der Alternative – die Grünen. Sicherheitsdirektor Beat Villiger habe den Regierungsrat am Dienstag darüber informiert, «dass er in eine Strafuntersuchung der Luzerner Staatsanwaltschaft involviert war, die eingestellt wurde», so Weichelt.

Beat Villiger selbst hat zentralplus mitgeteilt, dass er sich erst am Wahlsonntagabend zu den Vorfällen erneut äussern werde.

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2 Kommentare
  1. Michel Ebinger, 06.10.2018, 15:23 Uhr

    Wir müssen uns nicht immer entschuldigen
    (Zum perfekten fehlerlosen Politiker)

    Es deucht mir, wir fallen immer mehr auf die rein. Welche dem Irrglauben anhängen, es gäbe fehlerlose Menschen. Kaum machen wir einen Fehler und irgendeiner mit sehr durchsichtigen Intentionen hängt es an die grosse Glocke glauben wir uns entschuldigen zu müssen. Das ist falsch. Jeder macht Fehler und wer keine macht tut nichts ist also nicht zu gebrauchen in sein Amt. Statt mal zu überlegen aus welcher Ecke der Störenfried stammt (im Moment ein ehemaliger WOZ-Journalist) wird einfach jeder Vorwurf breitgeschlagen und jeder glaubt seinen Senf dazu geben zu müssen .Vor allem pensionierte «Experten», welche die Akten nicht kennen tun sich hier besonders hervor

    Hören wir auf an perfekte Menschen zu glauben und hören wir auf uns für jede Lappalie zu entschuldigen

    1. Roli Greter, 06.10.2018, 16:20 Uhr

      Natürlich MUSS man sich nicht für jeden Seich entschuldigen Herr Ebinger, aber man SOLLTE. Egal welcher politischen Färbung man nachmalt, Eier zu haben und Fehler eingestehen ist immer besser als die Sache unter den Teppich zu kehren, vor allem wenn man ein solches Amt bekleidet.

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