Politik
Der zentralplus-Überblick zum Super-Sunday

Zuger Wahlen: Was zu erwarten ist, und was passieren könnte

Wer sitzt künftig im Stadthaus? Und wer in der Kantonsregierung? In Zug wird am Sonntag gewählt. (Bild: Andreas Busslinger)

Wer wird in Zug neu Stadtpräsidentin oder -präsident? Schafft es die Linke wieder in den Stadtrat und zurück in die kantonale Regierung? Und kommt die GLP über den Fraktions-Berg? Am Sonntag wird in Zug gewählt. Wir haben die Übersicht dazu.

Am Sonntag wird in Zug gewählt. Und zwar im grossen Stil. Die Stimmberechtigten entscheiden, wen sie während der kommenden vier Jahre im Regierungs-, Gemeinde-, Stadt- und Grossen Gemeinderat haben möchten. Wir präsentieren die wichtigsten Eckpunkte und Tendenzen für den Super Sunday. Am Wahlsonntag informiert zentralplus ab Mittag live aus dem Medienzentrum über Entwicklungen und die aktuellsten Resultate.

Kampf um Beat Villigers Nachfolge

Bei den Regierungsratswahlen dürfte es spannend werden. CVP-Mann Beat Villiger hat nach vier Legislaturen genug. Um einen Sitz im siebenköpfigen Rat buhlen vier Kandidierende. Neben Adi Hadodo von Aufrecht Zug – ihm werden nur geringe Chancen eingeräumt –, möchten auch drei Frauen in den Rat.

Es kandidieren neben Tabea Estermann (GLP) auch Tabea Zimmermann-Gibson (ALG) und Laura Dittli (Mitte). Zwischen letzteren beiden dürfte das Rennen besonders spannend werden.

Kann die Mitte ihren dritten Sitz mit einer 31-Jährigen verteidigen oder schafft es die Linke, den 2018 verlorenen Sitz wieder zu gewinnen? Tobias Arnold von Interface Politikstudien in Zug schätzt die Lage wie folgt ein: «Ich gehe zunächst einmal davon aus, dass die Bisherigen wiedergewählt werden. Damit geht es in der aktuellen Frage primär um den siebten Sitz.» Und weiter: «Dort sehe ich keine offensichtliche Person, die mit grosser Wahrscheinlichkeit gewinnen wird.» Arnold vermutet, dass keine der Kandidatinnen das absolute Mehr erreichen wird, womit es zu einem zweiten Wahlgang käme.

Gibt es den «Dittli-Effekt» tatsächlich?

Die Kandidatur und spätere Wahl von Laura Dittlis Schwester Valérie in den waadtländischen Regierungsrat sorgte im Frühling für einen grossen Medienrummel um die beiden Oberägererinnen (zentralplus berichtete). Wie schätzt Arnold diesen möglichen «Dittli-Effekt» ein?

«Schädlich war dieser Rummel sicher nicht. Im schlechtesten Fall entsteht für Laura Dittli dadurch kein Mehrwert.» Der Politologe relativiert: «Doch würde ich diese Situation auch nicht überbewerten. Gerade, da im kleinen Kanton Zug, wo sich viele kennen, die einzelnen Personen insbesondere auch mit ihrem Engagement überzeugen müssen.»

Unterschätzte linke Wählerschaft

Zu den Wahlchancen Zimmermanns sagt Arnold: «Es gibt in Zug eine nicht zu unterschätzende linke Wählerschaft.» Allerdings beobachte er in der Zentralschweiz seit einigen Jahren eine Veränderung. «Der Konkordanzgedanke, also die Grundhaltung, dass alle politischen Kräfte in der Regierung vertreten sind, verliert an Bedeutung.» Für die Linken sei ebendiese Konkordanz jeweils ein wichtiges Argument gewesen. «Einige Bürgerliche mögen heute, nach bald vier Jahren bürgerlicher Politik, denken: Das war gar nicht so schlecht, diesen Kurs können wir weiterhin fahren.»

Kantonsratswahlen: Kein Erdrutsch in Sicht

Betreffend der Kantonsratswahlen äussert sich Tobias Arnold wie folgt: «Wenn man die aktuelle Situation auf nationaler Ebene betrachtet, sind es die Themen wie die Energiemangellage, das wirtschaftlich unsichere Umfeld sowie eine mögliche Rezession, welche die Bevölkerung beschäftigen.»

Er sagt weiter: «Die Geschichte hat gezeigt, dass solche Situationen eher den Bürgerlichen respektive den Wirtschaftsliberalen zugutekommen. Also jener Gruppe, die das Wirtschaftswachstum in den Vordergrund stellt.» Die Linken würden sich hingegen mehr für einen stärker agierenden Staat einsetzen und für Ökothemen, welche in solchen Zeiten einen schwereren Stand hätten. «Das könnte ein Indiz dafür sein, dass es keinen grossen Linksrutsch geben wird», so Arnold.

Dass die GLP bei diesen Wahlen die Fraktionsstärke erreichen wird, sieht der Politologe als realistisch. «Zumal die GLP in den letzten Jahren Erfolg hatte. Nicht zuletzt, da auch viele Bürgerliche mittlerweile ökologische Komponente berücksichtigen möchten.»

Bleibt die starke Mitte so stark?

Wie steht’s gemäss Prognosen um die Mitte, die stärkste Partei im Kanton Zug? Arnold sagt: «Man sprach vor vier Jahren von einer schwächelnden CVP, doch ist die Christdemokratie in Zug stark verankert. Es ist davon auszugehen, dass die Mitte hier also weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird», und ergänzt dann, «auch wenn ich nicht von einer Vergrösserung ausgehe.»

Zuger Stadtrat: Zwei Plätze und das Präsidium werden neu besetzt

CSP-Stadträtin Vroni Straub-Müller sowie Stapi Karl Kobelt (FDP) haben genug von ihren Ämtern und treten ab. Vier Kandidierende aus vier Parteien liebäugeln mit den Sitzen.

Realistische Chancen auf eine Wahl hat insbesondere Barbara Gysel (SP), welche die einzige linke Vertreterin in der städtischen Exekutive wäre. Etienne Schumpf möchte den Sitz der Freisinnigen verteidigen. Daneben kandidiert die GLP-Politikerin Joëlle Gautier sowie SVP-Mann Roman Küng.

In einigen Gemeinden wird es aufregend

In den Gemeinden bahnt sich mancherorts eine spannende Entscheidung an. Etwa in Steinhausen, wo zwei noch nicht Gewählte auf direktem Weg ins Präsidium möchten. Den Erhalt der Mitte möchte Andreas Hausheer sichern, Konkurrenz erhält er durch ALG-Mann Andreas Hürlimann, der bereits während einer Legislatur in der Exekutive sass.

Ebenfalls ums Präsidium gebuhlt wird in Neuheim. Der abgesägte König möchte dort seinen Thron zurück. In Cham sind die Chancen hingegen intakt, dass zum ersten Mal ein Vertreter der Grünliberalen in die Exekutive eintritt.

Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.