Politik

130'000 Franken – einen Franken pro Zugerin
Zug will Kaserne der Schweizergarde auch unterstützen

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Die Schweizergarde benötigt eine neue Unterkunft. Die Zuger Regierung möchte finanziell etwas dazu beitragen. (Bild: www.schweizergarde.va)

Die persönliche Leibgarde des Papstes benötigt eine neue Kaserne. Der Kanton Zug möchte es nun anderen Kantonen gleichtun und einen symbolischen Beitrag von einem Franken pro Zuger spenden. Die Meinungen der Parteien sind gespalten.

Leuchtend orange-blaue Anzüge, einen metallenen Helm auf dem Kopf und mit einer Hellebarde in der Hand – so kennt man die persönliche Leibgarde des Papstes. Diese besteht seit mehr als 500 Jahren aus Rekruten der Schweiz. Auch die Unterkunft der rund 110 Gardisten stammt noch aus anderen Zeiten, nämlich dem 19. Jahrhundert.

Inzwischen ist sie stark sanierungsbedürftig. So stark, dass der Vatikan stattdessen einen Neubau bauen will. Das Projekt schlägt insgesamt mit 50 Millionen Franken zu Buche – 45 Millionen Franken für den Neubau und 5 Millionen Franken für die temporäre Unterkunft der Hellebardiers. Die Stiftung zur Renovation der Kaserne hat deshalb per Post nach Spenden gebeten – ein Brief davon ging auch an den Kanton Zug.

Einen Franken pro Zuger für Schweizergarde-Kaserne

In einem Bericht und Antrag zeigt sich die Zuger Regierung dem Anliegen sehr wohlgesonnen. «Als Sinnbild für Zuverlässigkeit, Stabilität und Vertrauen trägt das Korps zum Ansehen der Schweiz auf der ganzen Welt bei. Diese internationale Ausstrahlung kommt auch dem Kanton Zug zugute», schreibt sie im Antrag.

Geplant ist, für jede Zugerin einen Franken zu leisten. Ende 2020 wohnten 128’794 Personen in Zug – weshalb der Kanton Zug den Vatikan mit 130’000 Franken unterstützen will. Den gleichen symbolischen Beitrag haben auch schon andere Kantone wie Aargau oder Luzern zugesagt (zentralplus berichtete).

«Wenn schon diese Symbolpolitik, dann hätte der Regierungsrat wenigstens einen Franken pro katholischer Person vorschlagen sollen.»

Barbara Gysel, Präsidentin der SP Zug

Bisher besteht für die finanzielle Beteiligung des Kantons Zug am Bau der Kaserne der Schweizergarde keine Rechtsgrundlage. Gemäss des Zuger Finanzhaushaltsgesetzes kann jedoch eine geschaffen werden, wenn die Legislative – also der Kantonsrat – dies beschliesst. Ende Januar will die Zuger Regierung deshalb den Beitrag als Bericht und Antrag der Staatswirtschaftskommission vorlegen.

Linke Parteien sind «überzeugt dagegen»

Ähnlich wie im Kanton Luzern (zentralplus berichtete) hagelt es auch in Zug Kritik von den linken Parteien. Die SP stelle sich aus mehreren Gründen überzeugt gegen den Beitrag, erklärt die Zuger SP-Präsidentin Barbara Gysel auf Anfrage. Die vorgeschlagene finanzielle Unterstützung befördere eher die Aufweichung statt Stärkung der grundsätzlichen Trennung von und Staat. Es fehle – wie der Regierungsrat im Antrag selbst schreibt – die rechtliche Grundlage dafür.

Letztlich stellt sich für Gysel auch die Frage, ob der Vatikan überhaupt auf den finanziellen Beitrag angewiesen ist: «Die Kirchen werden gegenüber anderen Institutionen durch die Kirchensteuer bereits besonders behandelt, uns fehlen die Abgrenzungskriterien zu anderen potenziellen Bauprojekten von Organisationen und Institutionen. Uns fehlt der Nachweis, dass die Kirche die Mittel nicht selber aufbringen könne.»

«Die Schweizergarde ist durchaus etwas, das man unterstützen darf.»

Thomas Werner, Präsident der SVP Zug

Die SP stelle selbst regelmässig Anträge für Unterstützung auch im Ausland. Aber diese orientiere sich jeweils an Notlagen und Situationen, denen die finanziellen Mittel fehlen. Oder wo es einen direkten Bezug zu Zug gäbe. Auch das Argument um den symbolischen Beitrag lässt Gysel nicht gelten: «Wenn schon diese Symbolpolitik, dann hätte der Regierungsrat wenigstens einen Franken pro katholischer Person vorschlagen sollen.»

Ins gleiche Horn bläst auch die Zuger GLP-Präsidentin Tabea Estermann, die selbst nicht im Kantonsrat vertreten ist. «Ja, der Kanton könnte es sich leisten. Und ja, es ist ein relativ kleiner Beitrag. Aber grundsätzlich sind wir für die Trennung von Staat und Kirche.» Damit würde man die Kirche gegenüber anderen Institutionen oder Vereinen bevorzugen. Und letztlich auch die katholische Konfession: «Es stellt sich die Frage, ob wir als Kanton nur für eine Konfession Steuergelder bereitstellen sollen.»

Bürgerliche Parteien finden Beitrag gute Sache

Ein anderer Wind weht hingegen vonseiten der bürgerlichen Parteien. Thomas Werner, der Präsident der SVP Zug, sieht nicht ein, wieso man sich gegen den Zuger Beitrag stellen sollte. «Die Schweizergarde ist durchaus etwas, das man unterstützen darf.»

Mitglieder der Zuger SVP-Fraktion waren vor rund zwei Jahren Teil der Zuger Delegation, die den Vatikan besucht hat. Da konnten sie selbst einen Augenschein der Situation vor Ort nehmen, so Werner. «Es lohnt sich, dass unsere Gardisten eine rechte Unterkunft haben.»

Auch die Mitte-Präsidentin Laura Dittli spricht sich für den Zustupf an die Schweizergarde aus. «Ich bin grundsätzlich dafür. Im Verhältnis zum Gesamtbudget wäre der Zuger Beitrag relativ gering.» Zudem würden andere Kantone und der Bund ebenfalls einen Beitrag leisten. Mit der positiven Aussenwirkung der Garde liessen sich die 130’000 Franken für sie rechtfertigen. «Letztlich geht es um das Wohlbefinden der Garde. Und das sind Menschen mit Familien, die komfortabel leben wollen.»

Die ALG und die FDP waren bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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Verwendete Quellen
  • Bericht und Antrag des Zuger Regierungsrats zum Beitrag an die Kaserne der Schweizergarde
  • Telefonat Barbara Gyser, Präsidentin SP Zug
  • Telefonat Laura Dittli, Präsidentin Mitte Zug
  • Finanzhaushaltsgesetz Kanton Zug
  • Telefonat Tabea Estermann, Präsidentin GLP Zug
  • Telefonat Thomas Werner, Präsident SVP Zug
  • Medienberichte zentralplus
Weitere Quellen
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5 Kommentare
  1. Armando, 18.01.2022, 12:57 Uhr

    Voll daneben! Es kann und darf nicht sein, dass die Schweizergarde das Papstes mit öffentlichen Geldern der Steuerzahler finanziert wird. Das können die Katholiken machen, aber nicht der laizistische Staat. Sonst können wir auch den Bau von Moscheen aus öffentlichen Geldern finanzieren, aber das lässt die Trennung von Kirche und Staat nicht zu. Zudem ein Schlag ins Gesicht aller Nicht-Katholiken.

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    1. Andreas Bründler, 19.01.2022, 21:50 Uhr

      Ueberlegen Sie bitte einmal, von woher wir kommen. Wie wurde die Schweiz aufgebaut. Ueber Jahrhunderte. Im tiefen Glauben an den Herrgott. Dieser Glaube hat meinem Urgrossvater, Grossvater, und Vater die Kraft gegeben, jede Woche, jahrein jahraus, 60 und mehr Stunden pro Woche zu arbeiten und so am Aufbau der Schweiz wie wir sie heute haben mitzuwirken. Deshalb haben wir eine hervorragende Infrastruktur. Deshalb haben wir ein gutes Bildungssystem. Das alles musste zuerst erarbeitet werden. Wir sind stolz auf die Schweizer Garde. Sie ist auch eine gute Botschafterin für die Schweiz in aller Welt. Fast jede und jeder der 1.34 Milliarden Katholiken auf dieser Welt weiss, dass der Papst von Schweizern persönlich beschützt wird. Der Beitrag des Kantons Zugs ist ein symbolischer Beitrag an den Fortbestand dieser wichtigen Tradition. Eine Welt ohne Traditionen ist nicht eine Welt in der ich und meine Familienmitglieder leben wollen!

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      1. Remo, 19.01.2022, 23:26 Uhr

        Religionen braucht man um das Volk ruhig zu halten. Man musste «gottesfürchtig» sein. Ein passender Ausdruck. Das funktioniert heute noch in manchen Staaten. In der Schweiz sind diese Zeiten zum Glück (oder Gott sei Dank ;-)) vorbei. Kirche und Staat gehört konsequent getrennt. Die Kirchen sollen ihre Steuern gefälligst selber eintreiben. Und gerade der Vatikan hat mehr als genug Geld um das alles selber zu berappen.

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      2. Alois Iten, 19.01.2022, 23:55 Uhr

        Ich bin nicht gottesfürchtig und will mit meinen Staatssteuern auch nicht den Vatikan finanzieren müssen. Dafür gibt es Kirchensteuern. Und wenn das nicht reicht die Kollekte. Ich meinte viel mehr, wir hätten mal die Trennung von Kirche und Staat beschlossen.

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  2. Remo, 18.01.2022, 08:37 Uhr

    Diesen Fasnachtsverein könnte man endlich abschaffen. Und den Vatikan auch grad. Spätestens seit der Ermordung von Alois Estermann sollte auch dem letzten Vatikanfan klar sein, dass dort einiges stinkt.

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