Raten-Wirt muss neuen Veranstaltungsort suchen

Zuger Alterszentrum lädt umstrittene 5G-Gegner aus

Der Verein «5Gfrei» wehrt sich bis vor Bundesgericht gegen das Erstellen von 5G-Mobilantennen (Bild: fotalia / Oliver Boehmer)

Das Zuger Alterszentrum Neustadt lädt den Verein «5Gfrei» wieder aus. Der Verein, dem eine Nähe zu Verschwörungstheorien nachgesagt wird, plante im Alterszentrum eine Infoveranstaltung gegen eine Mobilfunkantenne beim Metalli. Organisiert wurde der Anlass von «Raten»-Wirt Iwan Iten.

Der Verein «5Gfrei» mit Sitz im zugerischen Morgarten ist federführend, wenn es darum geht, den Widerstand gegen das Aufstellen von 5G-Antennen zu organisieren. Bereits 37-mal hat der Verein seit 2020 Einsprachen im Kanton erhoben. Meist handelt es sich um Sammeleinsprachen mit jeweils Dutzenden von Unterschriften betroffener Anwohnerinnen und Anwohner.

Zur Wehr setzen sich auch mehrere Anwohner beim Metalli Zug, wo eine solche Mobilfunkantenne aufgestellt werden soll. Entsprechend flatterte ein Flyer in die Haushalte rund um das Metalli-Zentrum in Zug: Dieser kündigte für den Donnerstag, 16. März, eine «Bürgerversammlung zum Mobilfunk 5G am Metalli – jetzt handeln» an. Duchführungsort: Das in unmittelbarer Nachbarschaft zum Metalli gelegene Alterszentrum Neustadt an der Bundesstrasse 4.

Alterszentrum lädt die erwarteten rund 60 Gäste wieder aus

Doch ist der Anlass abgesagt. Zumindest an diesem Standort. Auf telefonische Anfrage hin teilt das Alterszentrum mit, man habe die Veranstalter wieder ausgeladen, es hätten sich Komplikationen ergeben. So sehr es ein Bürgerrecht ist, sich gegen Mobilfunktannen mit dem 5G-Standard zur Wehr zu setzen, haftet dem Verein «5Gfrei» ein verschwörungstheoretischer Ruch an.

So hat Andreas Gross, Diplom-Ingenieur und Präsident des Vereins mit Sitz im zugerischen Morgarten, vor gut zwei Jahren zu Zeiten der Coronapandemie mutmasslich illegale Maskenatteste für 50 Franken verkauft. Dies ohne ärztliche Ausbildung und Berufszulassung.

Strafverfahren gegen «5Gfrei»-Präsident wegen Maskenattesten

Laut Zuger Zeitung vom 26. Januar 2023 hat die Staatsanwaltschaft Zug deshalb ein Strafverfahren eröffnet. Wegen Verdacht auf «Übertretung des Gesundheitsgesetzes, Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen, Verdacht auf Widerhandlungen gegen das Gesetz auf unlauteren Wettbewerb und auf Betrug.»

Wie die «Zuger Zeitung» zudem berichtete, soll der Oberägerer auf «der heute nicht mehr abrufbaren Website www.maskenattest.ch wilde Verschwörungstheorien rund um das Coronavirus» verbreitet haben. Unter anderem soll er ein Interview mit dem britischen Verschwörungstheoretiker David Icke geteilt haben, der Zusammenhänge zwischen Covid 19 und der 5G-Mobilfunkstrahlung herstellt.

«Raten»-Wirt Iwan Iten ist ein bekennender Corona-Skeptiker

Von der Tatsache abgesehen, dass Andreas Gross der Ruch des Verschwörungstheoretikers anhaftet, tritt er nicht als Organisator des abgesagten Infoanlasses im Alterszentrum Neustadt Zug auf. Hinter dieser steht der Wirt des Restaurants Raten in Oberägeri, Iwan Iten.

Doch ist auch der ist eine umstrittene Figur. Der erklärte Corona-Skeptiker hatte wiederholt Corona-Massnahmen missachtet, weswegen die Zuger Behörden sein Restaurant geschlossen haben. Darüber hinaus ist er an einem Corona-Protestmarsch aufgetreten und hat in seinem Restaurant kritisches Material zu den Corona-Massnahmen aufgelegt. (zentralplus berichtete).

Der eingeladene Referent Christian Sedlmair ist überrascht

Für zentralplus waren telefonisch weder «5G-frei»-Präsident Andreas Gross noch Veranstaltungsorganisator Iwan Iten zu erreichen. Einzig der eingeladene Referent Christian Sedlmair, ein IT-Unternehmer aus Hasle im Entlebuch, war greifbar. Allerdings nur unter Festanschluss. Der Mobilfunkkritiker hat zwar ein Handy, lässt dieses aber gemäss eigener Aussage meist ausgeschaltet.

Sedlmair äussert sich verschiedentlich kritisch zu den Strahlungen von 5G-Mobilfunkantennen, die er für gesundheitsschädlich hält. Engagiert ist er auch mit der Website «nachhaltig-vernetzt.ch», wo die Argumente der 5G-Mobilfunkkritiker nachzulesen sind. Dass der Anlass nun offenbar nicht im Alterszentrum Neustadt in Zug stattfinden kann, überrascht ihn. Doch hat er keine Zweifel, dass er trotzdem, aber einfach anderswo durchgeführt wird. «Die betroffenen Anwohner wollen notfalls bis vor Bundesgericht gehen, um die dort vorgesehe 5G-Antenne zu verhindern», bekräftigt Sedlmair.

Geisteranlass im Altersheim in der Zuger Neustadt

Derzeit seien zahlreiche Klagen in dieser Angelegenheit beim Bundesgericht hängig, meint er. Noch immer stehe ein Urteil aus, das Rechtssicherheit biete.

«Werden Sie auch an der Veranstaltung teilnehmen?», fragt er am Telefon und sendet Unterlagen per E-Mail. Das sei verdankt. Doch für die Anwohner des Metalliquartiers ist das ein schwacher Trost: Der Flyer mit nicht korrekten Orts- und eventuell auch Zeitangaben ist trotzdem bei ihnen deponiert – und ist vorderhand nicht durch einen weiteren Flyer korrigiert.

Für die, die am 16. März im Alterszentrum Neustadt aufmarschieren, ist und bleibt der Infoanlass eine Geisterveranstaltung.

Verwendete Quellen
  • Artikel «Zuger Zeitung» vom 26.01. 2022
  • Medienarchiv zentralplus
  • Telefonat mit Alterszentrum Neustadt in Zug
  • Telefonat mit Christan Sedlmair
  • Vergeblicher Versuch, Andreas Gross telefonisch zu erreichen
  • Vergeblicher Versuch, Wirt Iwan Iten unter der Nummer des Restaurants Raten zu erreichen.

1 Kommentar
Apple Store IconGoogle Play Store Icon