Politik
Stadt wird demnächst informiert

Y-Lösung am Pilatusplatz Luzern: Jetzt wird es spannend

Beim Pilatusplatz soll es endlich vorwärts gehen. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Für die Stadtplanung Luzerns steht ein wegweisender Entscheid an: Wie soll der Verkehr rund um den Pilatusplatz künftig fliessen? Der Kanton scheint einen Entscheid zur viel diskutierten Y-Lösung getroffen zu haben. Um was geht es da schon wieder? zentralplus hat die Infos für deinen 8-Punkte-Pilatusplatz-Refresher.

Der Pilatusplatz gehört zu den dicksten Verkehrsknoten der Stadt. Extrem viel los, extrem wenig Aufenthaltsqualität. Das Gesicht des Pilatusplatzes und vor allem der Strassen rund um den Pilatusplatz könnte sich in den nächsten Jahren jedoch drastisch verändern.

Grund dafür ist die Y-Lösung am Pilatusplatz, welche eine völlig neue Strassenlinienführung vorsieht. Der Kanton hat offenbar entschieden, was er davon hält. Hier erfährst du alles, was du dazu wissen musst.

1. Sanierungsbedürftige Leitungen und Strasse

Rund um den Pilatusplatz gab und gibt es viel zu tun. Schon vor Jahren stand fest, dass die Leitung, der Kanal und die städtische Kanalisation unter der Obergrundstrasse saniert oder gar erneuert werden müssen. Auch der Deckbelag der Strasse ist in die Jahre gekommen. Alle diese Arbeiten könnten in einem Streich erledigt werden.

Zudem hatte das städtische Tiefbauamt den Auftrag zu prüfen, wie die Aufenthaltsqualität am Pilatusplatz erhöht werden kann. Und gleichzeitig die Verkehrsströme für ÖV, Velo, Fussgänger und den motorisierten Individualverkehr optimiert und sicherer gemacht werden könnten. Im Sommer 2018 wurde ein Vorprojekt ausgearbeitet.

2. Begleitgruppe wollte «Mehrwert»

Dieses Vorprojekt wurde einer Begleitgruppe präsentiert. Diese bestand aus Vertreterinnen von Anstössern, Liegenschaftsbesitzern, Quartiervereinen und Wirtschafts- und Verkehrsverbänden. Mehrere Teilnehmende der Begleitgruppe – darunter alle drei Quartiervereine – kritisierten, dass das Vorprojekt zu wenig Mehrwert gegenüber der heutigen Situation aufweise.

Doch da war etwas, dass den Teilnehmern ins Auge sprang. Während der Bauzeit war, provisorisch, eine alternative Verkehrsführung vorgesehen. Eine, die insbesondere die Obergrundstrasse entlang der Stadtverwaltung massiv vom Verkehr entlasten würde.

3. Die Y-Lösung kommt ins Spiel

Diese alternative Führung sieht vor, dass der Verkehr stadtauswärts vom Pilatusplatz her Richtung Kasernenplatz nicht mehr über die Obergrundstrasse entlang der Stadtverwaltung führt. Stattdessen würde der Grossteil des Verkehrs über den Hallwilerweg, wo heute die Fahrzeuge stadteinwärts fahren, geführt. Aufgrund der Form erhielt diese Alternative den Namen «Y-Lösung».

So funktioniert die Y-Lösung:

So würde die neue Verkehrsführung aussehen: Der Verkehr würde nicht mehr über die Obergrundstrasse (gelb markiert), sondern über den Hallwilerweg (grüne Pfeile) führen. (Bild: zvg) (Bild: )

Der Stadtrat teilte die Einschätzung aus der Begleitgruppe, dass diese Variante Potenzial zur Aufwertung des Gebietes rund um den Pilatusplatz hat. Abklärungen des Tiefbauamtes kamen zum Schluss, dass diese Variante technisch machbar ist. In der Folge wurde ein entsprechendes Vorprojekt ausgearbeitet.

4. Nur Bus und Velos dürfen durch

Die Obergrundstrasse entlang der Stadtverwaltung würde zwar vom Verkehr massiv entlastet, eine Flaniermeile wäre sie aber nicht. Die Busse des ÖVs dürften die Strasse nach wie vor nutzen. Diesbezüglich wäre der Strassenabschnitt vergleichbar mit dem Limmatquai in Zürich, der grundsätzlich nur von Trams und Velos genutzt werden kann.

Die Haltestelle Pilatusplatz gehört zu jenen mit dem dichtesten Fahrplan. Rund 50 Busse halten dort pro Stunde. Dennoch wäre es eine massive Entlastung gegenüber den heutigen rund 1300 Fahrzeugen pro Stunde, wie Mobilitätsdirektor Adrian Borgula 2020 gegenüber zentralplus erklärte.

5. Konsequenzen und Widerstand

Die Y-Lösung am Pilatusplatz kann aber nicht ohne einschneidende Massnahmen umgesetzt werden. Das betrifft insbesondere die Parkplätze rund um das Inselgebäude (wo sich unter anderem das Passbüro befindet). Von den 46 Parkplätzen würden die meisten abgebaut werden. Noch rund 10 würden erhalten bleiben.

Dagegen regte sich schnell Widerstand. Eine IG Pilatusplatz formierte sich und brachte einen Vorschlag zum Erhalt der Parkplätze. Dieser sieht vor, bei den bestehenden Parkplätzen beim Inselbau eine Fahrgasse zu realisieren. Mittels einer neuen Trenninsel soll sie gegenüber den anderen Fahrspuren abgegrenzt werden – identisch der Parkplatzsituation auf Seite Hallwilerweg. Die Stadt lehnte den Vorschlag jedoch ab (zentralplus berichtete).

In der Folge wollten die damalige CVP, FDP, SVP und GLP diese unterirdisch kompensieren. Unter der Obergrundstrasse sollte demnach ein Parkhaus entstehen, das auch gleich das bestehende Parkhaus Kesselturm ersetzen könnte. Im Parlament fand der Vorschlag Ende 2020 aber keine Mehrheit (zentralplus berichtete).

6. Stadt entscheidet sich für Y-Lösung

Für die Stadt Luzern ist klar, dass die Y-Lösung am Pilatusplatz das grösste Potenzial birgt. Diese schaffe Klarheit, sorgt für mehr Sicherheit und ist ausgewogen, lautet die Beurteilung der Stadt.

«Der Langsamverkehr und die umliegenden Nutzungen erhalten mehr Platz. Der Raum erfährt trotz des weiterhin stattfindenden, moderaten und gewollten Verkehrs eine deutliche Attraktivierung», lautet das Fazit. Innerstädtisch stelle dies eine seltene Chance dar, heisst es auf der Projektwebseite der Stadt.

7. Kanton prüft Varianten

Für die Stadt ist die Sache zwar klar. Da es sich bei den betroffenen Strassen jedoch um Kantonsstrassen handelt, hat der Kanton Luzern letztlich das Sagen in dieser Angelegenheit. Der Luzerner Stadtrat hat dem Kanton anfangs 2021 deshalb die zwei ausgearbeiteten Vorprojekte unterbreitet. Die ursprüngliche und jene mit der Y-Lösung am Pilatusplatz.

Seither wartet die Stadt auf die Rückmeldung des Kantons. Diese wurde noch für 2021 erwartet, hat sich nun aber offensichtlich verzögert. Jetzt scheint es jedoch soweit. Die Stadt wird nächste Woche informiert, erklärt Stefan Huonder vom städtischen Tiefbauamt auf Anfrage von zentralplus.

8. So geht es weiter

Die eingangs angesprochenen Sanierungen und Erneuerungen der Werkleitungen und des Kanals wurden vorgezogen und sind bereits abgeschlossen. Nun aber wird sich zeigen, ob und wie die Y-Lösung am Pilatusplatz umgesetzt werden könnte.

Falls der Kanton grünes Licht gibt, wird ein konkretes Bauprojekt ausgearbeitet. Darin müssten dann auch die Baukosten ausgewiesen werden. Der Baustart könnte aus heutiger Sicht zwischen 2024 und 2026 erfolgen. Die Diskussionen rund die Gestaltung des Pilatusplatzes dürften also in naher Zukunft wieder einiges an Fahrt aufnehmen.

Verwendete Quellen
  • Projektwebseite der Stadt Luzern
  • Machbarkeitsstudie zur Y-Lösung (September 2018)
  • Bisherige Berichterstattung von zentralplus
  • Telefongespräch mit Stefan Huonder vom städtischen Tiefbauamt
Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.