Politik
Ränggloch-Ausbau kostet 53 Millionen Franken

Wenn sogar die Grünen für eine neue Strasse sind

So soll die Strasse durch das Ränggloch zukünftig aussehen. (Visualisierung: Swiss Interactive AG) (Bild: )

Schmal und gefährlich: So zeigt sich die Rengglochstrasse zwischen Littau und Kriens heute. Der Kanton Luzern will die Strecke für 53 Millionen Franken ausbauen und sichern. Vor dem Urnengang am 26. September sorgt eigentlich nur eine Frage für Bedenken.

Im Kanton Luzern wird am 26. September über eine Vorlage abgestimmt: den Ausbau der Kantonsstrasse durch das Ränggloch. Was man vor dem Urnengang wissen muss, gibt’s bei zentralplus im Schnelldurchlauf zu lesen.

Worum geht es?

Zwischen Littau sowie Malters und Kriens führt seit den 1950er-Jahren die Kantonsstrasse K4 durchs Ränggloch. Wer öfters dort unterwegs ist, dem ist sicher schon aufgefallen: Die stark befahrene Strasse ist schmal, in einem schlechten Zustand und teilweise Steinschlag ausgesetzt. Bei starkem Regen kommt es immer wieder zu Murgängen. Und die Verzweigung Horüti mit ihrer speziellen Form gehört zu den Unfallhotspots des Kantons. Das soll sich ändern.

Was ist geplant?

Der Kanton will die Strasse sanieren, verbreitern und vor Naturgefahren sichern. Dazu ist eine neue Brücke dem Steilhang entlang vorgesehen. Zudem wird ein neuer Velo- und Fussgängerweg erstellt. Die Verzweigung Horüti kommt künftig als Kreisel daher. Weiter sind ökologische Massnahmen Teil des Projekts.

Die ausgebaute Strasse ist laut der Luzerner Regierung auch eine Voraussetzung für die geplante neue Buslinie zwischen Malters, Littau und Kriens.

«Die Kantonsstrasse hat eine wichtige Verbindungsfunktion zwischen der Stadt Luzern, der Agglomeration und der westlichen Luzerner Landschaft», sagte Baudirektor Fabian Peter (FDP) kürzlich an einer Medienorientierung. «Mit dem Kantonsstrassenprojekt kann die Verkehrssicherheit, insbesondere für den Langsamverkehr, verbessert werden.» Mit der neuen Brücke werde die Strasse nachhaltig vor Naturgefahren geschützt.

Geprüft wurde zunächst auch eine Variante mit Tunnel durch den Sonnenberg. Aufgrund der hohen Kosten wurde diese Option aber verworfen. Zumal ein Tunnel nicht für Velos und Fussgänger zugänglich wäre – und es für sie eine separate Lösung gebraucht hätte.

Wann geht es los?

Bei einem Ja am 26. September starten im Jahr 2022 die Vorarbeiten. 2023 geht es dann mit den Hauptarbeiten los. Eröffnet werden soll die neue Strasse voraussichtlich im Herbst 2024.

Wie sieht es während der Bauphase aus?

Für die Bauarbeiten, insbesondere jene der neuen Brücke, muss die Rengglochstrasse während anderthalb Jahren gesperrt werden. Offen bleibt lediglich die Verbindung zwischen Malters und Littau, allerdings mit einer Ampel und einspurigem Betrieb.

Das bedeutet: Während der Bauphase werden mehr Autofahrer in der Stadt Luzern unterwegs sein (zentralplus berichtete). Um zusätzliche Staus zu verhindern, will der Kanton dafür sorgen, dass der Durchgangsverkehr möglichst über die Autobahn abgewickelt wird. Er setzt zudem eine Begleitgruppe mit Vertreterinnen der betroffenen Gemeinden und dem Gewerbe ein.

Damit die Busse möglichst gut vorankommen, sind verschiedene Massnahmen geplant:

  • Provisorische Busspur auf der Luzernerstrasse in Littau im Abschnitt Grenzhof bis Rönnimoos
  • Provisorische Busspur auf der Ritterstrasse in Littau im Gebiet Ruopigermoos
  • Ampel auf der Busspur der Rothenstrasse in Reussbühl
  • Falls nötig: zusätzliche Dosierungen beim Verkehr, der von Malters-Wolhusen her in Richtung Stadt unterwegs ist (Thorenbergstrasse und Renggstrasse)

Was kostet das Projekt?

Das Strassenprojekt kostet 53 Millionen Franken. Der Bund beteiligt sich über das Agglomerationsprogramm mit rund 2 Millionen Franken an den Ausgaben.

Wer ist dafür, wer dagegen?

Im Kantonsrat gab es kaum Widerspruch, das Projekt wurde mit 109 zu 2 Stimmen gutgeheissen. Und auch im Vorfeld der Abstimmung haben alle grossen Luzerner Parteien die Ja-Parole gefasst.

Sogar die Grünen und die SP, die vor dem Hintergrund der Klimakrise einem Ausbau von Strasseninfrastruktur oft kritisch gegenüberstehen, begrüssen das Projekt, wenn auch teilweise mit wenig Enthusiasmus. Die Grünen etwa sagen vor allem Ja, weil die Sicherheit für Velofahrerinnen und der Schutz vor Umweltgefahren verbessert wird. Auch der VCS unterstützt das Projekt, wenn auch mit gewissen Vorbehalten.

Gibt es also gar keine Kritik?

Doch, kritische Stimmen sind vom VCS und aus Kriens zu hören: Sie sind besorgt, dass der Verkehr durch die Stadt Kriens noch zunehmen könnte, wenn die Rängglochstrasse fertig gebaut ist. «Durch die Verbreiterung der Strasse gewinnt diese Route für Autos und Lastwagen an Attraktivität als Verbindung vom Entlebuch via Kriens auf die Autobahn», warnt der VCS. Noch mehr Verkehr sei für das Krienser Stadtzentrum aber unzumutbar.

Der Luzerner Regierungsrat räumt ein, dass die Strecke als Hauptverkehrsachse stark befahren ist – und die wachsende Bevölkerung und die steigende Zahl an Arbeitsplätzen und Freizeitangeboten auch die Verkehrsmenge beeinflusst. Er hält aber fest, dass das restliche Verkehrsnetz nicht ausgebaut wird und gerade dies die Kapazität bereits heute limitiere. Ebenso gibt es laut Regierung keine Hinweise, dass sich der Anteil der Lastwagen von heute 5 bis 6 Prozent am Gesamtverkehr wesentlich verändern werde.

Deine Ideefür das Community-Voting

Die Redaktion sichtet die Ideen regelmässig und erstellt daraus monatliche Votings. Mehr zu unseren Regeln, wenn du dich an unseren Redaktionstisch setzt.

Deine Meinung ist gefragt
Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Bitte beachte unsere Netiquette.
Apple Store IconGoogle Play Store Icon