Aktion für die Psyche in Luzern

Wenn alle – wirklich alle – Jungparteien zusammenspannen

Sämtliche Luzerner Jungparteien von links bis rechts standen am Dienstag für eine gemeinsame Sache ein. (Bild: zvg)

Sämtliche Luzerner Jungparteien und die Pro Juventute haben sich zusammengeschlossen. Am Dienstag haben sie gemeinsam vor dem Luzerner Regierungsgebäude auf die erhöhte psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen aufmerksam gemacht. Aktuelle Zahlen von Pro Juventute lassen aufhorchen.

Ein Telefon, auf dem ununterbrochen Anrufe eingehen, ohne dass jemand antworten kann: Mit einem überdimensionalen Beratungstelefon als Attrappe machten Pro Juventute und sämtliche Luzerner Jungparteien im Rahmen einer gemeinsamen Aktion am Dienstagmorgen vor dem Luzerner Regierung auf Jugendliche in der Multikrise aufmerksam.

Denn der Beratungsaufwand der Beratungstelefonnummer 147 von Pro Juventute ist stark angestiegen. Seit Beginn der Covid-Pandemie hat der Beratungsaufwand um 40 Prozent zugenommen. Die Anzahl Beratungen zu Suizidgedanken haben sich auf sieben bis acht pro Tag verdoppelt. Besonders alarmierend: Ganze 161 Mal musste das Beratungsteam im letzten Jahr Sanität oder Polizei aufbieten, weil sich ein junger Mensch etwas antun wollte. Das ist mehr denn je zuvor, wie die Pro Juventute in einer Mitteilung schreibt. Im Jahr 2019 waren es noch insgesamt 57 solcher Kriseninterventionen.

Alle Luzerner Jungparteien waren gemeinsam mit Pro Juventute vor dem Luzerner Regierungsgebäude präsent, um die Aufmerksamkeit für die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen zu erhöhen. Dass alle Jungparteien zusammenspannen und sich einig über eine Sache sind, hat Seltenheit.

Mehr Notfälle, längere Wartezeiten

Die Vertreterinnen der Luzerner Jungparteien unterstrichen, dass die erhöhte psychische Belastung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen politische Antworten des Kantons Luzerns brauche.

Pro Juventute und weitere Beratungsstellen seien stark gefordert, ihre Mittel seien jedoch begrenzt. Das führt zu erhöhten Wartezeiten und starker Auslastung der Angebote. Die Stiftung fordert nun mehr Unterstützung der öffentlichen Hand, insbesondere der Kantone.

Die Aktion steht in Zusammenhang mit der Märzsession des Luzerner Kantonsrates. An dieser ist ein Postulat 811 von SP-Kantonsrätin Pia Engler traktandiert. Dieses fordert erstens die Prüfung einer breitenwirksamen Kampagne, um niederschwellige Erstberatungs- und Beratungsangebote für Kinder und Jugendliche im Kanton Luzern bekannter zu machen, und zweitens zusätzliche finanzielle Ressourcen für nicht-therapeutische Beratungsangebote.

Mit der damit einhergehenden Stärkung von Anlauf- und Beratungsstellen könnte der Kanton Luzern ein starkes Unterstützungszeichen an die von der Multikrise betroffenen Kinder und Jugendlichen senden, ist die Pro Juventute überzeugt.

Verwendete Quellen
  • Medienmitteilung von der Pro Juventute
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