Ein Stern sorgt in Luzern für Irritation

Was ist da los? Plötzlich benützt die SVP den Genderstern

Enthalten auch Überraschungen: die Wahlunterlagen der Luzerner Parteien. (Bild: mik)

Die SVP kämpft seit geraumer Zeit gegen den Genderstern. Nun verwendet ausgerechnet ein eigener Kantonsratskandidat aus Horw das umstrittene Zeichen.

Dieser Tage flattern die Wahlkampfunterlagen der Parteien in die Luzerner Briefkästen. Darin zeigen sich von den Grünen bis zu den SVPlern alle von ihrer besten Seite. Am 2. April will man schliesslich in den Kantonsrat gewählt werden. Knackige Mottos – oder zumindest der Versuch – gehören ebenfalls dazu.

Von der Masse der grinsenden Gesichter und eher austauschbaren Werbesprüchen hebt sich Maximilian Holzer erst auf den zweiten Blick ab. Der SVP-Kantonsratskandidat aus Horw will eine «innovative und dynamische Umsetzung der Ideen und Anliegen der Mitbürger*innen».

SVP-Kantonsratskandidat Maximilian Holzer gendert auf seinem Flugblatt.
SVP-Kantonsratskandidat Maximilian Holzer gendert auf seinem Flugblatt. (Bild: mst)

Aber ja, man hat richtig gelesen: «Mitbürger*innen» – ein Genderstern, benützt von einem SVP-Kandidaten im Kanton Luzern. Ausgerechnet also bei derjenigen Partei, die landauf, landab gegen das Gendern kämpft. Im neuen Parteiprogramm ist dem «links-grünen Gender-Terror» gar ein eigenes Kapitel gewidmet. SVP-Programmchefin und Nationalrätin Esther Friedli nennt es eine Verhunzung der Sprache.

Eine Erfahrung prägt ihn bis heute

Wie kommt es also, dass ein SVP-Kandidat in Luzern den verhassten Genderstern verwendet? Maximilian Holzer erklärt auf Anfrage von zentralplus, das Flugblatt sei schon vor Friedlis Tirade bereit zum Druck gewesen. «Ich habe extra nachgefragt, ob man das noch ändern könne, denn ich will der Partei nicht in den Rücken fallen.» Allerdings sei es bereits zu spät gewesen.

Und überhaupt: «Im Nachhinein betrachtet, stört mich der Genderstern überhaupt nicht.» Als er vor 45 Jahren Coiffeur gelernt habe, habe er mehrere homosexuelle Kollegen gehabt. «Ich kann mich gut daran erinnern, wie sehr sie in der damaligen Zeit gelitten haben.» Diese Erfahrung präge ihn bis heute, sagt der 61-jährige Unternehmer, der sich laut dem Flugblatt auch für Gleichberechtigung sowie Lohngleichheit für Frauen und Männer einsetzt.

Holzer befürchtet keine negativen Auswirkungen. Die Wahlkampfleitung habe ihm den Genderstern erlaubt. Zudem: «Auch als SVP-Kantonsratskandidat darf ich noch selbstständig denken und eine eigene Meinung haben.» Dem ehemaligen Emmer Einwohnerrat ist laut eigenen Angaben ein respektvoller Austausch auch mit Vertretern von anderen Parteien wichtig. «Schon im Einwohnerrat hatte ich einen guten Draht zu anderen Parteien, sogar zu den SP-Frauen.»

Wahlkampfleiter: «Der Unmut ist bekannt»

SVP-Wahlkampfleiter Marco Frauenknecht bestätigt, dass er über den Werbespruch informiert worden sei. «Es ist ein persönlicher Wahlslogan, dem ich keine spezielle Bedeutung widme. Jeder Kandidierende hat gewisse Vorgaben, die sie oder er erfüllen muss.»

Die SVP sei eine Volkspartei, in der alle Platz hätten, die sich «für unsere Grundwerte stark machen. Der Unmut in der SVP bezüglich dieses Themas ist bekannt.» Die Partei setze den Fokus auf Themen, die alle Bürger betreffen würden.

Verwendete Quellen
  • Wahlkampfunterlagen der Luzerner Parteien
  • Telefongespräch mit Maximilian Holzer
  • Austausch per E-Mail mit Marco Frauenknecht
  • Artikel im «Blick»
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