Prognosen für den Sonntag

Wahlen in Luzern: So könnte es herauskommen

Wer schafft den Einzug ins Regierungsgebäude? (Bild: zentralplus)

Von einem «Blick in die Glaskugel» spricht Mitte-Vize und Regierungsratskandidatin Michaela Tschuor. Und meint damit die Prognosen der Regierungsratswahlen am Sonntag. Dennoch lassen sich folgende Szenarien skizzieren.

Von den grossen Luzerner Parteien ist es sicher die FDP, die den Regierungsratswahlen vom Sonntag am entspanntesten entgegenblicken kann. Sie stellt einen einzigen Kandidaten, nämlich den bisherigen Regierungsrat Fabian Peter. Und dessen Wiederwahl gilt als unbestritten.

Parteipräsidentin Jacqueline Theiler sagt denn auch: «Unser Ziel ist es, dass unser Regierungsrat Fabian Peter im ersten Wahlgang mit einem guten Resultat gewählt wird. Ich gehe vom heutigen Zeitpunkt davon aus, dass uns das gelingen wird.»

Mitte stellt sich auf zweiten Wahlgang ein

Wahlprognosen hätten immer etwas von einem «Blick in die Glaskugel», sagt Michaela Tschuor, Vizepräsidentin der Luzerner Mitte und aktuell Regierungskandidatin ihrer Partei. «Grundsätzlich schätze ich die Ausgangslage für die Mitte-Partei als sehr gut ein. Bisher war sie im Kanton Luzern die wählerstärkste Partei. Und sie hat es sich zum Ziel gesetzt, das auch zu bleiben.»

Die Hürde des absoluten Mehrs sei im Kanton Luzern sehr hoch, gibt Michaela Tschuor zu bedenken. «Erfahrungsgemäss ist es gerade für neue Kandidatinnen und Kandidaten schwer, diese Hürde im ersten Wahlgang zu nehmen. Aus diesem Grund muss auch unsere Partei sich auf einen zweiten Wahlgang einstellen. Ich rechne damit, dass im ersten Wahlgang die beiden bisherigen Regierungsräte Reto Wyss und Fabian Peter gewählt werden.»

Kopf-an-Kopf-Rennen um den fünften Sitz

«Wir rechnen mit einem zweiten Wahlgang», schreibt Angela Lüthold, Präsidentin der Luzerner SVP. «Wir gehen davon aus, dass die beiden Bisherigen Reto Wyss und Fabian Peter im ersten Wahlgang gewählt werden. Es ist denkbar, dass die beiden anderen bürgerlichen Kandidaten Michaela Tschuor und Armin Hartmann ebenfalls im ersten Wahlgang erfolgreich sein werden.» Um den fünften Sitz werde es möglicherweise ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den drei anderen Frauen geben. Auch für SVP-Fraktionsvize Reto Frank ist klar, dass es zu einem zweiten Wahlgang kommen wird. Frank geht davon aus, dass drei Kandidaten bereits im ersten Wahlgang gewählt werden.

Im Namen der Grünliberalen schreibt Riccarda Schaller: «Als Co-Präsidentin der Grünliberalen wünsche ich mir eine stärkere Vertretung der progressiven Kräfte in unserem Kanton und möglichst viele Frauen in der neuen Regierung.» Claudia Huser decke beide Elemente ab. «Ich bin überzeugt, dass Claudia Huser der Schritt in die Luzerner Regierung gelingt. Ihre Unterstützung reicht weit über die Parteigrenzen hinaus.» Riccarda Schaller ist der Meinung, dass im ersten Wahlgang die beiden bisherigen Reto Wyss und Fabian Peter die Wiederwahl schaffen werden. «Bei allen anderen Kandidierenden tippe ich auf einen zweiten Wahlgang. Das Endergebnis? Huser, Tschuor, Peter, Wyss, Hartmann. So meine Prognose.» Natürlich schwinge bei ihrer Einschätzung auch etwas Zweckoptimismus mit, fügt Riccarda Schaller an.

Grüne sehen gute Chancen

Für die Grünen Luzern nimmt Co-Fraktionspräsidentin Rahel Estermann Stellung. Die Grünen seien so stark wie noch nie. «Deshalb sehen wir gute Chancen, den Einzug in die Regierung zu schaffen. Zusammen mit der SP wollen wir zwei sozial-ökologische Stimmen in der Regierung vertreten haben.» Das sei nach acht Jahren rein bürgerlich-männlicher Regierung dringend nötig (zentralplus berichtete).

Gegenüber zentralplus erklärte Sebastian Dissler, Parteisekretär der Luzerner SP, bereits am Freitag: «Wir setzen momentan alles daran, wieder in die Regierung zu kommen.» Spätestens nach dem zweiten Wahlgang am 14. Mai werde man sehen, ob der SP das gelingt.

Politologe geht von zwei Sitzen für die Mitte aus

Der Luzerner Politologe Tobias Arnold spricht von einem «sehr plausiblen Szenario», wenn man davon ausgehe, dass vier der fünf Sitze an das Trio Mitte, FDP und SVP gehen könnten. Demnach würde die Mitte zwei Sitze machen, die FDP und die SVP je einen. Arnold: «Es wäre eine sehr grosse Überraschung, wenn die Mitte den zweiten Sitz nicht verteidigen könnte. Michaela Tschuor bringt auch einen guten Rucksack betreffend politische Ämter mit sich.» Die SVP sei zwar weiterhin nicht auf dem Level der Mitte, aber eben doch eine etablierte bürgerliche Partei. «Mit Armin Hartmann bringen sie jetzt auch nicht einen von den Hardlinern. Insofern scheint mir seine Wahl auch als sehr wahrscheinlich.»

Somit könnte es – immer, wenn man diesem Szenario folgen will –  um den fünften Sitz eine Auseinandersetzung zwischen Links und der GLP kommen. «Huser dürfte über die GLP-Basis hinaus bis weit ins bürgerliche Lager hinein punkten», sagt Politologe Arnold. «Sie wird sicher auch gestärkt durch die Wahlempfehlungen der Wirtschaftsverbände. Das stärkt ihr Image als Bürgerliche.» Somit stelle sich die Frage, wer in der Poleposition für den fünften Sitz sei. Tobias Arnold spricht von einer «sehr schwierigen» Frage. «Insgesamt beurteile ich die Ausgangslage für diesen fünften Sitz als sehr offen und spannend.» Nach dem ersten Wahlgang werde sicher mehr Klarheit herrschen.

Verwendete Quellen
  • Jacqueline Teiler, Präsidentin FDP Kanton Luzern
  • Michaela Tschuor, Vizepräsidentin Mitte Kanton Luzern
  • Angela Lüthold, Präsidentin SVP Kanton Luzern und Reto Frank, Kantonsrat SVP
  • Riccarda Schaller, Co-Präsidentin Grünliberale Kanton Luzern
  • Rahel Estermann, Co-Fraktionspräsidentin Grüne Kanton Luzern
  • Sebastian Dissler, Parteisekretär SP Kanton Luzern
  • Tobias Arnold, Politologe, Luzern
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