Politik
Kommentar zum Rücktritt von Marcel Schwerzmann

Wahlen 2023: Karten sind neu gemischt

Seit 2015 ein reines Männergremium: der Luzerner Regierungsrat. Bei den Wahlen 2023 bieten sich den linken Parteien reelle Chancen, einen Sitz zu ergattern. (Bild: zvg)

Regierungsrat Marcel Schwerzmann (parteilos) nimmt den Hut. Welchen Einfluss hat das auf die Wahlen nächstes Jahr? Eine Einschätzung von zentralplus-Co-Redaktionsleiter Dominique Moccand.

Wenn der 57-jährige Bildungs- und Kulturdirektor Ende Juni 2023 zurücktritt, ist der dienstälteste der fünf Regierungsräte 16 Jahre im Amt gewesen (zentralplus berichtete). «Genug ist genug», dürfte sich Schwerzmann gedacht haben. Er will einer «jüngeren Persönlichkeit» Platz machen, wie er sagt.

Genug ist genug, das würde wohl auch die politische Linke unterschreiben. 2012 senkte Schwerzmann als Finanzdirektor die Unternehmenssteuer im Kanton Luzern auf einen schweizweit rekordtiefen Wert. Weil auf diesen Entscheid massive Sparpakete folgten, schlug ihm eisige Kritik von Links-Grün entgegen – bis heute. So zeigt sich der Präsident der SP Kanton Luzern David Roth auf Twitter überzeugt: «Der Druck der Strasse zeigt Wirkung.»

Linke jubelt über Schwerzmanns Rücktritt

Kein Wunder, sehen sich die Linken mit Blick auf die Wahlen 2023 bereits als die grossen Sieger. «Luzern erhält eine Frau», prophezeit SP-Kantonsrat Hasan Candan auf Twitter. Samuel Zbinden (Grüne) stösst ins gleiche Horn: «Die Zeit ist definitiv reif für eine linksgrüne Frau in der Luzerner Regierung», twittert er. Der Rücktritt von Schwerzmann weckt Hoffnungen.

Linke Parteien mit reellen Chancen

Tatsächlich: Sah es bis vor Kurzem noch danach aus, als würden die fünf bisherigen Regierungsräte 2023 in globo das Rennen machen, sind die Karten nun neu gemischt. Zum ersten Mal seit 2015 – als durch den Rücktritt von Yvonne Schärli (SP) der Regierungsrat nicht nur komplett bürgerlich, sondern auch zum reinen Männergremium wurde – können sich die linken Parteien wieder reelle Chancen auf einen Sitz ausmalen.

Zu Recht: GLP, Grüne und SP vereinen seit den letzten Kantonsratswahlen über einen Drittel aller Wählerstimmen im Kanton Luzern auf sich. Mit der Wahl einer linken Frau in den Regierungsrat würde nicht nur das Parteienpendel (zumindest im Ansatz) zurück ins Lot schwingen. Auch die heute nicht repräsentierte Hälfte der Luzerner Bevölkerung wäre wieder in der Exekutive vertreten.

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