Politik
Tractor Pulling in Knutwil droht das Aus

Von «Umweltaposteln» bis «Tractor-Bullshit»: Motorsportanlass lässt Wogen hochgehen

Das russverhangene Spektakel in Knutwil sorgt für Gesprächsstoff. (Bild: Bruno Raffa)

Das Tractor Pulling in Knutwil sorgte im Luzerner Kantonsrat am Montag für eine emotionale Debatte. Linke sehen das Klima in Gefahr, bürgerliche Politiker hingegen die Schwingfeste. Der Regierungsrat will bis im Herbst klären, ob der grösste Motorsportanlass im Kanton Luzern eine Zukunft hat.

Das Tractor Pulling in Knutwil steht auf der Kippe. Der Luzerner Regierungsrat will das laute und russverhangene Motorsportspektakel, das jährlich bis zu 30'000 Besucher anlockt, kritisch überprüfen. Das hat er in seiner Stellungnahme auf eine Anfrage von SP-Kantonsrätin Isabella Schwegler festgehalten. Grund: Das Befahren des Landes führe zu Verdichtung und widerspreche der Vorgabe des schonenden Umgangs mit dem Boden (zentralplus berichtete).

Das freute viele – und verärgerte viele. Innert Kürze unterzeichneten rund 11'000 Personen eine Petition für den Erhalt des Motorsportanlasses, bei dem Traktoren beladene Anhänger möglichst weit schleppen.

Linke fahren dem Tractor Pulling an den Karren

«Viele Knutwiler erfreuen sich am Anlass, für viele Knutwiler ist es der Horror», sagte Isabella Schwegler am Montag im Kantonsrat. So gespalten die Bevölkerung, so gespalten zeigte sich die Politik. Für die SP-Kantonsrätin ist klar: «Klimaschutz verträgt sich nicht mit Tractor Pulling.» Dass die Regierung die Bewilligung kritisch überprüfte, sei richtig, aber reiche nicht.

«Das Problem ist, dass mit einem solchen Anlass völlig unnötig CO2 in die Luft gepumpt wird.»

Urs Brücker, GLP-Kantonsrat

Dem schlossen sich Grüne und Grünliberale an. «Dem Regierungsrat fehlte der Mut zu sagen, für den Schutz des Klimas sei dieser Anlass nicht bewilligungsfähig», sagte Andreas Hofer (Grüne). Er monierte, die Glaubwürdigkeit stehe auf dem Spiel und sprach von der «Tractor-Bullshit-Veranstaltung».

Auch Urs Brücker (GLP) nahm kein Blatt vor den Mund. Ihn störte nicht in erster Linie die Verdichtung des Bodens, sondern «dass mit einem solchen Anlass völlig unnötig CO2 in die Luft gepumpt wird.» Der Grossteil davon stamme zwar nicht von den Traktoren, sondern von den Besuchern. «Aber schlauer wird der Wettkampf in den Augen der GLP deswegen auch nicht.»

Bürgerliche sehen gar Schwingfeste in Gefahr

Das sahen CVP, FDP und SVP grossmehrheitlich anders. Es handle sich um eine traditionelle Veranstaltung, die ihre Berechtigung habe, sagte Thomas Grüter (CVP). «Die Petition zeigt deutlich die Verwurzelung des Anlasses.» Zudem stelle sich die Frage, was ein Verbot für andere Feste bedeute, die ebenfalls Landwirtschaftsland beanspruchten. «Wo fänden künftig Jodel-, Schwing- und Musikfeste oder Openairs statt, wenn das Parkieren auf dem Landwirtschaftsland problematisch sein soll?»

Ins selbe Horn stiess Martin Birrer (FDP). Man müsse sämtliche umweltschädigenden Anlässe kritisch überprüfen. Es mache aber keinen Sinn, das Tractor Pulling im Kanton Luzern zu verbieten, wenn es dann im nächsten Kanton erlaubt werde. Er vermisste zudem einen konstruktiven Ansatz – und Ideen, den Motorsportevent in anderer Form durchzuführen.

«Ein Verzicht auf diesen Anlass wird Natur und Klima nicht retten, aber ein Weiterfahren mit dieser Denkweise auch nicht.»

Fabian Peter, Regierungsrat

Deutliche Worte fand auch Pius Müller (SVP). Er kritisierte die «Umweltapostel», die ein solches Volksfest verbieten wollen. Der Umweltschaden des Tractor Pulling sei im Vergleich mit der Fliegerei und dem internationalen Warentransport «ein Klacks.»

Bis im Herbst wird Zukunft geklärt

«Ein Verzicht auf diesen Anlass wird Natur und Klima natürlich nicht retten», sagte der zuständige Regierungsrat Fabian Peter (FDP) zum Schluss und wohl in Anspielung an Müllers Votum, «aber ein Weiterfahren mit dieser Denkweise auch nicht.»

Bis im Herbst wolle man ein klärendes Gespräch zwischen den Behörden und Veranstaltern durchführen, sagte der zuständige Regierungsrat Fabian Peter. Dort soll es insbesondere auch um die Frage gehen, ob und in welcher Form der Anlass eine Zukunft habe. Diesen Sommer findet das Tractor Pulling – wegen der Coronakrise – nicht statt.

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