Politik Tourismus

Debatte um Tourismusvision
Tourismusleiter in Stadt Luzern gibt’s nur befristet

  • Lesezeit: 4 min
  • Politik
Der Stadtrat scheint die Schnauze voll vom Car-Tourismus zu haben: Er will, dass kein Werbegeld mehr in Fernmärkte gesteckt wird. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Die Stadt Luzern will beim die Zügel selbst in die Hand nehmen. Wohin die Reise geht, hat sie in der Vision Tourismus 2030 festgehalten. Beim Grossen Stadtrat kam die Vision nur mässig gut an. Der Wunsch nach einer Projektstelle Tourismus wurde stark kritisiert.

Wie soll der in der Stadt Luzern künftig aussehen? Mit Facetten dieser Frage beschäftigt sich derzeit sowohl der Kantons- als auch Stadtrat. Auf Kantonsebene geriet jüngst Wirtschaftsdirektor Fabian Peter in Kritik. Dieser setzt sich auf nationaler Ebene für lockerere Regeln für den Städtetourismus ein. Unter anderem sollen die Ladenöffnungszeiten liberaler werden – womit er prompt Kritik aus dem Kantonsrat erntete (zentralplus berichtete).

Auch in der Stadt Luzern wird der zukünftige Tourismus diskutiert. Angestossen wurde die Debatte durch die Situation vor der Pandemie. Durch die vielen Cars entbrannte eine Diskussion über die Art und Menge des Tourismus. Mittels Motion wurde vom Stadtrat eine Vision zum Luzerner Tourismus im Jahr 2030 verlangt (zentralplus berichtete).

Ende 2021 hat er diese in einem 78-seitigen Bericht geliefert. Viel Konkretes steht in der «Tourismus Vision Luzern 2030» noch nicht. Die grobe Stossrichtung lautet jedoch nachhaltiger und innovativer. Um das zu realisieren und Massnahmen zu erarbeiten, soll eine Projektstelle Tourismus geschaffen werden (zentralplus berichtete).

Vision Tourismus? Zu kurzfristig und nicht mutig genug

Eines vorweg: Das Ziel, wichtige Grundsatzfragen zu klären, kann der Bericht und Antrag nur teilweise erfüllen. Dies spiegelt sich auch in der Debatte des Grossen Stadtrates am Donnerstag wider. Im Namen der SVP bemängelt Thomas Gfeller, dass der vorliegende Bericht und Antrag keine Vision sei – denn diese müsste viel weitsichtiger sein. Und mutiger gedacht. Denn Visionen seien grundsätzlich idealisierte Ziele, die nur schwer bis kaum erreichbar sind.

Dem schliesst sich auch Simon Roth der SP an. Wichtige Grundsatzfragen wie, wer überhaupt ein Luzerner Tourist sei und welche man künftig anziehen möchte, werden in der Vision ungenügend behandelt, so Roth. Christa Wenger (Grüne) prophezeit dementsprechend: «Konkrete Lösungen für heisse Eisen werden wir in Zukunft noch ausgiebig diskutieren müssen.»

Anders klingt es hingegen vonseiten der Mitte, der GLP und der FDP. Viele Anliegen der Bevölkerung und der Branchenvertreter wurden aufgenommen. Und mit dem vorliegenden Bericht und Antrag hätte man einen Grundstein geschaffen, mit dem man nun die Schritte zur Realisierung erarbeiten kann.

Fokus auf Nachhaltigkeit und Nahtourismus verstärkt

Der Vision der Stadt wurden mehrere Protokollbemerkungen angefügt. Die meisten davon wollen den in der Vision angesprochenen Nachhaltigkeitsgedanken stärker verankern. Auf Antrag der Geschäftsprüfungskommission soll der Kongresstourismus gefördert werden. Gäste eines WEF sollen demnach länger als ein oder zwei Tage in Luzern bleiben wollen.

Weiter will der Grosse Stadtrat den Fokus vermehrt auf Gäste aus nahen Orten und die eigene Bevölkerung setzen. So hat der Rat einer Bemerkung zugestimmt, die besagt, dass auf Werbeaktivitäten für den Ferntourismus künftig verzichtet wird. Auch wurde konkret festgehalten, dass Gäste auch ohne konkrete Wertschöpfung in der Stadt Luzern willkommen seien. Wie Simon Roth (SP) erklärt, will man so auch der Tatsache Rechnung tragen, dass viele Gäste in Luzern beispielsweise «nur» Verwandte besuchen.

Auch die eigene Bevölkerung will der Grosse Stadtrat in der Vision mehr berücksichtigen. So soll beispielsweise die Kurtaxe auch den Stadtluzernerinnen zugutekommen. Und Luzerner Tourismusschaffende sollen Rahmenbedingungen erhalten, damit diese ganzjährig beschäftigt werden können.

Notwendigkeit der Projektstelle infrage gestellt

Am meisten zu reden gab jedoch die geplante Projektstelle Tourismus. Zu schwammig und nicht wirklich nötig lautet der Tenor. Die SVP moniert auch das Preisschild: Die 80-Prozent-Stelle soll mit 130’000 Franken entlohnt werden. Zuzüglich 30’000 Franken zur Finanzierung von Projekten. «Ein fürstliches Gehalt», merkt Fraktionschef Thomas Gfeller an.

Andreas Felder (Mitte) hat deshalb beantragt, die Stelle auf Ende 2025 zu befristen. Im Hinblick auf den vorgestellten Zeitplan im Bericht und Antrag sollten spätestens bis dann konkrete Massnahmen ausgearbeitet sein und bereits erste Massnahmen vorbereitet werden. Dieser Änderung wurde zugestimmt – Mit 11 zu 34 Stimmen wurde der Sonderkredit von 1,6 Millionen Franken zur Schaffung der Stelle schliesslich abgelehnt. Die Stadt Luzern wird sich nun mit der befristeten Stelle zufriedengeben müssen.

Auch die Zusammenarbeit mit der Luzern Tourismus AG (LTAG) wurde infrage gestellt. Um seine Vision umzusetzen, will der Stadtrat stark auf deren Erfahrung setzen. Die SP möchte jedoch nicht, dass die LTAG direkt im Reglement als Begünstigte aufgeführt wird. Stattdessen soll dies mittels Leistungsvereinbarung geregelt werden, wie das beispielsweise im öffentlichen Verkehr der Fall ist.

Mit dem überarbeiteten Bericht waren dann nicht mehr alle Räte einverstanden. So änderte die FDP ihre eingangs zustimmende Haltung, da viele Beschlüsse entgegen ihrer Haltung angenommen wurden. Letztlich fand sich aber eine Mehrheit und der Bericht und Antrag wurde zustimmend zur Kenntnis genommen. Die initiierende Motion 159 von den Grünen wurde damit abgeschrieben.

Update: Der Sonderkredit von 1,6 Millionen Franken wurde zwar abgelehnt – die Schaffung der Stelle ist damit trotzdem nicht vom Tisch. Der Text wurde dahingehend angepasst.

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