Politik
Umfahrung Cham-Hünenberg

«Und Hünenberg erhält den Verkehr aus Cham»

Viel Einsatz für die Umfahrung Cham-Hünenberg: Heinz Tännler bei der Informationsveranstaltung in Hünenberg. (Bild: hch)

Cham soll ein verkehrsberuhigtes Zentrum erhalten. Wenig Begeisterung löst dies in der Nachbargemeinde Hünenberg aus. Hier wird sich deshalb der Verkehr in einem Wohnquartier vervierfachen.

Die Umfahrung Cham-Hünenberg beschäftigt. Weniger wegen den Kosten von 180 Millionen Franken, die bereits vor acht Jahren bewilligt wurden. Sondern aufgrund den flankierenden Massnahmen, in deren Zentrum eine Verkehrsberuhigung in Cham steht (zentral+ berichtete).

Um die Durchfahrt auf täglich 12’000 Fahrzeuge zu beschränken, sollen die Fahrzeuge bei der Zentrumseinfahrt gefilmt werden. Hält sich ein Fahrzeuglenker kürzer als eine bestimmte Zeit im Zentrum auf – man spricht derzeit von sieben bis zehn Minuten – verstösst er gegen das Fahrverbot und erhält eine Busse von 100 Franken (siehe Kasten).

Auch Chamer betroffen

Die Massnahme beschränkt sich aber nicht auf Auswärtige, sondern betrifft ebenso Chamer. Und da im Osten der Stadt auch der Raben-Kreisel zum verbotenen Gebiet zählt, werden die Fahrzeuge über die Zythus-Kreuzung und die angrenzende Eichmattstrasse gelenkt. Um in Richtung Zug oder Zürich fahren zu können, muss ein Teil der Chamer daher zwingend über Hünenberger Gebiet zur Umfahrung fahren, will er im Dorfkern keinen behördlich verordneten Kaffeehalt einlegen.

Tempo 30 auf Eichmattstrasse

An einer Konsultativabstimmung in Hünenberg sprach sich diese Woche die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer mit 203 Ja-Stimmen dafür aus, mit Eröffnung der Umfahrung an der Eichmattstrasse durchgehend Tempo 30 einzuführen. Dies, obwohl die Strasse eigentlich für Tempo 50 ausgebaut wäre, wie Verkehrsplaner Thomas Hohl sagte. Durch die Temporeduktion verlängert sich die Durchfahrtzeit von 90 auf etwa 120 Sekunden.

Die Anwohner forderten dabei auch, die Massnahme vorzuziehen und Tempo 30 umgehend einzuführen. Diese Forderung ist nicht neu, eine entsprechende Motion haben die Hünenberger vor sechs Jahren allerdings mit 188:65 Stimmen abgelehnt.

«Wir dürfen das Problem lösen, das Cham in den letzten 40 Jahren nicht in den Griff bekam», formulierte es ein Anwohner an einer Informationsveranstaltung. Und eine andere ergänzt: «Hünenberg erhält mit der Umfahrung den Verkehr aus Cham.» Weil die Eichmattstrasse als Sammelverbindung zwischen Hünenberg See und der Umfahrung Cham Hünenberg konzipiert ist, wird sich das Verkehrsaufkommen von aktuell täglich 1’000 Autos vervierfachen. Und damit ausgerecht auf einer Quartierstrasse, die durch ein neues Wohngebiet führt, vorbei an Kindergarten und Schulhaus. «Cham macht ein autoarmes Zentrum, Hünenberg hat schon eines. Hünenberg See hätte nun auch gerne eines», wünschte sich eine Quartierbewohnerin.

«Sauerei» in Cham

Zwar versuchte Baudirektor Heinz Tännler die aufgebrachten Gemüter in Hünenberg zu beschwichtigen. Einerseits sei der Verkehr hausgemacht, von Hünenbergern für Hünenberger sozusagen. «Und die für die Eichmattstrasse prognostizierten 4’400 Fahrzeuge sind absolut gesehen noch immer marginal.» Dabei verweist Tännler auf den Verkehr, den Cham heute zu ertragen hat. «Was hier tagtäglich abgeht, ist eine fixfertige Sauerei.»

Tatsächlich sorgen die rund 20’000 Autos, die sich täglich durch das Zentrum der Kleinstadt quälen, für einen Dauerstau. Und übertreffen in der Menge sogar noch das andere grosse Nadelöhr im Kanton, die Zuger Neugasse. «Eine Mehrheit profitiert, andere müssen gewisse Nachteile in Kauf nehmen», relativiert Tännler. Und verweist in diesem Zusammenhang auf die gesetzlichen Vorgaben. Denn nur wenn eine klare Verlagerung des Verkehrs nachgewiesen wird, gilt die Hürde Umweltverträglichkeitsprüfung als bestanden. Ohne diese gibt es keine Umfahrung und auch keinen Bundesbeitrag von 35 Millionen Franken.

Umstrittene Massnahmen

Dennoch mag es vielen Bewohnern aus Hünenberg See – und nicht wenigen Chamern – nicht ganz einleuchten, selbst in der Nacht den Umweg über die Umfahrung in Kauf nehmen zu müssen, um den Westen des Kantons zu erreichen. Oder weshalb der Raben-Kreisel zum verbotenen Gebiet zählt, ohne dass so die Durchfahrt über die Hauptstrasse statt durch das Wohnquatier Eichmatt erfolgen kann.

Ein Gegner der Durchfahrtsbeschränkung im Chamer Dorfkern ist Roger von Rotz. Der Betreiber der gleichnamigen Bäckerei / Konditorei glaubt, dass die Umfahrung das Verkehrsproblem von alleine löst. Es brauche keine flankierenden Massnahmen, sagte er gegenüber zentral+.

Mindestaufenthaltsdauer auch in Hünenberg?

An den flankierenden Massnahmen und der Durchfahrtsbusse aber will Tännler festhalten. Die Nachtsperrung hingegen wolle er noch einmal prüfen, versprach er in Hünenberg. Keine Option sei hingegen, die durch das Eichmattquartier fahrenden Chamer ebenfalls mit einer Mindestaufenthaltsdauer zu belegen, wie dies eine Hünenbergerin vorgeschlagen hat.

Umfahrung mit langer Leidensgeschichte

Die Umfahrung Cham-Hünenberg besteht aus einer neuen Kantonsstrasse vom Bösch Hünenberg bis zum Alpenblick bei Cham, welche entlang der Autobahn führt. Auf dieser ist Tempo 60 und 80 vorgesehen. Fünf Anschlüsse sollen den Zugang in die Quartiere gewährleisten.

Mit flankierenden Massnahmen möchte man verhindern, dass der motorisierte Individualverkehr weiterhin durch das Chamer Zentrum fährt. Aus 19 Varianten hat ein Begleitgremium eine Mindestaufenthaltsdauer definiert. Diese wird 5 bis 15 Minuten betragen, wahrscheinlich sind deren 7-10. Ins Zentrum einfahrende Töffs und Autos sollen gefilmt werden. Unterschreiten diese die Mindestaufenthaltsdauer und nehmen einen anderen Weg als die Zufahrt, werden sie mit voruassichtlich 100 Franken gebüsst.

2007 haben die Zuger einen Rahmenkredit von 230 Millionen Franken für die Planung, den Landerwerb und den Bau der Umfahrung knapp bewilligt. Darin enthalten ist auch eine Kreditreserve von 50 Millionen. Damals ging die Baudirektion davon aus, dass das Projekt 2009 aufgelegt werden könne. Die konkrete Ausgestaltung der flankierenden Massnahmen blieb jedoch bis zuletzt umstritten, die öffentlichen Informationsveranstaltungen stiessen auf riesiges Interesse. Nach der dritten und letzten Veranstaltung soll das Vorprojekt nun im Herbst 2014 öffentlich aufgelegt werden. Baubeginn könnte im Jahr 2017 sein, die Fertigstellung der Umfahrung ist für 2020 / 2021 vorgesehen.

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