Politik

Luzern wählt Martin Merki oder Beat Züsli
Top oder Flop? Die Stapi-Kandidaten im Schlagabtausch

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Martin Merki (links) und Beat Züsli duellierten sich im Neubad, in der Mitte Moderatorin Mirjam Eisner. (Bild: jal)

Der Luzerner Stadtpräsident Beat Züsli (SP) wird von Martin Merki (FDP) gefordert. Es wird eine richtungsweisende Wahl sein. Doch manche fragen sich: Worin unterscheiden sich die beiden eigentlich? Ein Annäherungsversuch der spielerischen Art.

Luzern wählt am 29. März seinen Stadtpräsidenten. Schafft Beat Züsli von der SP die Wiederwahl? Oder gelingt es Martin Merki, das prestigeträchtige Amt zurück in den Schoss der Liberalen zu führen?

So wichtig der Entscheid für die Parteien ist: Vielen Wählern scheinen die Unterschiede der zwei Kandidaten nicht so klar zu sein. Wen wundert’s? Die beiden Männer sind praktisch gleich alt (Züsli 56-jährig, Merki 57-jährig), wirken unaufgeregt, tragen Brille, meist Hemd und Jackett ohne Krawatte und lächeln von Plakaten.

Doch wo legen sie ihre Schwerpunkte, wo sind sie anderer Meinung und wer überzeugt als Stapi? zentralplus hat das öffentliche Podium am Dienstagabend im Neubad zum Anlass genommen für eine Gegenüberstellung der – zugegebenermassen teils etwas subjektiven und vielleicht gar amerikanischen – Art. Wir verteilen Punkte, also auf in den Boxkampf.

1. Auftakt – die Visionen

Rate selber: Wer bewirbt sich mit den Worten offen, liberal und sozial? Und wer steht für eine offene und ökologische Stadt Luzern? Wir lernen: Den beiden Slogans nach zu urteilen, gibt nicht viel her.

Die Wahlslogans von Martin Merki und Beat Züsli.

Deshalb eine inhaltliche Frage. Was die grösste Herausforderung der nächsten vier Jahre sei, wollte Moderatorin Mirjam Eisner im Neubad wissen. Und da gehen die beiden in unterschiedliche Richtungen.

Merki nannte die Tourismusstrategie. Die Stadt müsse ein Gleichgewicht finden zwischen den Bedürfnissen der Wirtschaft und jenen der Bevölkerung – und eine Lösung für die Carparkierung in der Innenstadt.

Züsli nannte die Mobilität. Die Stadt müsse zusammen mit dem Kanton und den Nachbargemeinden eine neue urbane Verkehrspolitik entwickeln – auch im Hinblick auf den Klimaschutz.

Erste Runde: Unentschieden.

2. Angriff – die Kritik

Schlagfertig zu sein, kann helfen, nicht nur in der Politik. Wer neu in den Ring steigt, ist normalerweise angriffslustig. Nicht so Martin Merki, der sich im bisherigen Wahlkampf scheute, Ratskollege Beat Züsli mit direkter Kritik zu konfrontieren.

«Ich möchte mich nicht beim Kanton dafür entschuldigen, dass fast die Hälfte unserer Haushalte kein eigenes Auto besitzt.»

Beat Züsli

Exemplarisch zeigte sich das am Dienstag. Thema war die Zusammenarbeit mit dem Kanton im Verkehrsbereich – Stichwort Spange Nord und Reussportbrücke –, was Martin Merki selber oft als Argument für seine Kandidatur bezeichnete. Die Moderatorin lieferte ihm entsprechend einen Steilpass zum Angriff, indem sie fragte, ob Beat Züsli sich in diesem Punkt gut anstelle. Doch statt dem amtierenden Stadtpräsidenten klare Mängel vorzuhalten, äusserte er sie nur durch die Blume – er sagte, man müsse stärker auf den Kanton zugehen und Gemeinsamkeiten stärken.

Das wiederum lockte Züsli aus der Reserve. Er erwiderte energisch, dass verhandeln nicht heissen dürfe, von der städtischen Haltung abzurücken. «Ich möchte mich nicht beim Kanton dafür entschuldigen, dass fast die Hälfte unserer Haushalte kein eigenes Auto besitzt.» 

Zweite Runde: Punkt für Züsli (und einer an die Moderatorin).

3. Verteidigung – das Eigenlob

Wer im Wahlkampf bestehen will, muss sich gut verkaufen können. Die beiden Kontrahenten haben viele Möglichkeiten, ihre eigenen Erfolge gut zu verkaufen.

Beat Züsli redete seinen eigenen Einfluss als Stadtpräsident klein. Die Machtverhältnisse hätten sich ja nicht verschoben, es gebe keine linksgrüne Mehrheit, was einen Wandel erschwere. «Ich glaube, ich konnte Akzente setzen in der Repräsentation der Stadt.» Als Erfolg nannte er zum einen Vertragsverlängerungen in der Kulturpolitik, die klare Haltung der Stadt zur Spange Nord und die 15 Volksabstimmungen in den letzten vier Jahren, die allesamt im Sinne des Stadtrates ausfielen. Die Moderatorin wies aber zu Recht darauf hin, dass letzteres der Erfolg des gesamten Stadtrates sei.

Martin Merki konnte auf dieselbe Frage mehr konkrete Erfolge nennen, natürlich auch, weil er bereits seit acht Jahren als Stadtrat tätig ist. Er erwähnte zum Beispiel die frühe Sprachförderung, die Arbeitsintegration für Flüchtlinge oder die Stärkung der Selbstbestimmung für ältere Menschen dank Gutscheinen oder der Anlaufstelle fürs Alter.

Dritte Runde: Punkt für Merki.

4. Fitness – Repräsentation und Rhetorik

Der Stadtpräsident ist das Gesicht von Luzern. Die Repräsentation gegen aussen stellt einen wichtigen Teil der Arbeit dar. Entsprechend wichtig sind rhetorische Fähigkeiten und die Wirkung.

Beide Kandidaten haben nicht das Format eines «Stadtvaters» im traditionellen Sinne. Doch ob das noch zeitgemäss ist, bleibt ohnehin fraglich. Beat Züsli sagte bereits ein Jahr nach Amtsantritt, dass die Zeit der Kuschelbär-Präsidenten vorbei sei. Inzwischen scheint er in seiner Rolle gewachsen zu sein. Auch wenn er die Zuhörer mit seinen Reden nicht von den Stühlen reisst, bringt er seine Botschaften klar zum Ausdruck.

Noch lachen beide: Martin Merki und Beat Züsli.

Martin Merki hingegen macht manchmal noch eine Zusatzschlaufe, bevor er zu seinem Argument kommt. Auf die Frage, was er für den Wirtschaftsflügel seiner Partei geleistet habe, musste er lange ausweichen, um dann noch ein paar – allgemeine – Antworten zu liefern. Zudem schien es, dass er sich hin und wieder hinter dem gesamten Stadtrat versteckt, statt seine eigene Haltung zum Ausdruck zu bringen.

Auch in der Schnellrunde, in der die beiden wie aus der Pistole geschossen antworten sollten, konnte Züsli öfter mit schlagfertigen Antworten punkten. Merki blieb dafür das Mitgefühl des Publikums, als er erzählte, wann er zum letzten Mal weinen musste: Als eine seiner beiden Katzen im vergangenen August starb.

Vierte Runde: Punkt für Züsli.

5. Siegerehrung

Das Resultat lautet 3:2 für den amtierenden Stadtpräsidenten. Allerdings müssen wir Martin Merki auch noch einen Bonuspunkt zusprechen. Denn im Publikum sassen am Dienstag viele SP- und Juso-Mitglieder. Züsli genoss also quasi Heimvorteil.

Fazit: Was heisst das für den 29. März?

Natürlich nichts, denn die Wähler entscheiden. Es lässt sich aber sagen: Das Ergebnis am 29. März dürfte spannend werden. Beat Züsli hat zwar den Bisherigen-Bonus und die grösste Partei im Rücken. Martin Merki wird aber von GLP bis zur SVP unterstützt und hat vor vier Jahren das beste Resultat erzielt. Zudem handelt es sich um eine Personenwahl.

«Das Liberale ist sehr breit.»

Martin Merki

Wie ähnlich die beiden inhaltlich ticken, zeigt übrigens ein Blick auf die Online-Wahlhilfe Smartvote: Die Meinungen der beiden Kandidaten divergieren nur gerade bei knapp 10 von rund 40 Fragen. Zum Beispiel beim Rentenalter (Merki für Erhöhung, Züsli dagegen), bei der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten (Merki dafür, Züsli dagegen) oder der Transparenz in der Politikfinanzierung (Züsli dafür, Merki dagegen).

In vielen städtischen Fragen sind die beiden hingegen gleicher oder ähnlicher Meinung. Das mag daran liegen, dass Beat Züsli aufgrund seines Amtes pragmatisch agiert und nicht zu ideologisch unterwegs sein kann. Aber womöglich auch daran, dass Sozialdirektor Martin Merki vielleicht dem nahekommt, was als «FDP urban» lanciert wurde: ein Aushängeschild liberaler Stadtpolitik.

Oder wie Merki am Dienstag selber sagte: «Das Liberale ist sehr breit.» In mancher Hinsicht so breit, dass offenbar auch ein SP-ler darin Platz findet.

Wer sich selber einen Eindruck verschaffen will:


Hinweis: Hier geht es zu unseren Wahlporträts von Beat Züsli und Martin Merki.

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2 Kommentare
  1. Hafen Hans, 12.03.2020, 09:50 Uhr

    Züsli ist DER Stadtpräsident schlechthin. Sachlich, unaufgeregt, glaubwürdig, undogmatisch, intelligent, ausgleichend, gesellschaftspolitisch nicht sektiererisch! Seine Vorgänger, insbesondere Stefan Roth, waren vorallem auf die Aussenwirkung und die Repräsentationskraft (auch bekannt unter dem Synonym Geltungsdrang und Wichtigtuerei) des Amtes fixiert. Nicht so Präsi Züsli – der macht echt einen sackstarken Job! Ich habe nur uneingeschränktes Lob für ihn!! Weiter so! Züsli wird in der Stad Luzern mit Pauken und Trompeten und süssesten Fanfarenklängen fulminant und glorreich bestätigt. FDP- und Zunft-zu-Safran-Merki (pseudosozialer Anstrich) ist chancenlos gegen diesen SP-Kracher!

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  2. Jonas Raeber, 12.03.2020, 08:15 Uhr

    Sozialdirektor Martin Merki soll seinen Job weiterhin machen, ebenso der Stadtpräsident. Niemand wechselt in so einer Krise ein Team aus, das jahrelang gut zusammengearbeitet hat. Dass die Bürgerlichen und vor allem die FDP das nun doch um jeden Preis wollen (mit gigantischem Aufwand fluten sie unsere Briefkästen mit ihren Prospekten), zeigt einmal mehr, dass ihnen Parteipolitik über das Gemeinwohl geht.

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