Politik

Rassismusvorwurf gegen Zuger Nationalrat
Thomas Aeschi in der «Arena»: Moderator kassiert Rüffel

  • Lesezeit: 3 min
  • Kommentare: 7
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In der «Arena» verteidigte Thomas Aeschi seine umstrittene Aussage. (Bild: Screenshot: SRF Arena)

In einer «»-Sendung in März hat der Moderator den Zuger Nationalrat in die Mangel genommen. Grund: eine umstrittene Äusserung im Parlament. Nun stellt die SRG-Ombudsstelle fest: Der Moderator verhielt sich «nicht rollengerecht».

«Es darf nicht sein, dass Nigerianer oder Iraker mit ukrainischen Pässen plötzlich 18-jährige Ukrainerinnen vergewaltigen! Das darf nicht zugelassen werden», hat Mitte März im Nationalrat an einer Sonderdebatte über den Krieg in der Ukraine gesagt.

Nachdem die Äusserung zunächst unkommentiert blieb, sorgte sie in den sozialen Medien kurz darauf für eine Welle der Empörung. Und nicht nur dort: Die Stiftung gegen Rassimus kritisierte die Aussage als rassistisch (zentralplus berichtete).

Nationalrätspräsidentin Irène Kälin forderte, dass die parlamentarische Immunität aufgehoben werden müsse, damit rassistische Äusserungen im Rat geahndet werden können (zentralplus berichtete).

Hartes Gespräch zwischen Aeschi und «Arena»-Moderator

Thomas Aeschi kam zwei Tage später in die Sendung – und Moderator stellte ihn im «1:1-Gespräch» zur Rede. Dies war gemäss Ombudsstelle vorher so ausgemacht, die Auseinandersetzung geriet aber rasch aus dem Ruder.

Brotz zitierte eine Stellungnahme der Eidgenössischen Rassismuskommission (ERK) und mehrere nicht namentlich genannte Experten. Sein Fazit gegenüber Aeschi: «Wir halten am heutigen Abend glasklar fest, dass das, was Sie gesagt haben, rassistisch war. Punkt, Ausrufezeichen.»

Nach verbalem Angriff auf Aeschi: SVP boykottiert «Arena»

Nach der Sendung kündigte die wählerstärkste Partei der Schweiz an, die Politsendung künftig aus Protest zu boykottieren (zentralplus berichtete). Weiter gingen bei der Ombudsstelle der SRG 46 Beschwerden ein. Hauptkritikpunkte: Der Moderator habe den Politiker als Rassisten bezeichnet und sich dem Zuger Nationalrat gegenüber als Richter aufgespielt.

Die Ombudsstelle weist den ersten Vorwurf zurück (zentralplus berichtete). Eine wortgetreue Niederschrift zeige, dass Sandro Brotz den SVP-Politiker nie als Rassisten bezeichnet habe. «Die Rede war immer – und das sehr bewusst – von einer ‹rassistischen Aussage›», heisst es im Bericht der Ombudsstelle. Dabei habe sich der Moderator auf die Einschätzung der ERK abgestützt.

Da Thomas Aeschi zudem die Gelegenheit hatte, im «1:1-Gespräch» seine Sicht der Dinge darzulegen, sei für das Publikum eine eigene Meinungsbildung möglich gewesen.

Fazit des «Arena»-Moderators hat «Charakter eines Richterspruchs» über Aeschi

Trotzdem wird Sandro Brotz gerügt: Er habe die Einwände von Thomas Aeschi zu wenig berücksichtigt. Das mehrfach wiederholte Fazit des Moderators – «Punkt, Ausrufezeichen» – hätte tatsächlich den «Charakter eines Richterspruchs». Der Auftritt von Brotz habe urteilend gewirkt und sei «in keiner Weise rollengerecht» gewesen.

Das Verfahren um die «»-Sendung ist mit der Stellungnahme der Ombudsstelle noch nicht abgeschlossen. Als Nächstes kann nun die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) angerufen werden. Dort beschäftigen sich unabhängige Experten mit der Qualität von Radio- und Fernsehprogrammen (zentralplus berichtete). Personen, die mit dem Fazit der Ombudsstelle nicht einverstanden sind, können ihre Beschwerden an die UBI weiterziehen.

Aeschi will sich nicht äussern

Bis ein entsprechender Entscheid vorliegt, äussert sich Thomas Aeschi nicht zu dem Fall und zu den Lehren, die aus seiner Sicht daraus ziehen müsste. Auf Anfrage von zentralplus schreibt er lediglich, dass sich bislang weder SRF noch der Moderator bei ihm entschuldigt hätten.

Die hat inzwischen entschieden, bis auf Weiteres wieder an der Sendung teilzunehmen. Dies nach einer Aussprache mit der SRG-Leitung und nachdem diese eine «unparteiische ‹Arena›-Moderation» zugesichert habe.

Information: In einer ersten Version haben wir geschrieben, dass die grüne Nationalrätin Regula Rytz forderte, dass Aeschi ausgeladen werden müsse. Man dürfe «einem Rassisten keine Plattform geben». Diese Äusserung hat Regula Rytz allerdings nie gemacht, obwohl die Kommunikation der Ombudsstelle und SRF dies so behauptet hatten.

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7 Kommentare
  1. Groucho, 28.04.2022, 16:33 Uhr

    Wieso sollte sich irgend jemand bei Aeschi entschuldigen ? Solch populistische Sprüche sind eines nationalen Politikers schlicht unwürdig – Punkt und Ausrufezeichen.

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  2. smokymale, 28.04.2022, 13:41 Uhr

    Sandro Brotz gehört abgesetzt da er des öfteren seine Grenzen nicht kennt.

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    1. Thomas Aeberhard, 28.04.2022, 15:06 Uhr

      Und wen werden Sie einsetzen, da Sie ja offenbar die Personalpolitik von SRF bestimmen? Roger Köppel?

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  3. Peter Bitterli, 27.04.2022, 16:11 Uhr

    Was für eine „Welle der Empörung“ „sorgt“, zumal „in den sozialen Medien“ hat wahrscheinlich Vernunft und Wahrheit auf seiner Seite. Und dass die „Stiftung gegen Rassimus“ irgendeine Aussage nicht als „rassistisch“ „kritisieren“ würde, wäre ein äusserst seltsamer Vorgang.

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  4. Hansruedi Küttel, 27.04.2022, 13:47 Uhr

    Bin kein Fan von Brotz, aber wo er recht hat, hat er recht!

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  5. Brotz' Sprachfoul, 27.04.2022, 12:57 Uhr

    Wer nach dem Punkt ein Ausrufezeichen setzt, demonstriert, dass er die geschriebene Sprache nicht beherrscht. Ob es zum Moderieren reicht, muss jeder Zwangsgebührenzahler selber entscheiden.

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    1. Punkt und Komma, 27.04.2022, 14:53 Uhr

      Ein Punkt zuviel? Nei aber au, Ihnen entgeht aber auch gar nichts. In der Mundart gibt es dafür einen schönen Ausdruck: Tüpflischisser

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