Politik
Experte ist überzeugt vom Erfolgsmodell in Köniz

Tempo 30 im Zentrum: Was Kriens von Bern lernen kann

Fritz Kobi, Projektleiter Köniz, spricht von einem Tempo-30-Erfolgsmodell.

(Bild: zvg)

Kriens will künftig auf Velo oder Bus statt aufs Auto setzen. Besonders das Zentrum soll zu einer Begegnungszone mit Tempo 30 werden. Einige Krienser üben Kritik, doch die Berner Gemeinde Köniz zeigt, dass es funktionieren kann.

Nach der Tempo-30-Kehrtwende des Luzerner Regierungsrates im Dezember kommt Bewegung in die Diskussion um die Verkehrsberuhigung im Zentrum von Kriens. Denn: Der Regierungsrat prüft die Errichtung von einer Tempo-30-Limite auf Kantonsstrassen (zentralplus berichtete). Diesen Mittwoch kommt es zu einer Diskussion in der breiten Öffentlichkeit – mit Erfahrungen aus Nachbarkantonen. Ein Experte aus Bern zeigt auf, wie ein attraktives Zentrum mit Tempo 30 funktionieren könnte.

Denn auch in der Agglogemeinde Köniz mit gut 40’000 Einwohnern kämpfte man – vor rund 15 Jahren – mit ähnlichen Problemen, ähnlich wie dies Kriens heute tut. Das Zentrum war überfüllt und der Verkehr kam nur schleppend voran, selbst nach einer Umgestaltung. «Der Bus hatte oft über eine Viertelstunde durch das Zentrum hindurch», so erzählt es Fritz Kobi.

Der gelernte Bauingenieur war damaliger Projektleiter bei der Umstrukturierung des Könizer Zentrums rund um die Schwarzenburgstrasse. Schon damals sei klar gewesen, dass für die Entschärfung der Verkehrssituation der Verkehr flüssiger werden musste. Daraufhin wurde Tempo 30 eingeführt und sämtliche Fussgängerstreifen aufgehoben. So konnten sich Fussgänger, Autos und Fahrräder in einem Miteinander durchs Zentrum bewegen.

Neues Gesamtverkehrskonzept für Kriens

Auch in dem letztjährig verabschiedeten Gesamtverkehrskonzept Kriens wird auf einen sogenannten «Mischverkehr» gesetzt. Dabei sollen Verkehrsmittel wie Velo und Bus gestärkt, das Zentrum zu einer Art Begegnungszone umgebaut und Tempo 30 eingerichtet werden (zentralplus berichtete).

Der Autoverkehr hat in Köniz seit der Zentrumsumgestaltung um rund ein Fünftel abgenommen.

Der Autoverkehr hat in Köniz seit der Zentrumsumgestaltung um rund ein Fünftel abgenommen.

(Bild: zvg)

Für die nächsten 15 Jahre werden – abgestimmt auf das Wachstum der Stadt – im Gesamtverkehrskonzept von Kriens insgesamt rund 70 Massnahmen für Autos, den öffentlichen Verkehr, Velofahrer sowie Fussgänger skizziert. «Wir müssen insbesondere versuchen, mit geeigneten Massnahmen die Hauptverkehrsachse durch das Zentrum zu entlasten. Dies ist langfristig nur durch die Beschränkung des Zuflusses von Autos von den Nebenstrassen möglich», meine Stadtpräsident Cyril Wiget bei der letztjährigen Präsentation des neuen Konzeptes.

Ausserdem soll das Zentrum aufgewertet werden. Vorgesehen sei deshalb ein Mehrzweckstreifen in der Mitte der Hauptstrasse auf zirka 700 Metern. Dadurch könnten mehrere Ampeln und Zebrastreifen aufgehoben und vermehrt Platz für Fussgänger und Cafés geschaffen werden. Doch in Kriens erheben sich einige skeptische Stimmen gegenüber der Umstrukturierung vom Zentrum, besonders gegenüber einer Temporeduktion für den Verkehr.

Ängste um Stau und Sicherheit blieben unbegründet

Auch in Bern machte sich auf das Tempo-30-Vorhaben in Köniz Kritik breit. Die Ängste waren die gleichen wie heute in Kriens. Auch sie waren der Meinung, dass eine Temporeduktion zu Stau führen würde. Die Aufhebung der Fussgängerstreifen liess einige Bürger sich um die Sicherheit der Fussgänger sorgen. Doch die Sorgen blieben unbegründet. «Der Autoverkehr und die Unfälle gingen sogar zurück», so Kobi.

Die Autos brauchten plötzlich weniger lang, um durch das Gemeindezentrum zu fahren. «Von rund 18’000 Autos pro Tag fahren auch heute nur noch rund 14’000 Autos durch das Zentrum. Der Verkehr wurde flüssiger und beruhigter», meint Kobi. Ausserdem seien die Unfälle um rund ein Drittel zurückgegangen. Der ÖV wurde ausgebaut und gibt rund um die Schwarzenburgstrasse den Takt an.

Schwierigkeiten gab es, laut Kobi, keine. Ausser man zähle die Vielzahl an Fussgängern dazu: «Da es rund fünfmal mehr Fussgänger im Könitzer Zentrum hatte, mussten einige Geschäfte mehr Platz Schaffen. So baute zum Beispiel die Migros in ihrem neu eröffneten Gebäude einen zusätzlichen Lift», erzählt Kobi lachend. Denn auch die Geschäfte profitierten von mehr Laufkundschaft.

Erfolgsmodell könnte auch in Kriens angewendet werden

Sowohl für die Fussgänger als auch für den öffentlichen Verkehr und die Autofahrer, selbst die Geschäfte vor Ort, war die Zentrumsumgestaltung mit der Errichtung einer Tempo-30-Zone ein durchgehendes Erfolgsmodell. So geben sich, laut Kobi, heute alle Parteien mit dem Tempo 30 zufrieden. Auch in Kriens wäre eine solche Option denkbar, meint Kobi. Er ist überzeugt, dass es auch in Luzern zu einem Paradigmenwechsel kommen wird.

Rund um das Krienser Zentrum sind künftig verkehrstechnische Veränderungen zu erwarten.

Rund um das Krienser Zentrum sind künftig verkehrstechnische Veränderungen geplant.

(Bild: Stadt Kriens)

Veranstaltungshinweis: Diesen Mittwoch, 18.30 Uhr, findet im Schappe-Saal in Kriens eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Thema «Tempo 30 im Zentrum von Kriens?» statt. Unter anderem kommen Fritz Kobi, Projektleiter von Köniz, Dominik Hertach, IG attraktives Kriens, und SVP-Einwohnerrätin Michèle Binggeli zu Wort. Mehr Infos unter www.attraktives-kriens.ch

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