Politik
Zuger Nationalrat: «Sind langsam am Ende der Pandemie»

SVP-Aeschi will Covid-Zertifikatspflicht beerdigen

«Wir sind langsam am Ende der Pandemie», sagt SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi. (Bild: zvg)

Nicht nur Zuschauer der höchsten Fussball- und Eishockeyliga, sondern auch die Spieler brauchen ein Covid-Zertifikat. Der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi hinterfragt diesen Entscheid. Und fordert: Die Zertifikatspflicht müsse aufgehoben werden. Ungeimpften empfiehlt er aber nicht, Grossanlässe zu besuchen.

Wer sich ein Spiel des EVZ oder des FCL anschauen will, braucht ein Covid-Zertifikat. Neuerdings müssen auch die Profis auf dem Eis oder Rasen sowie ihr Staff geimpft, genesen oder getestet sein. Wie zentralplus berichtete, führen die beiden obersten Sportligen diese Neuerung ein.

Der Einsatz des Covid-Zertifikats gibt diesen Sommer viel zu reden. Soll man es auch in Restaurants und Fitnesszentren zur Pflicht machen? Der Zuger SVP-Nationalrat und Fraktionschef Thomas Aeschi hat dazu eine klare Meinung.

zentralplus: Thomas Aeschi, Sie haben sich zuletzt dagegen ausgesprochen, das Covid-Zertifikat auf neue Bereiche auszuweiten. Was halten Sie vom Entscheid der Fussball- und Eishockey-Ligen, dieses für Spieler und Staff obligatorisch zu erklären?

Thomas Aeschi: Ich finde das nicht richtig. Unsere Meinung ist seit Langem, dass man die Massnahmen lockern sollte, sobald alle geimpft sind, die sich impfen lassen wollen. Das dürfte laut Bundesamt für Gesundheit Ende August der Fall sein. Spätestens dann muss die Zertifikatspflicht aufgehoben werden.

zentralplus: Die Ligen argumentieren mit der gegenwärtigen Situation rund um das Corona-Virus: Die Fallzahlen steigen wieder.

Aeschi: Die Covid-Massnahmen dienten immer dazu, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Im Moment sind nur wenige Spitalbetten durch Covid-Patienten belegt. Wir sind langsam am Ende der Pandemie. England ist dafür ein gutes Beispiel: Die Massnahmen wurden weitgehend gelockert und die Fallzahlen sinken.

zentralplus: Die Zertifikatspflicht stellt die Sportler den Zuschauern gleich, die auch geimpft, negativ getestet oder genesen sein müssen, um ins Stadion zu kommen.

Aeschi: Ja, aber die Gleichstellung muss in die andere Richtung gehen. Auch bei den Besuchern muss die Zertifikatspflicht spätestens Ende August aufgehoben werden. Sobald alle Impfwilligen sich impfen lassen konnten, ist eine Zweiklassengesellschaft nicht mehr legitim.

«Wer geimpft ist und damit geschützt, muss keine Angst haben.»

zentralplus: Doch als Besucherin eines Spiels möchte ich eine gewisse Sicherheit haben, dass ich mich nicht einem hohen Ansteckungsrisiko aussetze – auch wenn ich geimpft bin.

Aeschi: Wer geimpft und damit geschützt ist, muss keine Angst haben. Doppelt Geimpfte stecken sich nur selten an und wenn das trotzdem passiert, sind die Krankheitsverläufe in der Regel milde, es kommt bei solchen Personen äusserst selten zu Hospitalisierungen.

zentralplus: Und die Ungeimpften? Ohne Covid-Zertifikat sind sie ja einer potenziellen Ansteckung ungeschützt ausgeliefert?

Aeschi: Ich würde einer ungeimpften Person nicht empfehlen, an grossen Menschenveranstaltungen teilzunehmen. Denn es stimmt, sie gefährden sich. Aber es gibt auch Leute, die eine Risikosportart betreiben, rauchen oder zu viel Zucker essen: Der Staat kann und vor allem darf die Bevölkerung nicht so eng an der Leine führen, dass er ihr alles vorschreibt. Wer sich nicht impfen lassen will, soll nicht indirekt dazu gezwungen werden. Die Impfung muss ein freiwilliger Akt sein – auch bei Fans und Profisportlern.

zentralplus: Was ist mit denen, die sich nicht impfen lassen können – zum Beispiel Kinder?

Aeschi: Kinder haben ein sehr geringes Risiko für einen schweren Verlauf. Und für alle älteren und gefährdeten Personen, die nicht geimpft sind, gelten weiterhin die Schutzmassnahmen wie Maskentragen, Abstand und Hygiene.

zentralplus: Ohne Zertifikate sind Ungeimpfte weniger gut geschützt. Könnte das Kippen der Zertifikatspflicht folglich die Impfquote erhöhen?

Aeschi: Es kann sein, dass dies mehr Leute zu einer Impfung bewegt, es kann aber auch sein, dass eine Ausweitung der Zertifikatspflicht zum Beispiel auf Restaurants diese Wirkung hat. Das ist schwierig vorherzusagen, ich bin kein Sozialpsychologe.

zentralplus: Die politische Diskussion zum Einsatz des Covid-Zertifikats ist derzeit in vollem Gange. Wie erleben Sie sie?

Aeschi: Die Diskussion um den Anwendungsbereich der Covid-Zertifikate ist ein typischer Sommerloch-Disput. Ich denke, die Situation wird sich beruhigen, wenn der Bundesrat am 11. August die nächste Medienkonferenz abhält. Ich gehe aufgrund von Gesprächen mit der Verwaltung davon aus, dass er dann die Aufhebung der Massnahmen in die Vernehmlassung schickt.

«Christoph Blocher hat soeben in einem Interview empfohlen, sich impfen zu lassen.»

zentralplus: Eine Befragung von Sotomo zeigte kürzlich, dass sich 51 Prozent der SVP-Anhänger nicht impfen lassen wollen (siehe Grafik). Die NZZ bezeichnete die SVP als Partei der Impfgegner. Sind Sie das?

Aeschi: Christoph Blocher hat soeben in einem Interview empfohlen, sich impfen zu lassen. Ich bin zweimal geimpft, unser Parteipräsident auch: Viele in der SVP lassen sich impfen, aber selbstverständlich haben wir auch impfkritische Mitglieder und Wähler.

zentralplus: Sie pochen also nicht auf die Aufhebung der Massnahmen, weil das in der Basis gut ankommt.

Aeschi: Nein, sondern weil es das Richtige ist. Wir haben von Anfang an gesagt: Sobald die Risikopatienten und ältere Menschen mit geschwächtem Immunsystem geimpft sind, können wir die Massnahmen aufheben.

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