Politik
Bildung in der Stadt Zug

Streit um Zugs rekordhohe Bildungsausgaben

Die Bildungskosten in Zug sind überdurchschnittlich hoch. (Bild: Yvonne Anliker)

Kaum eine Schweizer Stadt investiert so viel in die Bildung wie Zug. Das wird nicht überall gleich positiv gesehen. Rechte Politiker monieren, der Verwaltungsapparat sei dadurch unkontrolliert gewachsen. Während ein Regierungsrat vor einer Krise warnt, sehen andere das grosszügige Betreuungsangebot in Gefahr.

Der Zuger Stadtrat legt grossen Wert auf ein attraktives Bildungsangebot. Dieses umfasst nicht nur qualitativ gute Schulen und Kindergärten, sondern auch Sportangebote, eine bedeutende Musikschule, eine umfangreiche Bibliothek und adäquate ausserschulische Betreuung, die preislich für alle erschwinglich ist. Das Angebot kostet die Stadt Zug jedoch eine ganze Stange Geld. Und genau das wird kritisiert. Gemeinderat Philip C. Brunner (SVP) moniert: «Seit 2007 haben sich die Kosten im Bildungsdepartement dramatisch erhöht.»

Fest steht, dass der Totalaufwand des Zuger Bildungsdepartements 2012 bei 62,2 Millionen Franken lag. Auf 1994 Schüler verteilt, ergäbe dies milchbüchleinmässig gerechnet rund 30’700 Franken pro Kopf. Im Jahr 2007 waren es Gesamtaufwände von 46,6 Millionen auf 1952 Schüler. Detaillierte Pro-Kopf-Zahlen gibt es nicht und die Bildungsausgaben in den verschiedenen Gemeinden sind schwierig zu vergleichen. Die Normpauschale, die der Kanton Zug allen Gemeinden vorgibt, liegt für Primarschulen bei 10’466 und Sekundarschulen bei 18’248 Franken. Die Stadt Luzern hat pro Lernende Vollkosten zwischen 13’000 (Primarstufe) und 17’500 Franken im Jahr (Sekundarstufe).

Zankapfel ausserschulische Betreuung

Den rechten Kreisen ist vor allem das schulergänzende Betreuungsangebot ein Dorn im Auge, das im Bildungsdepartement integriert ist. Denn dieses ist – zusammen mit diversen Vereinsbeiträgen und inklusive KITA-Subventionen – der zweitteuerste Kostenfaktor im Budget. Die Stadt hat – anders als die restlichen Zuger Gemeinden – gerade dieses Angebot kontinuierlich ausgebaut. So subventioniert sie Plätze in Kindertagesstätten, Mittagstischen und stellt Betreuungsangebote am Nachmittag zur Verfügung. Sogar während den Ferien können Familien ihre Kinder seit kurzem betreuen lassen. Alle Angebote werden auch rege genutzt. Beispielsweise wurden im vergangenen Jahr 129 Kinder während der Ferienzeit betreut.

Der Zuger Bildungsdirektor und Brunners Parteikollege Stephan Schleiss hat dazu eine klare Meinung. «Schulergänzende Angebote sollten kostendeckend an die Eltern weiterverrechnet werden. Kostenwahrheit ist die fairste und klügste Lösung für alle Beteiligten.» Denn es sei schon eine ganze Menge, dass der Staat mit der Schule den Zugang zur Bildung für alle sicherstelle. «Eine darüber hinaus gehende Betreuung darf es nur in Notfällen geben, etwa im Zusammenhang mit Armut oder auch Verwahrlosung», so Schleiss.

Ein Schweizer Leuchtturm

Der für das Bildungsdepartement zuständigen Stadträtin Vroni Straub-Müller (CSP) ist aber gerade das Angebot an Betreuung besonders wichtig: «In Sachen Betreuungsangebot ist die Stadt schweizweit ein Leuchtturm», betont sie. «Wir schaffen damit die Voraussetzungen, dass Mütter in ihren Beruf zurückkehren können, wenn sie das möchten – auch in sozial schlechter gestellten Familien. Volkswirtschaftlich gesehen zahlt sich dies für die Stadt doppelt und dreifach aus.»

Von einem Staat, der sich via soziale Wohlfahrt in immer mehr Lebensbereiche einmischt, hält Stephan Schleiss aber gar nichts. Ein solcher Staat bevormunde seine  Bürger und mache Versprechungen, die er über kurz oder lang nicht halten kann. «Ein solches Verhalten des Staates führt zuletzt immer in eine Krise», malt er gar ein Schreckensszenario.

Kostentreiber oder Standortvorteil?

Vroni Straub-Müller reagiert sehr unwirsch auf solche Vorwürfe. «Wollen wir stolz auf unser Angebot sein oder wollen wir es lediglich als Kostentreiber erachten? Ich bin der Meinung, wir sollten stolz darauf sein.» Genau solche Angebote mache schliesslich die Stadt für die Wohnbevölkerung attraktiv. «Ein Kind etwa das in der Schönegg wohnt, soll nicht kilometerweit laufen müssen, um in den nächsten Kindergarten zu kommen. Den Leuten, die in unsere Stadt ziehen, sind genau solche Sachen wichtig.» Und damit leiste das Angebot auch seinen Beitrag für ein wirkungsvolles Standortmarketing.

«Das Bildungsdepartement hat einen hohen Nutzen», betont auch der Stadtzuger Finanzchef Karl Kobelt (FDP). Doch er räumt ein, dass dies zu entsprechend hohen Kosten führe. Das Departement sei indes im Sparpaket nicht geschont worden. «Auch das Bildungsdepartement ist gefordert, mit den vorhandenen Mitteln haushälterisch umzugehen.» Die Wahrscheinlichkeit, dass das Budget bedeutend beschnitten würde, ist gering, denn die Stadt will den Hebel zuerst bei den hohen Finanzausgleichskosten ansetzen. Kleinere Sparmassnahmen aber sind gemäss Kobelt in die Wege geleitet, zum Beispiel eine leichte Erhöhung der Klassengrössen.

«Die Stadt Zug nimmt mit ihrem ausgezeichneten Stadtschulen einschliesslich der Tagesschule sowie dem guten Betreuungsangebot ihre Aufgabe sehr gut wahr», lobt Kobelt. In der Bundesverfassung ist im Bildungsartikel sogar festgehalten, dass Bund und Kantone für einen qualitativ hoch stehenden und durchlässigen Bildungsraum Schweiz zu sorgen hätten.

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