Kulturdebatte ums Stadtpräsidium

Stapi-Casting: Wer wird neuer «Kulturboss» in Zug?

Eliane Birchmeier (FDP), André Wicki (SVP), Urs Raschle (Mitte) und Barbara Gysel (SP) kämpfen um das Zuger Stadtpräsidium (v. l.). Am Dienstagabend wurden sie von Zuger Kulturschaffenden gecastet. (Bild: Dominique Moccand)

Das Kunsthaus aufwerten, eine Ausstellung an der Zuger Seepromenade à la Rimini oder AC/DC im Casino? Die vier Kandidierenden für das Zuger Stadtpräsidium sprühen vor Ideen, wie Zug die Kulturszene fördern kann. zentralplus war am Stapi-Casting dabei.

Der neue Stadtpräsident oder die neue Stadtpräsidentin von Zug wird Boss der städtischen Kulturpolitik. Ende 2022 gibt der amtierende Stapi Karl Kobelt (FDP) sein Amt ab (zentralplus berichtete). Am Dienstagabend casteten Zuger Kulturschaffende auf der «Satz & Pfeffer»-Lesebühne die Kandidierenden fürs Stadtpräsidium: Eliane Birchmeier (FDP, bisher), Barbara Gysel (SP, neu), Urs Raschle (Mitte, bisher) und André Wicki (SVP, bisher).

Im Kreuzverhör zeigten sich die Kandidierenden wahlweise von einer überraschenden, lustigen, ernsthaften oder innovativen Seite. zentralplus war dabei, hat den Auftritt der vier «Kulturbosse» in spe unter die Lupe genommen und in Casting-Manier bewertet.

Urs Raschle: «Nerve mich, wenn Kultur einfach ein Seich ist»

Urs Raschle will das Casino wieder zum «Scheinen» bringen. (Bild: Dominique Moccand)

Das will Urs Raschle als Kulturchef: Möchte das Casino Zug als «Haus des Volks» zusammen mit der neuen Intendanz wieder zum «Scheinen» bringen. Will als Stiftungsratspräsident des Casinos genauer hinschauen, wie die Gastronomie oder die Veranstalterinnen ihre Aufgaben umsetzen. Gleichzeitig ist Raschle der Meinung, dass Zug nicht alles braucht. Zürich und Luzern seien nahe, beide Städte hätten ein tolles Kulturangebot. «Kulturell fehlt Zug nichts», ist Raschle überzeugt.

Das haben wir über ihn gelernt: Würde den Flohmarkt parallel zur Jazz Night Zug bewilligen. «Wenn's passt, unterstütze ich das», so Raschle auf die Frage aus dem Publikum. Nervt sich, wenn Kultur «einfach ein Seich» ist. Bewilligt rund 400 Anfragen von Veranstaltern pro Jahr und hat Zug ein Aquarium auf dem Stierenmarkt erspart.

Auftritt: Ein Mann mit Schalk. Die Fragen der Moderatoren parierte er schlagfertig – oder wich ihnen gekonnt aus. Kam trotzdem ins Schwitzen und hängte für Runde 2 seinen Sakko über den Stuhl.

Gesamtnote: 5

Eliane Birchmeier: «Farben sind auch Kultur für mich»

Eliane Birchmeier weiss, dass die Stadt Zug kulturell unruhige Jahre hatte. (Bild: Dominique Moccand)

Das will Eliane Birchmeier als Kulturchefin: Als Stapi würde sie sich nicht als «Kulturboss» verstehen. «Meine Aufgabe wäre es, Kultur zu stärken», so Birchmeier. Findet, dass es nicht allein Aufgabe der Stadt ist, Räume für Kulturschaffende bereitzustellen. Zusammen mit Eigentümern gelte es, Industriebrachen clever und kulturell zwischenzunutzen. Weiss, dass die Stadt Zug kulturell unruhige Jahre hatte. «Jetzt müssen wir Kultur machen und weniger politisieren», ist Birchmeier überzeugt. Dass eine Stadt wie Zürich die Jugendlichen kulturell besser abholt, findet sie nicht schlimm.

Das haben wir über sie gelernt: Möchte von Patti Basler persifliert werden. Sagt von sich, ein Kulturmensch zu sein, auf ihrer Wahl-Website ist das Wort «Kultur» aber unauffindbar. Auch die Farben der Zuger Altstadt sind Kultur für sie.

Auftritt: Legte einen verhaltenen Start hin. «Ihr merkt die Leidenschaft, wenn ich über Kultur spreche!», sagte Birchmeier mit angestrengtem Gesicht. Das Publikum tat es nicht. Zündete den Nachbrenner und gewann das Publikum in Runde 2 mit Argumenten und – tatsächlich – Leidenschaft.

Gesamtnote: 5

André Wicki: «Eine Stadt ohne Kultur ist seelenlos»

André Wicki will AC/DC nach Zug bringen. (Bild: Dominique Moccand)

Das will André Wicki als Kulturchef: Für ihn hat der Ausbau und die Förderung des Kunsthauses oberste Priorität. Als Vorbild sieht Wicki die Fondation Beyeler in Riehen (BL). «Das Kunsthaus ist eine Perle», ist er überzeugt. Den lokalen Künstlerinnen will er an der Seepromenade zweimal pro Jahr für vier Wochen eine Plattform bieten. «Das habe ich in Rimini gesehen», so Wicki. Glaubt, dass es genug Räume für Kulturschaffende in Zug gibt, die nur bespielt werden müssten.

Das haben wir über ihn gelernt: Würde beim Mittagessen aufs Dessert verzichten, um mehr Geld für Kultur zu haben. Will AC/DC nach Zug bringen, hat den «Duck Walk» von Gitarrist Angus Young dafür schon intus.

Auftritt: Den AC/DC-Fan kaufte ihm das Publikum ab. Zeigte sich betont locker, Hände in den Hosentaschen, Daumen raus. Mit Abstand der Präsenteste unter den Kandidierenden, obschon seine wolkigen Voten irgendwie im Raum verpufften.

Gesamtnote: 4.75

Barbara Gysel: «Lieber Leuchttürmli statt Leuchtturm»

Barbara Gysel will keinen Leuchtturm, dafür «Leuchttürmli». (Bild: Dominique Moccand)

Das will Barbara Gysel als Kulturchefin: Gysel ist überzeugt, dass Zug keinen Leuchtturm braucht, aber bereits mehrere «Leuchttürmli» hat. «Ich sehe Zug nicht als Kulturstadt, die in ganz Europa bekannt ist», sagt sie. Trotzdem müsse die Stadt mehr Energie und Zeit investieren, um die Kulturangebote in Zug zu kommunizieren. Findet, dass in Zug grundsätzlich Räume für Kulturschaffende existieren, diese aber zu wenig niederschwellig sind. Hier sieht sie den Stadtrat, der in der Vergangenheit zu wenig mit den Kulturschaffenden gesprochen habe, in der Verantwortung.

Das haben wir über sie gelernt: Konsumiert heimlich André Wickis AC/DC-Tänze und kann schlecht Gedichte rezitieren. Findet, dass ein grosser Vorteil von Zug gegenüber Luzern ist, dass die Stadt kein KKL finanzieren muss.

Auftritt: Gab sich als einzige Neue neben den bestehenden Stadträten keine Blösse, blieb aber über weite Strecken unnahbar. Ihr Kulturmanagement-Studium drücke durch, fand das Publikum: leerer Management-Sprech und starke Argumente hielten sich die Waage. Nahm sich als einzige der vier Kandidierenden heraus, auf eine Frage nicht zu antworten.

Gesamtnote: 4,5

Verwendete Quellen
  • Besuch am Zuger Kultur-Casting
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