Image Kanton Luzern

«Sparen ist keine Vision»

Die geplante zusätzliche Ferienwoche für Schüler hat ausserhalb des Kanton Luzerns einen bleibenden - leider negativen - Eindruck hinterlassen. (Bild: mal)

Zusätzliche Ferienwoche für Schüler, Finanzprobleme, Gerangel um die Zentral- und Hochschulbibliothek, Polizeikrise, Absage an das Zürcher Sechseläuten: Der Kanton Luzern stand zuletzt oft im Fokus der Medien – meist mit negativen Schlagzeilen. Es ist zu befürchten, dass darunter das Image des Kantons gelitten hat. Doch trifft das zu? zentral+ hat ausser- aber auch innerhalb der Kantonsgrenzen nachgefragt. Eines vorweg: Entscheidungen und Ereignisse haben ihre Spuren hinterlassen.

Hohe Wellen, zumindest so hohe, dass die Sparidee die Kantonsgrenzen überwindete, warf der Vorschlag, eine zusätzliche Ferienwoche an den Schulen einzuführen. Dies bestätigt Peter Hegglin, Finanzdirektor des Kanton Zug: «Aufgrund der Schülerstreiks habe ich sicher die Sparübungen im Bereich Bildung wahrgenommen.» Angekommen ist dieses Vorhaben auch bei Kilian Borter, der bei der Kommunikations- und PR-Agentur «Open Up» in Zürich arbeitet. Auf die Frage, welche Sparmassnahme ihm vom Kanton Luzern bekannt sei, antwortet Borter: «Sicher die Zwangsferien an den Schulen. Aber auch ganz generell, dass Luzern sparen muss.»

Die Fachleute fragen sich: «Geht es eigentlich noch?»

Für Borter zeigt die Massnahme «Zwangsferien» aber auch etwas Widersprüchliches in der Luzerner Sparpolitik: «In der Bildung will man sparen. Von der Volksschule, Gymnasium bis zu den Fachhochschulen. Auf der anderen Seite will man an der Universität eine neue Fakultät für Wirtschaft eröffnen. Das ist für mich sehr widersprüchlich und passt gar nicht ins Bild des Sparenmüssens.»

Deutlicher wird Paul Bürkler, Dozent für Verwaltungsmanagement an der Hochschule Luzern: «Sparmassnahmen wie eine zusätzliche Ferienwoche können nicht ernst genommen werden. Die Fachleute dahinter fragen sich: Geht es eigentlich noch?» Das Erfolgsmodell Schweiz basiere laut Bürkler darauf, dass sich um die 90 Prozent der Bürger bei ihrer Arbeit das Bein ausreissen würden und fragt: «Macht man das noch, wenn die Vorgesetzten solch unüberlegte Ideen äussern? Das bezweifle ich.»

Ebenfalls Wellen geschlagen hat die Absage des Kantons Luzern am Zürcher Sechseläuten (zentral+ berichtete). Peter Hegglin bestätigt, dass diese das Image des Kantons «eher negativ» beeinflusst hat. Kilian Borter räumt ein, dass eine solche Absage halt vor allem für Medien interessant sei: «Das war für die Medien ein gefundenes Fressen. Ich vermute aber, dass andere Themen einen grösseren Impact hätten, aber für die Medien zu wenig interessant waren.»

Senkung der Unternehmenssteuer wird als Misserfolg gesehen

Nach aussen dringt natürlich auch die Steuerstrategie des Kanton Luzerns. Dank einer tiefen Unternehmenssteuer wird versucht, Firmen und deren Angestellte nach Luzern zu locken. Der Finanzdirektor des Kantons Zug nennt es «eine mutige Strategie». Paul Bürkler führt an, dass solche Strategien nicht einfach so von einem Kanton abzuschauen und zu übertragen seien: «Politisch ist Luzern auf einem unguten Weg. Wir können mit 400’000 Einwohnern nicht dieselben Massnahmen treffen wie ein Kanton mit deutlich weniger Einwohnern.»

Er betont, dass tiefe Unternehmenssteuern alleine keinen Betrieb dazu bewege, nach Luzern zu ziehen: «Betrachten wir das Rontal: Was nützt die Ansiedlung von Industrie, wenn man gar keinen Platz mehr hat? Oder Flüeli: Kein internationales Geschäft geht dahin, weil es zu weit weg vom Flughafen ist. Da nützt auch eine tiefe Unternehmenssteuer nichts.»

Auch Kilian Borter bestätigt, dass die Luzerner Steuerstrategie ausserhalb der Kantonsgrenzen stark wahrgenommen werde: «Luzern hat probiert das nachzumachen, was andere Zentralschweizer Kantone vorgemacht hatten, allen voran Zug.» In Luzern scheine diese Strategie aber nicht gut herausgekommen zu sein und in Zug würde sie im Zusammenhang mit dem Finanzausgleich kritisiert: «Luzern als Empfänger senkt die Unternehmenssteuer um attraktiver zu werden, das wird als unfair wahrgenommen.» Frank Bodmer, Dozent an der Universität Basel und selbstständiger Berater, lebt in der Ostschweiz und sieht in der Steuerstrategie Luzerns vor allem Probleme bei den direkten Nachbarkantonen.

Das Image des konservativen und katholischen Kantons

Zwischenstand: Die beschriebenen Ereignisse sind dem Image des Kantons nicht dienlich. Welche Auswirkungen hat dies nun? Wie wird der Kanton wahrgenommen? «Im Moment als Kanton, aber auch als Stadt mit Finanzproblemen», sagt etwa Borter. «Luzern ist in meiner Wahrnehmung ein ländlicher, konservativer Kanton mit dem grossen Standortfaktor Tourismus.» Der Pilatus, die Stadt Luzern oder der Vierwaldstättersee seien Tourismusmagnete. «Es fällt aber auch der grosse Gegensatz auf: Die Stadt versus die ländlichen Gebiete Richtung Entlebuch. Letzteres gibt ein sehr konservatives Bild ab», so Borter.

Ähnlich sieht das auch Paul Bürkler von der Hochschule Luzern: «Der massive Stadt-Land Graben ist eines der ungelösten Probleme und man hat keine Ideen, dieses anzupacken.»

Bürkler befürchtet, dass sich dieser Graben in Zukunft eher noch vertiefen wird: «Wenn jemand, der 20 Kilometer von der Stadt weg wohnt den Anspruch hat, in der Stadt immer einen Parkplatz zu finden, aber rund 40 Prozent der Städter kein Auto haben, tut sich der Graben immer weiter auf.» Als weiteres Beispiel erwähnt Bürkler die Zentral- und Hochschulbibliothek: «Die Idee eines Neubaus der ZHB ist ja keine Folge von seriösen Abklärungen, sondern von einem doofen Hüftschuss. Der Stadt soll etwas aufgedrückt werden.»

Luzern als dynamisches Zentrum der Zentralschweiz

Natürlich werden in anderen Kantonen aber auch positive Seiten Luzerns bemerkt. «Luzern hat in den letzten 20 Jahren versucht sein Image und seine wirtschaftliche Attraktivität zu steigern», bemerkt Frank Bodmer, «angefangen beim KKL, über die Fachhochschule und Universität bis zu einer aktiven Steuerpolitik, welche sowohl bei den natürlichen als auch bei den juristischen Personen zu einer tieferen Steuerbelastung geführt haben.» Dabei sei vieles erreicht worden. «Luzern ist damit zum dynamischen Zentrum einer sehr dynamischen Innerschweiz geworden und ist sowohl als Wohnort als auch als Beschäftigungszentrum attraktiv.»

Ähnlich sieht es der Zuger Finanzchef Peter Hegglin: «Luzern ist ein wichtiger Kanton in der Zentralschweiz, mit grosser touristischer und internationaler Ausstrahlung. Er ist eher landwirtschaftlich geprägt, verfügt über grosse Landreserven und international bekannten Industriebetrieben wie Schindler.» Weiter nennt Hegglin das KKL, das Verkehrshaus und die Fasnacht als Luzerner Leuchttürme. Kilian Borter ergänzt die Aufzählung mit dem FC Luzern, welchen er als Luzerner Aushängeschild wahrnimmt.

Eigentlich alles super – bis auf das Sparen

Die in diesem Artikel befragten Experten machen eines deutlich: Der Kanton Luzern hat vieles zu bieten und würde eigentlich ein positives Image verdienen. Wäre da nicht das Sparen, auch verursacht durch die selbst verminderten Steuereinnahmen. «Am wichtigsten finde ich in diesem Zusammenhang, und das betrifft nicht nur den Kanton Luzern, dass Sparen keine Vision ist», erklärt Bürkler. «Es sind zwar alle damit einverstanden, alleine mit Sparen holt man die Leute aber nicht ab.»

Laut Bürkler hat die Sparwut nicht nur Auswirkungen auf die Wahrnehmung von aussen, sondern auch auf das Personalwesen des Kantons: «Das jahrelange Sparen macht den Kanton Luzern als Arbeitgeber nicht attraktiv. Sei es für einen Ingenieur, jemanden in der Verwaltung oder eine Pflegefachfrau: Sparen ist nicht spannend.» Die Stellen in der Verwaltung hätten sich jahrelang als Jobs mit einem mässigen Lohnniveau, gemässigten Arbeitszeiten und einem sicheren Arbeitsplatz ausgezeichnet. Heute sei davon nur noch das mässige Lohnniveau übrig geblieben. «Natürlich findet man immer noch Leute, welche für den Kanton arbeiten wollen. Aber wohl nicht mehr die Besten. Wie attraktiv kann eine Karriere gestaltet werden, wenn alle Entscheidungen nur noch dem Sparen unterliegen?»

Bürkler schaut dann auch in die Zukunft und sieht diese nicht rosig: «Die Diskussion um das Budget 2014/15 wird spannend. Denn es ist völlig klar, dass man bei den bestehenden Strukturen nicht da oder dort noch ein wenig sparen kann. Jetzt werden ganze Teile wegfallen.»

Fazit? Der Kanton Luzern bietet eigentlich alles, um positiv zu strahlen. Ein KKL, Tourismus, ein attraktives Umfeld für Unternehmen, das Verkehrshaus Luzern und viele weitere Highlights, welche die befragten Experten nannten. Imageschädigend wirken vor allem finanzielle Fragen: Die durch Steuersenkungen selbst verursachten Finanzprobleme und die daraus resultierenden Sparideen. Es ist zu hoffen, dass in einer nächsten Sparrunde Ideen überlegter formuliert werden. Ansonsten dürfte der Kanton Luzern erneut für negative Schlagzeilen sorgen.

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