Politik
Negative Auswirkungen des Corona-Hunde-Booms

SP-Kantonsrat fordert härtere Regeln für Luzerner Hundehalter

Der SP-Kantonsrat Peter Fässler kämpft für strengere Regeln für Hundehalter und -sitter. (Bild: zvg)

Während der Corona-Pandemie sind so einige Personen auf den Hund gekommen. Auch Personen, die nun nach der Aufhebung des Lockdowns kaum mehr Zeit für den vierbeinigen Gefährten haben. Dies stellt eine Gefahr für Mensch- und Tierwohl dar, kritisiert der Luzerner SP-Kantonsrat Peter Fässler und fordert klarere Regeln für Hundehalter und -sitter.

Tagelang nur du und der Computer: Bei vielen Personen führte der Lockdown zu Einsamkeit. Durch die vermehrt flexiblen Arbeitszeiten und das Wegfallen anderer Freizeitaktivitäten entschieden sich viele Personen, sich ein Haustier zuzulegen (zentralplus berichtete).

Zum Vergleich: In den Jahren 2018/19 stieg die Schweizer Hundepopulation um etwa 5500. Während des durch die Corona-Pandemie geprägten Jahres 2020 stieg die Anzahl Hunde mit rund 12'000 um mehr als das Doppelte.

Seit der Corona-Pandemie hat die Schweizer Nachfrage an Hunden stark zugenommen. (Bild: Identitas)

Diese Entwicklung ist nicht nur erfreulich. Normalerweise schicken viele Hundebesitzer ihre Vierbeiner in Hundeschulen oder nutzen ähnliche Angebote. Während des Lockdowns war das nicht möglich. Luzerner Hundezüchterinnen befürchteten, dass dies vermehrt zu Hunden führe, welche durch keine oder unzureichende Erziehung Fehlverhalten entwickeln würden (zentralplus berichtete). Durch die Wiedereröffnung der Geschäfte und Büros haben nun zudem einige Neu-Hundehalter wieder weniger Zeit für den vierbeinigen Gefährten.

Diese Umstände bereiten SP-Kantonsrat Peter Fässler und Mitunterzeichnern der SP sowie der Jünge-Grüne-Fraktion Sorgen. In einem Postulat fordern sie die Luzerner Regierung auf, zu überprüfen, ob die Hundehalter-Gesetze und -Verordnungen den veränderten Bedingungen noch genügen. Als Begründung nennen die Postulanten den «Schutz der Bevölkerung vor gesundheitsschädigenden Auswirkungen» und vermindertes Tierwohl.

Langer Kampf mit Kampfhunden

Das Anliegen von Fässler ist kein Neues. Bereits 2019 hatte er den Kantonsrat gefragt, ob der Kanton eine Liste von sogenannten Kampfhunden — also Hunderassen, die als besonders gefährlich gelten — führe. Das Anliegen nach speziellen Regelungen für potenziell gefährliche Hunde sei damals von verschiedensten besorgten Bürgern an ihn herangetragen worden. Damit ist der SP-Kantonsrat jedoch auf taube Ohren gestossen: «Das Verständnis seitens Kanton für die Hundeproblematik ist bisher nicht wirklich da.»

«Ich fände es für Mensch- und Tierwohl von Vorteil, würde die obligatorische Hundeschule wieder eingeführt werden. Das liegt jedoch momentan nicht im Zeitgeist.»

Peter Fässler, SP-Kantonsrat

Nun hofft Fässler, die Hundedebatte mit dem Corona-Boom erneut zu entfachen. «Viele Leute haben sich als Überbrückungsmittel während des Lockdowns einen Hund  geholt. Das ist auch nicht verwerflich. Aber man muss daran denken, dass man auch nach dem Lockdown noch Verantwortung für den Hund trägt.» Er befürchtet, dass sich nun die Leute vermehrt an die bereits ausgelasteten Tierheime wenden. Oder sich eine Hundesitterin besorgen. Diese unterliegen gemäss Fässler im Kanton Luzern zu wenig Auflagen.

Denn teilweise seien Hundesitterdienste mit mehreren zu betreuenden Hunden gleichzeitig unterwegs. Dies könne potenziell «gesundheitsschädigende Auswirkungen» haben, schreiben die Postulanten. «Wenn Hundesitter mit fünf oder mehr Hunden nicht wissen, wie man mit unruhigen Hunden umgeht, dann ist das gefährlich für andere Leute», erklärt Fässler. So käme es jährlich zu rund 300 bis 350 gemeldeten Bissattacken.

Andere Kantone machen es vor

Andere Kantone haben indes stärkere Regelungen zu Hundesitterdiensten. So nennen die Postulantinnen beispielsweise Bern oder Genf als Beispiel. Hier gilt eine Obergrenze an Hunden, die eine Einzelperson führen darf. Zusätzlich braucht es in Genf ab mehr als drei Hunden ein Leumundszeugnis. Im grossen Stil Hundesitten darf also nur, wer vor dem Staat eine reine Weste hat.

So fordern die Postulanten den Luzerner Kantonsrat auf, ähnliche etwaige Regeln für Hundesitterdienste zu überprüfen. Auch das Verlangen von Leumundszeugnissen findet bei Peter Fässler Anklang: «Der Kanton muss sich überlegen, ob man für beissfreudige Hunde stärkere Auflagen in der Tierhaltung macht. Wenn schon keinen Sachkundenachweis, dann wenigstens ein Leumundszeugnis.»

Der Hundehaltungs-Sachkundenachweis wurde nämlich auf nationaler Ebene im Jahr 2017 abgeschafft. Obschon er obligatorische Hundekurse bevorzugen würde, sieht Fässler wenig Erfolg für eine entsprechende Wiedereinführung: «Ich fände es für Mensch- und Tierwohl von Vorteil, würde die obligatorische Hundeschule wieder eingeführt werden. Das liegt jedoch momentan nicht im Zeitgeist.»

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