Politik
Ein Sturm im Wasserglas?

SP fordert Wildstauden statt Dahlien vor Hofkirche

Fast das ganze Jahr blühen vor der Hofkirche prächtige Blumen. Das will die SP Stadt Luzern ändern. Sie fordert in einem Vorstoss eine naturnähere Bepflanzung von repräsentativen Plätzen. (Bild: Philipp Lustenberger)

Zwei Politikerinnen wünschen sich eine nachhaltigere Bepflanzung von öffentlichen Plätzen. Ihre Kritik: Wechselflor verschlinge zu viele Ressourcen. Ein Streit um einen ganz kleinen Teil aller städtischen Grünflächen, wie sich zeigt.

Geranien, Gänseblümchen und Fleissige Lieschen: Wechselflor säumt in der Stadt Luzern Plätze und Strassenzüge. Wechselflor sind blüten- und farbenreiche Pflanzen, welche die Stadt zweimal im Jahr neu pflanzt. Dank ihnen blüht es in Luzern fast das ganze Jahr.

Vor allem auf repräsentativen Plätzen wie vor der Hofkirche, in den Rabatten entlang des Quais oder vor dem Schulhaus Maihof ist Wechselflor zu finden.

Nun regt sich Kritik von linker Seite an der farbigen Blumenpracht. Die SP-Grossstadträtinnen Raphaela Meyenberg und Tamara Celato kritisieren in einem Vorstoss den hohen Ressourcenverbrauch von Wechselflor. Sie meinen damit nicht nur den Dünger- und Wasserbedarf, sondern auch den personellen und finanziellen Aufwand. Denn Wechselflorflächen werden mehrmals jährlich mit neuen Blumen bepflanzt.

Ihr Fazit: Wechselflor sei mit Blick auf die Biodiversität und in Zeiten des Klimawandels «unvertretbar».

Wildstauden statt Blumenpracht vor der Hofkirche?

Was schlagen die SP-Politikerinnen vor? «Die Stadt Luzern bekennt sich zum ökologischen Pflanzenbau. Diese Haltung ist auf dem ganzen Stadtgebiet zu vertreten und umzusetzen. Auch an prestigeträchtigen Standorten», heisst es im Postulat.

Den Postulantinnen schwebt zum Beispiel das Pflanzen von Wildstaudenrabatten vor, wie dies vor Kurzem in der Ufschötti passiert sei. Diese würden die Artenvielfalt fördern, die Umwelteinwirkung reduzieren und der Bevölkerung die Schönheit einheimischer Pflanzen näherbringen.

Meyenberg und Celato fordern den Stadtrat schliesslich auf, zu prüfen, ob die Stadt nicht auch an repräsentativen Standorten auf Wechselflor verzichten kann.

Beide Politikerinnen waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Wechselflor macht nur 0,1 Prozent aller Grünflächen aus

Wer wissen will, wie viel Wechselflor auf städtischem Boden überhaupt wächst, wird indes schnell fündig. So weist der Geschäftsbericht 2021 der Stadt aus, wie viel naturnahe Grünflächen sie bewirtschaftet. Ihr Anteil an allen städtischen Grünflächen beträgt aktuell 47 Prozent.

Von den total 1,96 Millionen Quadratmetern Grünfläche der Stadt Luzern sind gerade mal 2’000 mit Wechselflor bepflanzt. Dies fördert eine Anfrage bei der städtischen Abteilung Stadtgrün zutage. Der Wechselflor, heisst es dort, werde von Stadtgrün selbst und nach den Richtlinien von Bio Suisse angebaut.

Für Luzern Tourismus bislang kein Thema

Zweifellos erfreuen sich auch viele Besucherinnen von Luzern an der Blumenpracht. Dies bestätigt Luzern Tourismus auf Anfrage. «Uns erreichen jedes Jahr Rückmeldungen von Gästen, die sich über das farbige Stadtbild freuen», sagt ein Sprecher von Luzern Tourismus.

Luzern Tourismus habe bislang gegenüber der Stadt aber keine Wünsche geäussert, was die Bepflanzung des öffentlichen Raums anbelangt.

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