Politik
Luzern verschärft nächste Woche die Regeln

Regierungsrat Guido Graf erklärt das 3G-plus-Chaos

Der Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf. (Bild: jal)

Zertifikat plus Maske: Der Kanton Luzern wird nächste Woche 3G plus einführen. Gesundheitsdirektor Guido Graf sagt, wieso es zum kommunikativen Wirrwarr kam, was er von 2G hält und ob Fasnächtler noch hoffen dürfen.

386 neue Coronafälle meldete der Kanton Luzern diesen Freitag. 389 waren es am Tag zuvor, sogar 492 am Mittwoch. Die Fallzahlen sind so hoch wie nie seit Ausbruch der Pandemie. Während der Bundesrat mit Verschärfungen zuwartet, preschte der Luzerner Gesundheitsdirektor am Mittwochabend vor.

In der «Rundschau» des Schweizer Fernsehens kündigte er die Einführung der 3G-plus-Regel an: Auch an Anlässen mit Zertifikatspflicht müssten Besucher neu eine Maske tragen (zentralplus berichtete). Die Aussagen sorgten für Aufsehen, denn ursprünglich hiess es, sie gelten bereits ab diesem Freitag.

Kurz darauf die verwirrende Korrektur: Die Verschärfung sei noch gar nicht beschlossen, liess der Gesundheitsdirektor via Medien verlauten. Eine offizielle Information blieb aus (zentralplus berichtete).

Was gilt nun und was war da los? zentralplus hat beim Regierungsrat nachgefragt.

zentralplus: Guido Graf, Ihr Auftritt in der Sendung, die darauffolgenden Medienberichte und die Korrektur der Aussage haben grosse Verwirrung gestiftet. Reden wir Klartext: Wann kommt die 3G-plus-Regelung im Kanton Luzern?

Guido Graf: Ich habe über 3G plus gesprochen, ja, aber nicht über den Zeitpunkt. Fest steht: Diese Reglung kommt.

zentralplus: Wann?

Graf: Die Regierung wird in der kommenden Woche entscheiden und die Regelung gegen Ende Woche in Kraft setzen.

zentralplus: Dann gelten die neuen Bestimmungen ab nächstem Freitag?

Graf: Das genaue Datum steht noch nicht fest, aber es wird in der kommenden Woche sein.

zentralplus: Die zweite offene Frage ist: Wo wird 3G plus gelten – also Zertifikats- plus Maskenpflicht?

Graf: Die Regierung konzentriert sich auf die Innenräume, wo wir eine Herausforderung haben. Und nicht auf die Aussenräume.

zentralplus: Ganz konkret: Dann gilt Maskenpflicht im Kino, an Konzerten und im Restaurant? Aber nicht an Fussballspielen?

Graf: Was konkret gilt, werden wir offiziell kommunizieren, sobald wir so weit sind.

zentralplus: Hatten Sie viele Reaktionen auf die Ankündigung?

Graf: Wir hatten Rückmeldungen ja. Manche begrüssen die geplanten Massnahmen, andere hatten Verständnisfragen.

zentralplus: Wir erhielten viele Reaktionen, insbesondere weil zunächst die Rede davon war, dass die neuen Massnahmen bereits diesen Freitag umgesetzt würden.

Graf: Das war ein Missverständnis mit der «Rundschau». Die Medien haben das übernommen und so hat es sich verbreitet. Ich hatte diese Aussage nicht gemacht.

«Für mich ist die Pflicht zu 2G derzeit eine rote Linie. »

zentralplus: Trotzdem: Man könnte meinen, Sie wollten sich in einer Sendung, die eine nationale Bühne bietet, als tatkräftiger Gesundheitsdirektor darstellen. Was war Ihre Motivation, eine solche wichtige Neuerung in einem Fernsehinterview statt über Ihre offiziellen Kanäle bekanntzugeben?

Graf: Nein, das war ganz anders. Die «Rundschau» hatte mich angefragt, weil ich zuvor gefordert hatte, dass der Bundesrat die Führung übernimmt, um ein kantonales Flickwerk zu verhindern.

zentralplus: Es war also nicht die Idee, die Verschärfung im Fernsehen anzukündigen.

Graf: Nein, denn sehen Sie: 3G plus ist ja keine neue Erfindung. Diese Regelung wird heute bereits zum Beispiel im Luzerner Theater, in verschiedenen Altersheimen wie auch im Luzerner Kantonsspital angewendet. Wir werden also, was gewisse Institutionen teilweise schon umsetzen, unaufgeregt in eine Verordnung giessen.

zentralplus: Aber die machen das freiwillig. Neu wäre das ja verbindlich.

Graf: Ja, das gilt dann für alle.

zentralplus: Wieso macht aus Ihrer Sicht 3G plus mehr Sinn als 2G?

Graf: Das Virus wird bleiben, also müssen wir damit leben lernen. Das heisst: Es gibt Momente, in denen wir auch in Zukunft eine Schutzmaske anziehen müssen. Für mich ist die Pflicht zu 2G derzeit eine rote Linie. Denn Getestete hätten keinen Zutritt mehr, dessen muss man sich bewusst sein. Aber müsste ich wählen zwischen Shutdown und der Pflicht zu 2G, würde ich wohl 2G wählen.

zentralplus: Wir erleben gerade ein sehr unerfreuliches Déjà-vu. Statt besinnliche Weihnachten droht erneut ein strenger Winter. Ist Luzern dafür gewappnet?

Graf: Wir haben jetzt eine bessere Ausgangslage als vor einem Jahr. Wir haben viele Impfdurchbrüche, aber der Krankheitsverlauf ist bei den Geimpften in den allermeisten Fällen eher milde. Wir haben aktuell weniger Covid-Erkrankte im Spital als im Vorjahr, und von denen ist ein ganz grosser Teil nicht geimpft, was ich sehr bedaure. Kurz: Wir haben es einigermassen im Griff. Mich würde es aber nicht erstaunen, wenn Patienten z.B. von der Ostschweiz ins Mittelland verlegt werden müssten, und vom Mittelland in die Westschweiz, falls sich die Lage verschärfen sollte.

«Die Fasnacht ist ein Teil unserer Kultur. Klar hoffen wir, dass sie stattfinden kann.»

zentralplus: Ungeimpft sind auch viele Schüler. In Luzern gab es kürzlich einen grossen Ausbruch im Säli-Schulhaus. Nun wird die Forderung nach Reihentests auch auf Primarstufe laut (zentralplus berichtete).

Graf: Wir haben im Unterschied zu anderen Kantonen bereits Anfang September die Maskenpflicht ab der 5. Klasse wieder eingeführt, nachdem wir diese nur kurzzeitig aufgehoben hatten. Und einzelne Schulen haben bereits weitergehende Massnahmen getroffen. Aber dazu kann ich nicht mehr sagen, das müssen Sie den Bildungsdirektor fragen.

zentralplus: Dann reden wir noch kurz über die Fasnacht. Die Umzüge seien abgesagt, heisst es dieser Tage.

Graf: Wir haben die Fasnacht nicht abgesagt. Das ist jetzt, zweieinhalb Monate vor dem Schmudo, gar nicht möglich. Ich weiss ja weder, welche rechtlichen Grundlagen zu diesem Zeitpunkt gelten werden, noch, wie die epidemiologische Situation dann aussieht. Stand heute wäre es so, dass wir aufgrund der aktuellen Bundesverordnung einen Umzug mit 50'000 Leuten nicht bewilligen könnten. Aber nochmals: Wir haben gelernt, dass die Pandemie sich ständig verändert. Jetzt zu sagen, die Fasnacht finde nicht statt, wäre falsch und nicht ehrlich.

zentralplus: Dann gibt es für die Fasnächtler noch Hoffnung – oder ist das naiv?

Graf: Die Fasnacht ist ein Teil unserer Kultur. Klar hoffen wir, dass sie stattfinden kann. Aber wir müssen abwarten. Es gibt Ende Januar den nächsten Austausch. Dann werden wir sehen, wie die Lage ist.

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