Politik

Emotionale Szenen im Parlament
«Power Days» in Knutwil sorgen für Zündstoff im Kantonsrat

  • Lesezeit: 4 min
  • Kommentare: 7
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Wegen ihrer Kritik an den «Power Days» in Knutwil hat SP-Kantonsrätin Isabella Schwegler-Thürig wüste Drohungen erhalten. (Bild: Bruno Raffa/zVg) (Bild: Bruno Raffa/zvg)

Diesen August röhren an den «» wieder die Traktoren in . Für grosse Emotionen sorgt der Anlass nicht nur bei den Fans, sondern auch im Kantonsrat.

Traktoren lassen ihre Motoren heulen, um angehängte Bremswagen über eine 100 Meter lange Strecke zu ziehen. Nach zweijähriger Pause finden heuer wieder die «» in statt. Und angefressenen Motorsportfans schnellt der Puls hoch, die Begeisterung ist gross.

Wie schnell diese grossen Emotionen überkochen können, musste SP-Kantonsrätin am eigenen Leib erfahren: «Die E-Mails, die ich zu dem Vorstoss erhalten habe, waren geradezu heilig.» Sichtlich fällt ihr der nächste Teil schwer, ihr Kopf rötet sich: «Aber ich habe auch Bedrohungen dazu erhalten. ‹Ich kenne deinen Arbeitsweg.› – ‹Ich weiss, wo du wohnst.›» Und mit fast brechender Stimme fügt sie hinzu: «Da hört es auf!»

Regierung ändert ihre Haltung

Grund für die wüsten Drohungen ist ein Vorstoss, den sie vor rund zwei Jahren eingereicht hat. Damals hat sie das Tractor Pulling und dessen Bewilligung aufs politische Tapet gebracht (zentralplus berichtete). Das Fazit des Regierungsrats: Der Anlass widerspreche bundesrechtlichen Vorgaben zu schonendem Umgang mit Boden. Eine Bewilligung solle sehr kritisch überprüft werden (zentralplus berichtete).

Zwei Jahre später finden die «Power Days» wieder den Weg in den Kantonsrat. Diesmal über den Grünen-Kantonsrat . Und wieder lösen sie sehr emotionale Debatten aus. Wie Schwegler-Thürig hat auch Zbinden die starken Emotionen der Pulling-Fans zu spüren bekommen (zentralplus berichtete). «Wenn man dagegen ist, schlägt einem viel Hass entgegen», erzählt der Grünen-Kantonsrat am Dienstag während der Session. Irritiert ist er jedoch mehr über die Haltung der Regierung. Inzwischen findet diese nämlich, dass sich die Bewilligung rechtfertigen lässt.

Bürgerliche lassen sich von Motorsportbegeisterung mitreissen

Neben Irritation trifft man im Kantonsrat aber auch Begeisterung für die «Power Days» an. Fast schon werbespruchreif sagt SVP-Kantonsrat Pius Müller: «Tausende von begeisterten jungen und älteren Personen erleben ein unvergessliches Weekend in der Zentralschweiz.»

Deshalb stört er sich auch daran, dass die Linke «eine der wenigen Motorsportveranstaltungen» der Zentralschweiz torpediere. Für ihn ist die Bewilligung der einzig richtige Entscheid. Denn sonst müssen man andere Grossanlässe wie Schwingfeste oder Open Airs ebenfalls auf ihre Ökobilanz hin analysieren und allenfalls verbieten.

So sieht Tractor Pulling aus:

Auch die Mitte lässt sich von Begeisterung für den Anlass anstecken. Diese argumentiert mit dem grossen Nachholbedarf nach der zweijährigen Wartezeit. Und appelliert deshalb an die Pulling-Gegner: «Ich bin mir bewusst, dass die ‹Power Days› die Toleranz einiger Personen stark strapaziert. Toleranz beruht jedoch auf Gegenseitigkeit», so Hanspeter Bucheli, der das Votum des abwesenden Thomas Grüter (Mitte) verliest.

Regierung schiebt Verantwortung an Polizei ab

Bau- und Umweltdirektor Fabian Peter (FDP) anerkennt die verschiedenen Emotionen, die bei einem solchen Anlass mitschwingen: «Es geht um einen Anlass. Dazu kann man verschiedene Meinungen haben.» Diese seien letztlich jedoch egal: «Ob etwas bewilligungsfähig ist oder nicht, ist keine politische Frage.»

Er spielt den Ball der Luzerner Polizei zu, denn diese sei für Ausnahmebewilligungen zuständig. Und in eine solche fliessen mehrere Interessen ein, so zum Beispiel die Haltung der betroffenen Gemeinde oder die effektive Bodenbelastung. Nach den angestossenen Gesprächen vor zwei Jahren haben die Veranstalter auch eine Wiedergutmachung zugesichert. So werde ein Teil der Gewinne in den Naturschutz investiert. Den Entscheid müsse aber die zuständige Dienststelle fällen. «Unser Rat sieht keinen Anlass, sich hier einzumischen.»

Ergo: Die Regierung will sich am Thema «Power Days» nicht die Finger verbrennen. Im Hinblick auf die Änderung des Strassenverkehrsgesetzes, womit Autorennen künftig auf Kantonsebene erlaubt werden könnten, dürften sich Motorsportfans doppelt freuen (zentralplus berichtete). Der Widerstand der Linken scheint jedoch bereits programmiert. Gegenüber zentralplus hat Zbinden angekündigt, punkto «Power Days» immer wieder nachzufragen. Und das Rennen um Motorsportveranstaltungen ist damit noch lange nicht gelaufen.

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7 Kommentare
  1. Terra, 22.06.2022, 18:59 Uhr

    Regierung: Sich die bäuerliche Wählerschaft mit dickem schwarzem Rauch und Lärm warmhalten! Sonst wird Kulturland gehätschelt und als wichtig für die Ernährung betont. An diesem Anlass darf es unter Rädern zermalmt werden.

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  2. Trömpeterli, 21.06.2022, 18:51 Uhr

    Drohungen sagen schon alles über das Niveau dieser Leute aus. Die Lösung ist einfach: Event verbieten, und ab in den Kerker.

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    1. Michel von der Schwand, 22.06.2022, 12:56 Uhr

      Kann man so machen, muss man aber nicht. Es macht durchaus Sinn, dass man auch weniger intelligenten Menschen zutraut, dass sie sich weiterentwickeln können und lernfähig sind. Aber Achtung, vielleicht gibt es auch Subventionen für diesen Sauglattismus /Guckst du: https://www.blw.admin.ch/blw/de/home/instrumente/direktzahlungen.html)

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    2. sowas, 22.06.2022, 13:14 Uhr

      @Trömpeterli
      «….ab in den Kerker.» finde ich jetzt schon etwas krass aber vermutlich reflektiert das Niveau dieses Anlasses tatsächlich das Niveau der Personen, bzw. der politisch Verantwortlichen, die solchen Schwachsinn toll finden, gucken gehen oder schweigend einfach nur dulden aus Angst, bei den nächsten Wahlen einen Teil ihres Elektorats zu verlieren….

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      1. Roli Greter, 22.06.2022, 13:48 Uhr

        «ab in den Kerker» reflektiert ebenfalls ein gewisses Niveau…

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      2. Trömpeterli, 22.06.2022, 15:07 Uhr

        Mein Beitrag war tatsächlich etwas Provokant gemeint… aber ist Drohung in der Schweiz neuerdings nicht mehr Strafbar?

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      3. Roli Greter, 22.06.2022, 15:47 Uhr

        So strafbar wie üble Nachrede…

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