Politik

Stadt Zug
Politisches Gezerre um das Stadtmagazin

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Die Ausgabe Nr.5 sorgt für Ärger. (Bild: bra)

Die letzte Ausgabe des Stadtmagazins sorgte für Ärger. Bürgerliche Stimmen fordern gar die Einstellung und die Streichung des gesamten Stellenetats. Ging das Zuger Stadtmagazin zu weit?

Vor gut einem Jahr war sich der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller noch sicher: «Keine Angst – das neue Stadtmagazin wird nicht mit stadträtlicher Hofberichterstattung langweilen.» Damals verteilte er zusammen mit der Redaktion das erste, frisch aufgemachte Magazin der städtischen Verwaltung in den Strassen von Zug.

Gelangweilt hat das Heft bislang nicht, im Gegenteil. Es wird nun mit der fünften Ausgabe heftig kritisiert. Ob in der Neuen Zuger Zeitung oder in den Leserbriefen an unsere Redaktion, der Tenor kommt laut von bürgerlicher Seite: Es handle sich um Hofberichterstattung eines linken Stadtrates.

Dabei ist das Thema der umstrittenenen Ausgabe bezeichnend: . An die Front der Kritiker wagt sich Ulrich Bollmann. In seiner Mitteilung moniert das Vorstandsmitglied der kantonalen FDP-Top 60, die neuste Ausgabe des Stadtmagazins enthalte «Gefälligkeitsinterviews». Er findet in einem Kommentar den «politischen Tiefpunkt». Und allgemein: Auf den 36 Seiten kämen die politischen Botschaften des linken Stadtrats zu stark zum Ausdruck.

Schliesslich fordert Ulrich Bollmann die ersatzlose Streichung des Stadtmagazins und des gesamten Stellenetats. «Ich bin nicht alleine mit dieser Meinung. Viele Stimmen aus FDP und der SVP unterstützen diese Kritik», sagt er.

Die Macher wehren sich

Das Zuger Stadtmagazin ist ein Resultat langer Vorarbeit. In journalistisch aufwändiger Aufmachung können Zugerinnen und Zuger durchschnittlich 36 Seiten durchblättern; Sie finden Porträts ihresgleichen, Interviews und Reportagen. Aber weiter hinten findet der Leser auch Kolumnen und Kommentare, es handelt sich um Meinungen von Politikern und Behördenmitgliedern.

In der aktuellen Ausgabe sind konkret die Interviews mit den Zuger Stadträten Anlass für den Ärger: Unter dem Titel «Die Auserwählten» erhalten die fünf Amtsleiter in ausführlichen Gesprächen die Gelegenheit und den Platz, um über ihre tägliche Arbeit, über Politik und die Herausforderungen des Amtes zu sprechen. Ulrich Bollmann nennt es: «Hofberichterstattung».  Und es sei vom linken Stadtrat «clever gemacht». Auch die Illustration zum Buchtipp im hinteren Teil des Magazins: Dass ausgerechnet eine Anti-Atom-Illustration vom Zeichner Chappatte gewählt worden war.

Weiter zielt Bollmanns Kritik in die Mitte des Heftes, auf ein grosses Bild. Auf einer Doppelseite sind Notizen aus der Agenda des Stadtpräsidenten abgebildet und eine Telefonnummer verrät, bei welchem Magen-Darm-Spezialisten der Stadtpräsident kürzlich einen Termin hatte. «Ob die Öffentlichkeit das wirklich wissen muss und will», fragt Bollmann.

Die Macher des Stadtmagazins halten dagegen. Es seien bis jetzt nur positive Rückmeldungen von den Leserinnen und Lesern gekommen. Und zu den kritisierten Stellen sagt Stadtpräsident Dolfi Müller konkret: «Die Abbildung meiner Agenda ist eine andere Art von Ansprache. Das ist meine, sie ist authentisch. Und ja, Dr. Gassmann ist mein Arzt. Nur dies interessiert die Leser an und für sich nicht. Aber dass dieses Detail aufgefallen war, zeigt mir, dass die Seite gut gelesen wurde.»

Und Müller führt weiter aus: Das Thema der Anti-Kernkraft-Illustration sei mit Sicherheit ein politisches. «Aber ich gehe davon aus, dass die Leser selber einschätzen können, was wir schreiben. Wir wollen sie da nicht in eine Richtung drängen.»

Wenn er in einem Vorwort etwas zu sagen habe, dann sei es seine Meinung. «Die Leser wollen authentische Politiker aus Fleisch und Blut.» Aber dennoch sei Zurückhaltung angebracht.

Auch Experten betrachten das Magazin unterschiedlich

Die Basis für die Idee des Stadtmagazins war eine umfassende qualitative Befragung der Bevölkerung. Später wurde von den Machern bezüglich Inhalt und Gewichtung Meinungsvielfalt und Unabhängigkeit versprochen. Bisher hat sich der Stadtpräsident in zwei von fünf Ausgaben in einem Vorwort direkt an die Zugerinnen und Zuger gewandt, mit persönlichen, wie auch mit politischen Worten.

Diese Möglichkeit für die Platzierung politischer Botschaften stört Experte Markus Ineichen nicht. Er findet, dass das neue Zuger Stadtmagazin gut gemacht sei. Er ist Dozent an der Hochschule Luzern – Wirtschaft und unter anderem spezialisiert auf die Kommunikation von Behörden. «Politik ist von Menschen für Menschen gemacht. Aus diesem Grund sprechen in allen Texten Menschen, nicht Konzepte und Gesetze. Diese Menschen äussern sich differenziert. Das ist toll.»

Doch auch Ineichen hat Vorschläge zur Verbesserung und doppelt gleich mit inhaltlichen Wünschen nach: «Wo sind die ganz Jungen, die Entpolitisierten, die Anarchisten, die Ausländer, die Randständigen, die Behinderten, die Dementen, die Verliebten?»

Ein Experte für Journalistik stellt die Diskussion auf eine andere Ebene: Vinzenz Wyss, Professor für Journalistik  an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, verkürzt den Streit um politische Inhalte und betrachtet das Stadtmagazin ganz nüchtern: «Nur schon strukturell gesehen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, Vielfalt  und Unabhängigkeit zu garantieren. Selbst wenn sich die Autoren Mühe geben. Ein Stadtmagazin gehört der Stadt und funktioniert wie die Medienarbeit eines Unternehmens: Letztlich ist es immer die Perspektive des Absenders.»

Der Stadtpräsident von Zug will jedoch am Prinzip und der journalistischen Aufmachung weiterhin festhalten. Er sei stolz auf sein Magazin: «Die Stadt lebt von der Vielfalt. Es wäre das Dümmste, wenn wir diese Vielfalt in Frage stellen und Schönfärberei beitreiben würden. Deshalb ist es ja auch gut, wenn Kritik aus der Leserschaft kommt», so Müller.

Entstanden ist das Stadtmagazin Zug aus verschiedenen kleineren Broschüren und Magazinen der Departemente, die zusammengelegt wurden. Die heutigen Kosten pro Ausgabe betragen laut Angaben der Chefredaktion rund 40’000 Franken. Das Stadtmagazin Zug erscheint viermal Jährlich in einer Auflage von je 20’000 Exemplaren.

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2 Kommentare
  1. Markus Mathis, 03.05.2013, 14:27 Uhr

    Wen interessiert schon das Gemecker von PR-Mann Bollmann, der seine Existenz durch seine Verbindungen zur FDP bestreitet? Der Vorwurf der Linkslastigkeit ist für jedwelches Imprimat so unausweichlich wie abgedroschen. Als Leser hätte mich ein etwas ein genauerer Blick auf das Magazin interessiert, über welches sich durchaus Differenziertes sagen lässt. Nummern von hoher Güte mit einem bereichernden Vielfalt von Portraits und Zuger Stimmen wechseln sich mit uninspirierten Heften ab, wie jenem über Zuger Plätze. Die Herausforderung wird sein, auf Dauer nicht publizistisch zu verflachen, nicht, auf die Polemiken der Bollmanns, Brandenbergs oder Brunners dieser Stadt einzugehen.

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  2. Stefan Gisler, 19.03.2013, 14:19 Uhr

    Der heutige Stadtrat funktioniert gut – so gut, dass er den schnellen Wechsel bei der von Romer (Rücktritt wegen … ) zu Kobelt (beide in der Partei von Kritiker Bollmann) gut bewältigt hat. Bollmann, Kleeb – beides Mitglieder der BS 14 – ein rechtskonservativer Verein, der sich zum Ziel setzt, dass der links im Stadtrat wieder die Minderheit hat – sucht immer wieder Themen, um den Stadtrat schlecht zu machen. Diesmal das Stadtmagazin – wirft im Einseitigkeit vor in einer Nummer, in welcher auch Politiker von CVP, FDP, SVP ausgiebig zu Wort kommen. Das der Stadtrat – alle, auch die Bürgerlichen – sich als Menschen im Amt präsentiert ist sympathisch. Ebenso spannend sind die Interviews mit den Jung-SVPlern. Natürlich darf BS14 für einen bürgerlichen Stadtrat 14 werben. Ich warte einfach auf Inhalte, was sie bewegen wollen, statt nur andere schlecht zu machen. Sonst könnte es dann schnell mal ZOF 14 daraus geben – Zug ohne Freisinn.

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