Politik
Zuger Stadtrat will Areal überbauen

Politiker kämpfen für grüne Oase beim Zurlaubenhof Zug

Ein Juwel ist der Zurlaubenhof: Darüber ist man sich in Zug einig. (Bild: cs)

Der Stadtrat ist fest entschlossen, grosse Teile des Areals Zurlaubenhof Zug überbauen zu lassen. Nun aber melden sich kritische Stimmen zu Wort.

Es scheint schon fast beschlossene Sache zu sein. Jedenfalls wenn es nach dem Willen des Zuger Stadtrates geht: Auf dem Areal des Zurlaubenhofs in Zug sollen in den nächsten Jahren die Bagger auffahren, um eine Überbauung zu realisieren.

Zur Erinnerung: Ende des letzten Jahres teilte der Zuger Stadtrat der Bevölkerung mit, dass er den Zurlaubenhof kaufen möchte. Dabei gab der Stadtrat auch bekannt, dass das Umgelände dieser Zuger Perle zu einem ansehnlichen Teil überbaut werden soll. Geht es nach den Vorstellungen des Zuger Stadtrates, so werden dort bereits im Jahre 2030 insgesamt 40 bis 45 neue Wohnungen bezugsbereit sein (zentralplus berichtete).

Mit anderen Worten: Die Stadt will das Areal des Zurlaubenhofs Zug kaufen, es gleichzeitig aber zu einem beträchtlichen Teil überbauen lassen. Liest man die Medienberichte vom Dezember durch, so kommt man zum Schluss: Für den Stadtrat scheint das so quasi in Stein gemeisselt zu sein.

Es liegen drei Schätzungen vor 

Finanzchef André Wicki (SVP) teilt auf Anfrage mit, die Familie Bossard habe ihr Angebot im Umfang von 65 Millionen Franken aufgrund der Angaben eines bekannten Schätzers erstellt. «Die Stadt hat ihrerseits eine Schätzung durch die Zuger Kantonalbank erstellen lassen.» Zudem habe die Stadt noch eine Drittmeinung einholen lassen, welche das Angebot als fair einstufe. «Alle drei Schätzungen sind sich einig, dass der Preis von 65 Millionen Franken nur mit dem Bebauungsplan zu rechtfertigen ist. So geht die ZKB von einem Marktwert ohne Bebauungplan von 27 Millionen Franken aus.»

Zu den Überbauungsplänen meint André Wicki: «Der Stadtrat ist gehalten, Steuergelder sinnvoll einzusetzen und nicht einen Abschreiber von 38 Millionen vorzunehmen.» Stadtrat Wicki fügt dann aber noch bei: «Es ist dem Stadtrat ein Anliegen, dass wir den Zurlaubenhof für die Stadtzuger Bevölkerung vorerst sichern können.»

Die ökonomische Sicht des Stadtrates

Unbestrittenermassen geht es der Stadt Zug heute finanziell aber blendend: So endete das Rechnungsjahr 2020 für die Stadt Zug mit einem Überschuss von 13,7 Millionen Franken. Das frei verfügbare Eigenkapital für 2020 betrug rund 347 Millionen Franken.»

«Der Zurlaubenhof ist eine der letzten Stadtzuger Perlen.»

Martin Iten, Gemeinderat (CSP)

Klar ist: Der Stadtrat argumentiert in Bezug auf das Umgelände dieses Zuger Juwels dezidiert ökonomisch. Diese Sichtweise teilen aber längst nicht alle Zugerinnen und Zuger. Es gibt Stimmen, welche die Überbauungspläne des Stadtrates kritisch hinterfragen.

Die Zuger Stadtregierung scheint sich dessen bewusst zu sein. «Es bestehen Kreise, die sich für eine Umzonung in die Zone des öffentlichen Interesses einsetzen und das ganze Areal als öffentlichen Park gestalten wollen», schreibt der Stadtrat in seiner Botschaft vom 14. Dezember letzten Jahres. Und weiter: «Die Bestrebungen, die Anlage als Grünraum zu erhalten, sind dem Stadtrat bekannt.»

Grüne Oasen werden immer wichtiger

Einer der Verfechter dieser Idee ist Martin Iten, der im Quartier St. Michael wohnt. «Ich bin ganz klar dafür, dass der vorhandene Bebauungsplan nicht umgesetzt wird und dass der Zurlaubenhof weiterhin unverbaut bleibt», sagt der Gemeinderat der CSP. «Der Zurlaubenhof ist eine der letzten Stadtzuger Perlen. Und während die Stadt in den nächsten 15 Jahren ja um bis zu 15’000 Personen anwachsen soll, es also bei uns immer enger und verdichteter werden wird, sind solche grüne Oasen in der Stadtmitte umso wichtiger.»

Gleichwohl sei er sehr dafür, dass der Hof der Bevölkerung zugänglich gemacht wird. Martin Iten könnte sich in diesem Zusammenhang gut eine landwirtschaftsähnliche Nutzung vorstellen, die aber auch als familienfreundlicher Begegnungsort – etwa mit einem Streichelzoo – dienen könnte.

«Der Zurlaubenhof ist auch ein Park»

Es mache für die Stadt Sinn, den Zurlaubenhof Zug mit dem umliegenden Land zu erwerben, sagt Ignaz Voser, ebenfalls Gemeinderat der CSP. «Dass damit aber auch der Bebauungsplan so wie vorgesehen umgesetzt werden soll, sehe ich eher kritisch.»

Zurlaubenhof Zug Umschwung
Was passiert beim Zurlaubenhof? Darüber ist man sich in Zug nicht einig. (Bild: cs)

Voser ist der Ansicht, man solle jetzt vorab einmal den Bestand sichern und die Liegenschaft der Öffentlichkeit zugänglich machen. Man könne dann immer noch zu einem späteren Zeitpunkt – wenn die ISOS-Gutachten vorliegen – über eine allfällige moderate Erweiterung des Gehöfts nachdenken. «Wir wollten ja schon immer eine Perle erhalten und nicht zuallererst mit dem Bagger auffahren.» Der Zurlaubenhof Zug sei auch ein schöner «Park», den es zu erhalten gelte.

GLP schlägt neuen Fonds vor

Eine andere Idee stammt von der GLP: Sie regt einen neuen städtischen Zurlaubenhof-Fonds an. Er würde gespiesen von den Mietzinseinnahmen, welche die Stadt durch die Wohnungen vom Zurlaubenhof erzielt. Mit diesem Geld wiederum könnten gemäss GLP langjährige Ortsansässige unterstützt werden, die aufgrund der stetig steigenden Immobilienpreise aus Zug wegziehen müssen. Die Details, insbesondere faire Kriterien, müssten noch erarbeitet werden.

Dieses Modell hat laut der Partei Vorteile gegenüber vergünstigten Wohnungen: Auf der Zurlaubenhof-Wiese würden Bauten erstellt, die nach Ansicht der Grünliberalen dem Anwesen gerecht werden – gleichzeitig sollen gemäss der GLP auch sozial schwächere Zugerinnen profitieren.

So geht es jetzt weiter

Klar ist: Die Frage der Bebauung dürfte sicher noch zu reden geben. Nur am Rande war sie Thema in der Bau- und Planungskommission (BPK) des Stadtparlaments. «Die Mehrheit der Kommission erachtet es als unglaubliche Chance und grosses Glück, dass die Stadt Zug die Gelegenheit hat, dieses, auch mit Blick in die Zukunft, wichtige Grundstück zu erwerben», heisst es darin. Mit 9:1 Stimmen stimmt sie dem Kauf des Zurlaubenhofs Zug für 65 Millionen Franken zu.

Wie geht es nun weiter? Nachdem die Geschäftsprüfungskommission die Vorlage beraten hat, wird sie in den Grossen Gemeinderat kommen. «Letztendlich werden die Zuger Stimmberechtigten entscheiden», erklärt Dieter Müller, Leiter Kommunikation der Stadt Zug.

Verwendete Quellen
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